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«Das Männerbild des Herrn Hollstein ist urgrossväterlich»

Männer in der RechtsbewegungWarum wählen junge Männer in der Schweiz immer öfter rechts?,TA vom 3. Februar Wo sind sie geblieben? «Die vaterlose Gesellschaft», so titelten schon in den 60ern Margarete und Alexander Mitscherlich ihre soziologische Analyse des unbefriedigenden Zustands. Und heute fragen wir (Mütter, Feministinnen) immer noch: Sag mir, wo die Väter sind, wo sind sie geblieben? Die Väter als Vorbilder, als engagierte, verantwortungsvolle Männer, welche die Entwicklung ihrer Buben fördern, ihnen die Welt eröffnen, ihnen Grenzen setzen, auch für sie da sind, wenn es langweilig, nervig, mühsam und anstrengend ist. Viele Väter können das ihren Buben bieten und wissen auch, wie viel Freude sie selbst aus diesem Einsatz für sich, für ihr Lebensglück gewinnen. Aber es gibt eben viel zu viele Väter, denen anderes wichtiger ist. Deren Buben wachsen ohne dieses wichtigste Vorbild auf. Sie haben niemanden, an dem sie sich reiben können, der ihnen auch mal die Stirn bietet, aber auch ein sicherer Hort ist. Auch in der Primarschule sind die männlichen Vorbilder und führenden Persönlichkeiten rar geworden. In den Kindergärten und Krippen findet man sie auch mit der Lupe kaum. Zu wenig Prestige, zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten, zu wenig Lohn, zu anstrengend? Wen wundert es da, wenn sich Buben und Jugendliche zur rechten Szene hingezogen fühlen? Da werden mit einfachen Schlagwörtern radikale Lösungen versprochen, um die Unsicherheiten, in denen die Jugendlichen stecken, zu bewältigen. Da fühlen sie sich endlich verstanden, und die streng hierarchisch strukturierte Gemeinschaft bietet die Geborgenheit, die man bisher vermisste. Ihr Männer, ihr Väter, packt eure Aufgabe, die auch eine Chance ist, auch zum eigenen Wohl an. Barbara Kehl-Zimmermann, Basel Gutes Männerbild abgewertet. Eine erschreckende Perspektive, wenn der Rechtsrutsch junger Männer aufzeigt, dass es Buben immer schwerer fällt, ihren Weg zum Mannsein zu finden. Das gute Männerbild wird laufend abgewertet, indem die inzwischen etablierte feministische Sicht Männer auf das Tätergeschlecht reduziert. Der Tatendrang, das natürliche Potenzial gesunder männlicher Aggressivität, wird kontinuierlich schlechtgemacht. Da gehen wir auf ein grosses Problem zu. Was wäre also zu tun? Ist es sinnvoll, acht Millionen Franken Steuergelder für sogenannte Gender- und Gleichstellungsforschung auszugeben? In Kinderkrippen soll ja der Frage nachgegangen werden, «wie Kinder lernen, ein Junge oder ein Mädchen zu sein». Dabei ist angeblich das Forschungsresultat schon zu Beginn bekannt: Für die weitere Förderung der Gleichstellung sei es wesentlich, dass Kinder nicht durch die Vermittlung stereotyper Verhaltensweisen in ihrer Entfaltung eingeschränkt würden. Werden also die Buben weiterhin diskriminiert, indem sie sich ihre sogenannten stereotypen Verhaltensweisen wie bisher abgewöhnen müssen? Ich denke, damit sind wir gehörig auf dem Holzweg. Mit verblendeter Ideologie hat das viel, mit Wissenschaftlichkeit aber gar nichts zu tun. Hanspeter Küpfer, Birmensdorfmannschafft.ch Orientierungskrise als Chance. Das Männerbild, das Herrn Hollstein vorschwebt, ist urgrossväterlich, weil es den «verantwortungsvollen, treuen, starken Mann» nur noch ausnahmsweise gibt – oder wieso sind denn Frauenhäuser und Alimentenbevorschussung notwendig geworden? Junge Männer, die etwas im Kopf haben, müssen keiner rechtsradikalen Partei nachlaufen, um Mann zu sein. Sie denken nämlich selber. Und viele entscheiden sich für die sanfte, friedliche Art Mann. Wenn nach hollsteinscher Definition Männern Ziele von aussen gegeben werden müssen – statt von ihren Vätern (diese existieren bei ihm nämlich nicht) –, dann ist es mit dem Mannsein wohl nicht weit her: Fakt ist doch, dass das hollsteinsche, uralte Männerbild des starken, permanent potenten, alles wissenden Mannes selbst bei Männern klaffende Risse bekommen hat. Aber er und eine Heerschar von ewig gestrigen alten Männern wollen noch immer nicht begreifen, dass sie nichts im Griff haben: sich selber nicht, die Natur nicht, die Maschinen nicht – und die Frauen schon gleich gar nicht. Die Orientierungskrise ist nichts weiter als die Notwendigkeit, den eigenen Grössenwahn etwas einzuschränken. Als Soziologe sollte er doch eigentlich wissen, dass es mindestens drei Generationen dauert, bis Vorbilder zu Verhaltensänderungen und dann zu gesellschaftlich anerkannten Rollenmustern werden. Also muss die Orientierungskrise doch auf eine Besserung hindeuten, denn viel schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen. Anita M. Dürr, Gams Reflexhafte Schuldzuweisungen. Beim Aufschlagen der Seiten 8 und 9 des heutigen Tagi erlebte ich eine Art Déjà-vu. Auf der rechten Seite verliert ein verdienstvoller Gemeindepräsident den Glauben an das Gute: Ein Vater hat seinen Sohn getötet, wofür er nun als Verantwortlicher der Vormundschaftsbehörde mit zur Rechenschaft gezogen werden soll. Darunter lese ich eine Analyse über «Männer in der Rechtsbewegung», wofür unter anderem eine verfehlte Gleichstellungs- und linke Politik verantwortlich sein soll: Für Jungen wird es immer mühsamer, einen sinnvollen Weg zum Mannsein zu finden. Auf der linken Seite finde ich unter dem Titel «Diktatorendämmerung» neun Porträts von Männern, die ihre Völker unterdrücken und ausbluten – ausgewählt aus einer Liste der 23 schlimmsten repressiven Herrscher. Als Frau dämmert mir, dass wir es mit einer ernst zu nehmenden Männerkrise zu tun haben, die sich jedoch bereits seit ungezählten Generationen weltweit als scheinbar naturgegebener «Normalzustand» präsentiert. Ich wünsche mir nicht nur bewusste Frauen, sondern auch bewusste Männer und Väter, die sich dieser Krise, die für alle eine Chance ist, annehmen, neue Wege zum Mannsein erkunden und nicht wie Herr Hollstein reflexhaft in Schuldzuweisungen stecken bleiben. Monika Golling, Erlenbach «Ich wünsche mir Männer und Väter, die sich dieserKrise annehmen und nicht in Schuldzuweisungenstecken bleiben.»

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