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Aufstand im Internet gegen die Kündigung von Urs Albonico

Der beliebte Erlenbacher verlor im Sommer seine Stelle als Filialleiter beim Beck Keller. Eine Facebook-Gruppe verlangt nun seine Wiedereinstellung.

Von Marcus May Erlenbach – Tiffany Schwegler geht nicht mehr jeden Morgen zum Beck Keller, um ihren Kaffee zu kaufen, so wie sie es früher tat. «Es gefiel mir, von Herrn Albonico morgens persönlich begrüsst zu werden und mit ihm ein paar Worte zu wechseln.» Seit Urs Albonico dort nicht mehr Filialleiter ist, hat die 19-Jährige das Ladenlokal beim Erlenbacher Bahnhof nie mehr betreten. Ende Mai wurde Albonico aus «wirtschaftlichen Gründen» gekündigt und daraufhin gleich freigestellt. Ein Entscheid, der bei manchem Erlenbacher auf Unverständnis stösst. Eine Facebook-Gruppe um Tiffany Schwegler und den reformierten Pfarrer Andreas Cabalzar verlangt nun seine Rehabilitierung. Eine ehrenvolle Geste Urs Albonico selber wusste bis vor kurzem nichts von den Aktivitäten der Internet-Netzwerker. Damit konfrontiert, reagiert er hocherfreut, ist sogar etwas gerührt ob dieser Solidaritätsbekundung. Doch dürfe man solches nicht überbewerten, sagt er. Es sei eine nette und ehrenvolle Geste, «und eine Bestätigung für meine geleistete Arbeit». Pfarrer Cabalzar sieht keinen objektiven Grund, «einen solch feinen Menschen auf die Strasse zu stellen». Albonico sei eine bekannte Persönlichkeit im Dorf und habe mit seiner Präsenz und seinem Charisma während der letzten fünf Jahre den Laden stark mitgeprägt. «Er hat ein echtes Kauferlebnis ermöglicht; mir ist jedes Mal das Herz aufgegangen, wenn ich den Laden betrat.» Von solchen Menschen lebe eine Gemeinschaft, sie bekomme dadurch ein Gesicht. «Ein Dorf braucht solche Beziehungen.» Der Facebook-Gruppe sei er aus Solidarität beigetreten, damit habe man ein Zeichen setzen wollen. Der Aufruf im Internet sei das Resultat einer emotionalen Reaktion junger Leute, «die durchaus nachvollziehbar ist». Sachlicher Kündigungsgrund Doch nicht nur junge Leute und ein solidarischer Pfarrer regen sich über die Kündigung des beliebten Dorforiginals auf. Auch die Mutter einer jungen Teilnehmerin der Facebook-Gruppe schlägt in dieselbe Kerbe. Es habe stets eine liebevolle Stimmung in der Bäckerei geherrscht, sie habe sich immer gut aufgehoben gefühlt. Heute kauft sie dort nicht mehr ein. «Seit Urs Albonico nicht mehr im Laden steht, hat der Beck viel weniger Kundschaft», ist sie überzeugt. Dem widerspricht Hans Keller, Chef der Bäckerei und Herr über 14 Filialen. Der ehemalige Uetiker, der jetzt in Regensdorf lebt und dort als parteiloser Gemeinderat amtet, beteuert, dass man seit der Kündigung keinerlei Umsatzeinbussen habe hinnehmen müssen. Die Filiale in Erlenbach sei wirtschaftlich gesund und auf gutem Kurs. Zur Kündigung meint Keller nur, dass man gute, sachliche Gründe gehabt habe, um das Arbeitsverhältnis mit Albonico nach fünf Jahren aufzulösen. «Persönlich habe ich ihm absolut nichts vorzuwerfen», betont Keller nachdrücklich. Dass Urs Albonico jemals wieder beim Beck Keller arbeitet, ist höchst unwahrscheinlich. Der Erlenbacher hat eine neue Stelle gefunden, die er im kommenden Jahr antreten wird.

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