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Bundesgericht gab Autofahrer nach Hin und Her recht

Ein Autofahrer kollidierte in Thalwil mit einem Motorrad. Zuerst wurde der Fall gar nicht untersucht. Nach dem Schuldspruch folgt nun die definitive Entlastung.

Von Elio Stamm Thalwil/Horgen/Lausanne – Dass die verschiedenen Gerichtsinstanzen nicht immer einer Meinung sind, hat ein Automobilist aus dem Bezirk in den vergangenen sechs Jahren am eigenen Leib erfahren. Am 14. Juni nun hat ihn das Bundesgericht vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen. Der Unfall ereignete sich am 27. Juli 2005. Damals wollte der Automobilist in Thalwil auf Höhe der Badi Bürger I von einem Parkplatz aus in die Seestrasse in Richtung Horgen einbiegen. Dazu musste er die Fahrbahn in Richtung Zürich überqueren, auf der ihm eine PW-Lenkerin entgegenkam.Nachdem der Autofahrer Blickkontakt zur Frau aufgenommen hatte, bremste sie ab, und er fuhr los. Genau in diesem Moment überholte ein Motorradfahrer den PW. Auf der Fahrbahn nach Horgen kam es zur Frontalkollision zwischen Töff- und Autofahrer. Erst schuld, dann nicht mehr Das Bundesgericht kam zum Schluss, der Automobilist habe nicht damit rechnen können, dass der ebenfalls aus der Region stammende Motorradlenker mit der «übersetzten Geschwindigkeit» von 73 Stundenkilometern in einer 60er-Zone zum Überholen ansetze, auch wenn die Situation unübersichtlich gewesen sei. Zudem hätte die Kollision vermieden werden können, wäre der Töff langsamer gefahren, schreibt das Bundesgericht. Es nennt eindrückliche Zahlen. Wenn der Motorradlenker mit 60 Stundenkilometern gebremst hätte, dann wäre er an dem Punkt, wo er bei ursprünglich 73 Stundenkilometern noch 50 Stundenkilometer fuhr, bereits zum Stillstand gekommen. Das Bundesgericht lehnt mit seinem Entscheid eine Beschwerde des Töfffahrers ab und bestätigt das Urteil der II. Strafkammer des Zürcher Obergerichts vom 29. Oktober 2010. Nicht immer in den vergangenen Jahren hat sich der Fall des Autofahrers, der in die Seestrasse einbiegen wollte, aber so klar präsentiert. Das Bezirksgericht Horgen sprach den Autofahrer am 7. Januar 2010 schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 14 Tagessätzen zu 140 Franken sowie einer Busse von 500 Franken. Zudem verpflichtete es ihn, 1000 Franken Genugtuung an den Töfflenker zu bezahlen. Darauf zog der Autofahrer das Urteil mit bekanntem Ausgang ans Obergericht weiter. Drei Anläufe zur Anklage Die lange Dauer zwischen Unfall und dem Urteil des Bezirksgerichts Horgen ist kein Zufall. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis benötigte für die Anklage drei Anläufe. Zu Beginn schien ihr der Fall gar nicht untersuchungswürdig zu sein. Sie wurde erst auf Strafantrag des Motorradlenkers tätig, stellte die Untersuchung am 12. Juni 2006 aber ein. Der Töfffahrer rekurrierte gegen die Einstellungsverfügung. Der Einzelrichter in Strafsachen des Bezirksgerichts Horgen wies den Rekurs am 17. August 2006 ab, der Kassationshof des Bundesgerichts dagegen hiess die folgende Nichtigkeitsbeschwerde des Motorradlenkers gut und wies die Sache zur vertieften Abklärung zurück.Die Staatsanwaltschaft beauftragte den Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich mit einem unfallanalytischen Gutachten, welches am 3. Juli 2008 vorlag. Das schien nicht belastend zu sein. Am 7. Juli 2008 stellte die Staatsanwaltschaft die Untersuchung zum zweiten Mal ein. Wieder zog der Töfffahrer den Rekurs weiter. Diesmal bestimmte die III. Strafkammer des Obergerichts, dass die Untersuchungsbehörde sich der Akten ein drittes Mal annehmen soll. Sie erhob, nachdem sie zuvor zweimal die Untersuchung fallen gelassen hatte, am 22. Juni 2009 Anklage, die am 7. Januar 2010 zur Verurteilung durch das Bezirksgericht Horgen und zum Gang durch die Instanzen bis vors Bundesgericht führte.

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