Zum Hauptinhalt springen

boulevard ist anders

Die Filme von Lars Laumann handeln von menschlichen Tragödien. Reisserisch sind sie deswegen noch lange nicht.

von paulina szczesniak videokunst Eine junge Frau, die einen Todeskandidaten liebt, und eine Objektsexuelle, deren Begehren sich auf die Berliner Mauer richtet? Die Themen, denen Lars Laumann in seinen Dokumentarfilmen nachgeht, könnte man zu prächtigen Boulevard-Reportagen verarbeiten. Wunderbar liesse sich da auf die Tränendrüse drücken beziehungsweise auf den Freak-Faktor setzen. Laumann aber ist kein Skandalreporter, und seine Filme, die es derzeit in Winterthur zu sehen gibt, sind keine pseudo-empathischen Quotenreisser. Wenn der 35-jährige Norweger zur Kamera greift, schöpft er zwar aus dem Themenpool des Dramatischen; Sentimentalität jedoch meidet er kategorisch, Tränen blendet er aus. Stattdessen setzt er derart konsequent auf nüchterne Berichterstattung, dass es bisweilen fast skurril wirkt – etwa dann, wenn die Hinterbliebene mit unglaublicher Sachlichkeit von der Exekution ihres Mannes berichtet. Dessen Straftat wiederum wird mit keinem Wort erwähnt. Durch solche Aussparungen demaskiert Laumann den inneren Voyeur in jedem von uns: Medial dazu konditioniert, harrt man vor dem Bildschirm aus, stets darauf lauernd, fremdes Unglück in Nahaufnahme serviert zu bekommen. Vergeblich. Dass sich die Tragödie letztlich doch erschliesst, liegt ironischerweise an dem respektvollen Abstand, den Laumann zu seinen Protagonisten hält: Das Unausgesprochene liegt wie ein Nebel in der Luft, der sich, unsichtbar, aber hartnäckig auf die Zuschauer herabsenkt. Nähe durch Distanz? Boulevard ist anders. Das ist einfacher Text, das kann man ihm gleich ansehen. Bis 21.11.Mi–Fr 12–18 Uhr, Sa/So 12–16 Uhr

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch