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Coop strafft sein Verteilnetz und verursacht so jedes Jahr 4800 Tonnen weniger CO2

Der Grossverteiler will bis 2016 mehr Güter mit der Bahn transportieren. Er schliesst Verteilzentren und Bäckereien. 1200 Mitarbeiter stehen vor Veränderungen.

Von Romeo Regenass, Dietikon Die direkte Belieferung der Filialen ab den nationalen Verteilzentralen erfolgt bei Coop zum grössten Teil via Strasse. Das Verteilnetz ist recht dezentral und sorgt für unnötige Lastwagenfahrten. Beides passt schlecht zum Grossverteiler, der bis 2023 CO2-neutral sein will – obwohl seit 2005 durch Optimierungen der Logistik bereits 60 Millionen Franken pro Jahr eingespart wurden. Nun gibt Coop einen zweiten Rationalisierungsschritt bekannt: Schafisheim, heute eine regionale Verteilzentrale mit 350 Angestellten, wird ausgebaut zum grössten Logistikstandort (siehe Karte). Vom Aargau aus werden ab 2016 mit 1100 Mitarbeitenden zwei Regionen beliefert. Das Verteilzentrum in Basel, das mit Bäckerei 450 Leute beschäftigt, wird geschlossen. Es liegt verkehrsmässig ungünstig und zum Teil in der Wohnzone, sodass das Land zu gutem Geld gemacht werden kann. Dietikon beliefert zukünftig nicht mehr die Region Zürich-Zentralschweiz, sondern die Pronto-Shops und den Hauslieferdienst Coop@home. Schafisheim erhält auch eine zentrale Bäckerei, die Frischbrot und Tiefkühlteiglinge herstellt. Dem Neubau fallen die Bäckereien in Basel und Wallisellen zum Opfer (Letztere mit 350 Mitarbeitern); die mit Grossbäcker Hiestand betriebene Hicopain in Dagmersellen, die 150 Leute beschäftigt, muss neue Aufträge suchen; Coop steht für 65 Prozent der Produktion. Die regionalen Bäckereien Aclens VD, Bern, Castione TI, Chur und Gossau SG bleiben bestehen. Um die Tiefkühlteiglinge nicht unnötig zu transportieren, wird in Schafisheim eine nationale Tiefkühl-Verteilzentrale gebaut. Die Tiefkühllager in Hinwil ZH und Givisiez FR mit je 35 Stellen werden genauso aufgegeben wie vier zugemietete Aussenlager. Diese Konzentration spart massiv Strassenkilometer. Keine Entlassungen geplant Wichtige Komponente der ökologisch und ökonomisch motivierten Umbaupläne ist die Integration der kürzlich erworbenen Railcare (TA vom 4. 9.) ins Konzept. Die S-Bahn im Cargo-Bereich, die viel kürzere Züge fährt als SBB Cargo, ermöglicht die Verlagerung grosser Gütermengen auf die Schiene. Coop-Pronto-Shops etwa werden in Zukunft ab 90 Kilometer Distanz per Bahn beliefert; Lastwagen braucht es nur zur Feinverteilung. Coop rechnet ab 2016 mit 4 Millionen Strassenkilometern weniger, einer Reduktion des C02-Ausstosses um 4800 Tonnen und Einsparungen von 60 Millionen Franken pro Jahr. Insgesamt dürfte der Umbau rund 1200 Angestellte involvieren. Coop verspricht, allen Betroffenen zwei Jahre vor der Schliessung eines Standorts eine adäquate neue Stelle anzubieten. Man werde auch Umzugskosten übernehmen und Beiträge an einen allenfalls längeren Arbeitsweg leisten. Dies gilt auch für die Hicopain-Angestellten, die in Dagmersellen überzählig sein könnten. «Uns hilft, dass die Fluktuation des Personals in diesem Bereich mit 9,5 Prozent recht hoch ist», ergänzt Coop-Chef Hansueli Loosli. Die Gewerkschaft Unia begrüsst die frühe Ankündigung der Pläne, fordert aber einen Einbezug des Personals und der Gewerkschaften in den Prozess. Ziel müsse sein, den Umbau ohne Entlassungen durchzuführen. Ein Ziel, das auch Coop-Chef Loosli nennt.

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