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Bänklein soll zum Aussichtsplätzchen werden

Auf der Wiese, die einst zweifelhafte Berühmtheit erlangte, plant der Verkehrsverein von Erlenbach einen einladenden Sitzplatz.

Von Anna Moser Erlenbach – Das Verschönern trägt der Verkehrs- und Verschönerungsverein Erlenbach (VVE) schon im Namen. Mit seinem neusten Projekt will er diesem nun alle Ehre machen: Der Verein plant, eine kleine Wiese an der Pflugsteinstrasse zum veritablen Aussichtsplätzchen aufzuwerten. Das Baugesuch ist seit gestern auf der Gemeindeverwaltung einsehbar. Die Wiese im steil abfallenden Gelände gehört seit 1955 dem VVE. Mit der dichten Bebauung der letzten Jahrzehnte hat sich die Umgebung markant verändert. «Ein Ziel unseres Vorhabens ist deshalb, zugunsten der Allgemeinheit ein Stückchen Seesicht zurückzuerobern», sagt VVE-Präsidentin Christiane Brasseur. Dafür soll der mittlere Teil der Wiese, wo schon heute zwei Sitzbänke stehen, um einen Meter auf das Niveau der bergseitigen Strasse angehoben werden. Naturnahe «Augenweide» Der Verein denkt aber nicht nur an die Musse von Spaziergängerinnen und Ruhesuchenden, sondern auch an die Tierwelt. Eine Trockensteinmauer, die Reptilien Unterschlupf bietet, soll das angehobene Terrain stützen. Eine weitere solche Mauer ist entlang zweier Seiten des 120 Quadratmeter grossen Grundstücks geplant. Noch offen ist laut Brasseur, ob die Stromverteilstation am Rand der Wiese aufgehoben wird. Diesbezüglich sei man in Verhandlungen mit der Energie und Wasser Erlenbach AG. Falls die Kabine stehen bleibt, würde sie mit einem «Insektenhotel», einer künstlich geschaffenen Nist- und Überwinterungshilfe aus Holz, kaschiert. «Wir wollen den Erlenbacher Gartenbesitzern zeigen, dass naturnahe Gärten nicht nur Pflanzen, Tieren und Menschen nützen», sagt Brasseur, «sondern auch eine Augenweide sein können.» Für das Projekt hat die Generalversammlung des Verkehrsvereins im vergangenen April ein Budget von 10 000 Franken gesprochen. Bei den Arbeiten für die Trockenmauern sollen die Mitglieder gleich selber anpacken – unter kundiger Leitung von Spezialisten des Naturnetzes Pfannenstil. Geplant ist laut Brasseur ein «Wies’n-Tag», in scherzhafter Anspielung an die Münchner Herkunft von Gabriele Jordan, die im VVE-Vorstand das Amt der «Wies’n-Chefin» bekleidet. Eine Linde für den Frieden Schliesslich gehört zum Projekt auch noch eine kleine Linde, die für Schatten auf den Ruhebänken sorgt. Der Baum solle aber «geistig auch eine Friedenslinde» sein, sagt Brasseur. Was die VVE-Präsidentin damit anspricht, ist die eher unrühmliche jüngere Vergangenheit der Wiese. Im Januar 2009 sorgte die Absicht des VVE-Vorstands, die Ausnützung des Landstücks als Einnahmequelle für den Verein zu verkaufen, für Aufruhr in Erlenbach. Als Käuferin interessiert war nämlich ausgerechnet Christiane Brasseur, die mit der Übertragung der Ausnützung – umgerechnet 30 Quadratmeter Wohnfläche – ihr benachbartes Haus erweitern wollte. Im Dorf folgte der Vorwurf von Vetternwirtschaft auf dem Fuss, worauf der Vorstand das Thema auf Eis legte. Ein gutes Jahr später organisierte der VVE eine öffentliche Versteigerung der Wiesen-Ausnützung. Mitbieten konnten nun nicht mehr nur – wie ursprünglich geplant – die Nachbarn, sondern jedermann. Die Meistbietende spülte dem Verein 150 000 Franken in die Kasse. Sie hiess Christiane Brasseur. Für den Neubau ihres Einfamilienhauses an der Pflugsteinstrasse 37 ist inzwischen ein Baugesuch hängig. Überwachsen präsentiert sich der Sitzplatz heute. Foto: Reto Schneider

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