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Coop droht mit Rückzug aus dem Rafzerfeld

Der Grossverteiler reagiert ungehalten darauf, dass Gewerbler den Bau eines Einkaufszentrums bremsen. Er stellt der ganzen Region ein Ultimatum.

Von Céline Trachsel Eigentlich wollte Coop doch ein gewaltiges Einkaufszentrum bauen, einen sogenannten Megastore. Und jetzt das: «Coop drohte uns, sich ganz aus dem Rafzerfeld zurückzuziehen», liess der Hüntwanger Gemeindepräsident Kurt Erb (SVP) an der jüngsten Gemeindeversammlung die versammelte Dorfbevölkerung wissen. Was war passiert? Der Grossverteiler war ennet des Rheins auf Widerstand gestossen. Von «Schwierigkeiten und Verzögerungen» sprach der Gemeindepräsident. Es sei schon etwas dran an den Gerüchten, die im Dorf kursierten, dass es mit dem Megastore nämlich nicht vorwärtsgehe. Sand ins Getriebe gestreut hatten die Kleingewerbler in Eglisau und im Rafzerfeld, weil sie um ihr Geschäft fürchteten, nachdem Coop seine Pläne für das Grossprojekt auf dem Gebiet Bauelenzelg in Hüntwangen-Eglisau publik gemacht hatte. Sie verlangten eine Studie darüber, ob der Megastore dem einheimischen Gewerbe schaden würde. Ihrem Wunsch wurde prompt Folge geleistet: Ein privates Unternehmen analysierte die möglichen Auswirkungen und – gab Entwarnung.Der Megastore, so das Fazit der Studie, habe keine negativen Auswirkungen auf die Läden in Eglisau und im Rafzerfeld. Im Gegenteil: Die Region sei unterversorgt – nördlich von Eglisau gebe es im Unterland zu wenig Einkaufsmöglichkeiten für die Bevölkerung. Die Gemeinde Eglisau zweifelte aber an diesen Schlüssen. «Ich als Privatperson hätte Freude, wenn ich gleich über die Strasse in den Megastore einkaufen gehen könnte», sagte Gemeindepräsidentin Ursula Fehr (SVP) zwar, «aber ich weiss, dass das Gewerbe Bedenken hat.» Auch zwei Workshops mit Behördenvertretern aller Gemeinden aus dem Rafzerfeld brachten keinen Fortschritt. Inzwischen hat man bei Coop ob dem Hin und Her offensichtlich die Geduld verloren. Der Grossverteiler macht nun Druck auf die Lokalpolitiker: Wenn er im Oktober des kommenden Jahres den Megastore in Hüntwangen nicht endlich eröffnen könne, ziehe er sich ganz aus der Region zurück. Das würde also auch das Aus für die kleine Filiale im Eglisauer Städtli bedeuten. Dass diese Drohung ernst gemeint ist, bestätigt auf Anfrage Hans Rudolf Zollinger, Projektleiter Expansion von Coop Zürich. Zeit für Rekurse läuft ab Das Timing dürfte kein Zufall sein: Am 23. Dezember läuft die 30-tägige Einsprachefrist gegen das Bauprojekt ab. Mit diesem ist es nämlich seit der Veröffentlichung der Studie vorangegangen. Die Baupläne liegen vor, die Baubewilligungen des Kantons und der Gemeinde Hüntwangen sind erteilt, das Bauland ist seit Wochen ausgesteckt. Noch hofft der Grossverteiler, dass er den Bau innerhalb der gesetzten Frist realisieren kann. Ohne Einsprachen, rechnet auch Kurt Erb vor, wäre eine Eröffnung im Oktober 2011 möglich. Wäre. Wenn Eglisaus Gemeinderat sich nicht noch entscheidet, Rekurs einzulegen. Denn gestern tagte dieser bis in den späten Abend hinein, ohne sich zu einem Entschluss durchringen zu können.

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