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Biss der Boxer oder der Dackel zu?

Der Boxer eines Volketswilers soll eine 75-Jährige gebissen haben. Die Frau wollte ihren Dackel beschützen und stürzte dabei.

Von Patrick Gut Zollikon – Wegen seines Hundes stand ein 25-jähriger Volketswiler gestern vor dem Bezirksgericht Meilen. Mit demselben Boxer kam es dieses Jahr bereits zu einem ähnlichen Vorfall. Die Geschädigte, eine 21-jährige Schülerin aus Volketswil, hat aber ihre Anzeige inzwischen zurückgezogen. Darum wurde dieses Ereignis in der Gerichtsverhandlung nicht beleuchtet. Wegen folgender Begebenheit hatte sich der Hundebesitzer gestern vor dem Meilemer Bezirksgericht zu verantworten: Seine zwei Boxerhunde stürmten oberhalb von Zollikon auf eine Seniorin zu, die mit ihrem Dackel unterwegs war. In der Folge nahm sie ihren Hund auf den Arm. Der eine Boxer sprang an der Frau hoch, bis sie stürzte. Der Boxer versuchte weiterhin, an ihren kleinen Hund heranzukommen. Darum hielt die Frau ihre Arme schützend über ihren Hund. Von diesem Vorfall am 26. Juli 2009 trug die Seniorin eine fünf Zentimeter lange Rissquetschwunde am linken Handrücken davon. Zudem erlitt sie Prellungen. Schuld an den Verletzungen ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft See/Oberland der Boxer und damit sein Halter. Der Handwerker musste sich gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der Angeklagte habe seine Pflichten als Hundehalter nicht wahrgenommen, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Sie forderte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 90 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Die Geldstrafe solle das Gericht teilbedingt aussprechen; 70 Tagessätze unbedingt. «Der Vorfall tut mir leid», sagte der Angeklagte. Er habe der Frau zugerufen, sie solle ihren Hund am Boden stehen lassen. «Weil sie ihren Dackel aufgehoben hat, wurde mein Hund neugierig.» Der Boxer habe auf sein Kommando nicht reagiert. Das sei ungewöhnlich. Der Handwerker bestritt vor Gericht einen entscheidenden Punkt: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mein Hund war, der zugebissen hat.» So argumentierte auch der Verteidiger des Handwerkers. Es gebe kein Gutachten, das beweise, dass die Verletzung durch den Boxer verursacht wurde. «Bei einem Hundebiss entstehen in der Regel Löcher und nicht Schnittwunden.» Zudem zog er die Aussagen der 75-Jährigen in Zweifel. Diese habe von zwei Bulldoggen gesprochen. Das Blut sei ihr «in Bächen hinuntergelaufen», habe sie behauptet. «Die Frau hat die Situation dramatisiert», sagte der Verteidiger. Ihre Aussagen seien mit Vorsicht zu geniessen. Der Verteidiger kam zum Schluss: «Wir müssen aufgrund der Untersuchung davon ausgehen, dass die Geschädigte von ihrem eigenen Dackel gebissen wurde.» Hundegesetz übertreten Seinem Mandanten sei keine Verletzung der Sorgfaltspflicht und damit keine fahrlässige Körperverletzung vorzuwerfen. Eine Übertretung des kantonalen Hundegesetzes gestehe er hingegen ein. Der Angeklagte habe aus dem Vorfall viel gelernt. Er habe bei seinem Hund eine Wesensbeurteilung vornehmen lassen und besuche eine Hundeschule. Der Angeklagte sei mit einem Verweis, allenfalls einer Busse von maximal 250 Franken zu bestrafen. Das Urteil wird in den nächsten Tagen schriftlich eröffnet.

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