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Auf der Suche nach neuen Geldquellen «Unsere Kirchgemeinde will sozial sein»

Die Steuereinnahmen der reformierten Kirchgemeinden sinken. Die Kilchberger setzen dem eine offensive Immobilienstrategie entgegen.

Immobilienstrategie Von Sibylle Saxer Die Finanzlage ist in vielen reformierten Kirchgemeinden angespannt: Die Mitgliederzahl schwindet, die Abgaben an den Kanton sind zum Teil hoch, und im Sommer hat zudem die Junge FDP eine Initiative lanciert, mit der sie die Kirchensteuer für Firmen abschaffen will. Das primäre Rezept der Kirchgemeinden gegen die Geldnot ist sparen. So will beispielsweise die reformierte Kirchgemeinde Oberrieden im Budget 2012 die Beiträge an Hilfsaktionen um gut 40 000 Franken auf 110 000 Franken kürzen &endash 47 000 Franken davon werden nur ausbezahlt, wenn die Steuereinnahmen besser als erwartet ausfallen. Die Oberriedner Reformierten werden am Sonntag darüber befinden.Die reformierte Kirchgemeinde Kilchberg hat sich für einen anderen Weg entschieden, denn mit Sparen allein kann sie ihre alljährlichen sechsstelligen Fehlbeträge nicht mehr auffangen. «Wir haben unser Budget schon vor Jahren um 150 000 Franken gekürzt», sagt die Kilchberger Kirchenpflegepräsidentin Susanne Thommen. «Mehr sparen liegt nicht drin, wenn wir einen Leistungsabbau verhindern wollen.» (Siehe Interview).Die Kilchberger Reformierten haben sich also eine Vorwärtsstrategie ausgedacht, wie sie ihre Einnahmen verbessern könnten: Ein erster Vorschlag war, die kircheneigene Bühlerwiese unweit der reformierten Kirche zu verkaufen. Der Verkauf der rund 1600 Quadratmeter grossen Wiese hätte bis zu 6 Millionen Franken in die Kasse der Kirche gespült. Doch die Kirchgemeindeversammlung lehnte diese Vorschlag im Frühjahr 2010 ab. Seither hat die Kilchberger Kirchenpflege eine Strategie ausgearbeitet, wie sie, ohne etwas zu verkaufen, ein regelmässiges Einkommen aus ihren Liegenschaften generieren kann. Als ersten Schritt schlug die Kirchenpflege im Frühling dieses Jahres vor, sie werde auf der Bühlerwiese selber bauen. Dem hat die Kirchgemeindeversammlung im April im Grundsatz bereits zugestimmt. Am Montagabend nun hat sie mit 60:5 Stimmen einem Projektierungskredit über 245 000 Franken grünes Licht gegeben. Das Zürcher Architekturbüro Spoerri Thommen AG erhält damit den Auftrag, sein Projekt für die Wiese an der Stockenstrasse weiter auszuarbeiten.Die Architekten schlagen zwei Flachdachgebäude mit je zwei Stockwerken und je vier Wohnungen in der Grösse von 90 bis 130 Quadratmeter vor, mit Wohnungen zu marktgerechten Preisen. Die Baukosten schätzen die Architekten auf 4,5 Millionen Franken. Bei den Mietpreisen gehen sie von 2600 bis 3600 Franken pro Monat aus, was noch am Montagabend für Diskussionen sorgte. Die Rendite für die Kirchgemeinde würde so pro Jahr gut 260 000 Franken betragen. Wie Walter Siegenthaler, Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) ausführte, würde das reichen, um die jährlichen Fehlbeträge zu kompensieren. «Nicht das Kerngeschäft» Andere Kirchgemeinden im Bezirk bemühen sich weniger aktiv darum, Geld mit ihren Liegenschaften zu verdienen. Petra Felix, Thalwiler Kirchenpflege-Präsidentin, sagt: «Die Liegenschaften sind nicht das Kerngeschäft der Kirche.» Dass Thalwil sich aber noch nicht so weit gehende Gedanken gemacht habe wie Kilchberg, hänge auch damit zusammen, dass die Steuereinnahmen noch immer gut seien. Aktiv bauen kommt daher für die Thalwiler zurzeit nicht in Frage. Im Fall einer Liegenschaftensanierung sei aber über eine bessere Ausnutzung nachzudenken. Genau dies geschieht derzeit in Wädenswil: Das Pfarrhaus an der Frohmattstrasse wird durch zwei Wohneinheiten ersetzt; eine davon soll ab nächstem Sommer vermietet werden. Kirchenpflegepräsidentin Daniela Stalder ist jedoch überzeugt: «Keine Kirchengemeinde wird durch eine aktivere Liegenschaften-Bewirtschaftung unabhängiger von den Steuereinnahmen.» Nicolas Mori, Pressesprecher der reformierten Kirche des Kantons Zürich, sagt, Kilchberg sei zwar noch nicht der Normalfall, aber auch kein Einzelfall. Beispielsweise wolle die Kirchgemeinde Erlenbach ein altes Pfarrhaus abreissen und stattdessen ein Mehrfamilienhaus bauen, dessen Wohnungen zu Marktmieten vergeben werden. Er sagt: «Das Beispiel wird sicher Schule machen.» Mit Susanne Thommen sprach Sibylle Saxer Für Kilchberg sind das moderate Preise, ja. Sie sind auch marktgerecht. Wir haben uns das natürlich überlegt. Aber externe Fachleute meinten dazu, dass wir ab 40 Wohneinheiten einen Gewinn erzielen würden. So viel Land haben wir nirgends. Nun haben wir uns für acht Wohnungen zu marktgerechten Preisen entschieden. Wenn wir uns sinnvoll finanzieren, können wir am besten nachhaltig unsere sozialen Anliegen wahrnehmen. Nein. Die Frage ist doch, was wir mit dem Geld machen. Und wir finden es besser, wenn wir gesicherte Einnahmen haben, die möglichst vielen Menschen zugutekommen. Wir wollen sozial sein, aber nicht nur für acht Wohnparteien. Es ist nicht an uns, hier aktiv zu werden, sondern an der Politischen Gemeinde. Die reformierte Kirchgemeinde hat in diesem Bereich übrigens schon sehr viel gemacht. Vor 40 Jahren haben wir für die Erstellung des Alterszentrums Hochweid das Land geschenkt und einen Kredit von gut 100 000 Franken gewährt. Und im Jahr 2000 haben wir noch einmal 300 000 Franken zur Sanierung des Alterszentrums bewilligt. Die letzten 90 000 Franken davon sind im Budget 2012 als Abschreibungen enthalten. Längerfristig sind Überlegungen wie Fusionen von Kirchgemeinden wohl nötig. Es stimmt: Das Kirchgemeindehaus wurde vor 35 Jahren gebaut, zu Zeiten, als die Reformierten noch zwei Drittel der Kilchberger ausmachten. Heute ist es noch ein Drittel. Aber unsere Zahlen sind zurzeit stabil, nicht zuletzt dank Zuzügern aus Deutschland. Solange das so ist, wollen wir unser Angebot aufrechterhalten. Nicht nur für die Reformierten. Susanne Thommen Präsidentin der reformierten Kirche Kilchberg

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