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Auf der Klosterinsel Rheinau kehrt wieder Ruhe ein

Baudirektor Markus Kägi verzichtet auf den heftig umstrittenen Glas-Neubau.

Von René Donzé Rheinau – Regierungsrat Markus Kägi (SVP) hat den Weg frei gemacht, für eine rasche Realisierung des Musikzentrums auf der ehemaligen Klosterinsel, für das Christoph Blocher 20 Millionen Franken spendet. Wie Kägi gestern im gut gefüllten Gemeindesaal von Rheinau bekannt gab, wird der Kanton auf den umstrittenen Neubau mit Schulräumen verzichten. Der «Glaspalast» am Eingang zur Insel war in der Bevölkerung auf heftigen Widerstand gestossen. Es zeichnete sich ein juristisches Tauziehen um Baubewilligung und Gestaltungsplan ab. Der Verzicht fiel dem Baudirektor nicht schwer: «Ich will niemandem ein Haus aufzwingen, das es gar nicht mehr braucht.» Ursprünglich hatte der Kanton neben dem Musikzentrum viele weitere Nutzungen geplant, die inzwischen verkleinert wurden oder ganz wegfielen. So wird sich der Platzbedarf für die Hauswirtschaftskurse wegen des kantonalen Sparprogramms San10 voraussichtlich halbieren. Statt 60 Schülern werden bloss deren 30 unterrichtet. Kägi sprach davon, dass die Husi «allenfalls in einer redimensionierten Form» auf die Insel ziehen werde. Ganz gestorben sind die Pläne der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof für eine Schule für biodynamischen Landbau. Und die Berufswahlschule Bülach wird voraussichtlich ihr Brückenangebot neben der Insel in den Räumen der Stiftung Fintan anbieten.Vorderhand auf Eis gelegt hat die Baudirektion auch die Pläne für ein öffentliches Restaurant auf der Insel. Untersuchungen haben ergeben, dass sich ein solches nicht wirtschaftlich betreiben lässt. «Die Gastronomie ist ein Problem für uns», sagte Thomas Maurer, Chef des kantonalen Immobilienamtes. Das Mühlegebäude werde aber für eine Restauration frei gehalten und sei «disponibel für einen innovativen Gastronomen», so Maurer. Musikinsel ab 2014 Übrig bleiben neben der abgespeckten Husi noch das Musikzentrum und ein Museum, das unter dem Titel «Kelten, Kloster, Klinik» auf die Geschichte Rheinaus und der Insel eingehen wird. Die drei Projekte werden separat weiterverfolgt. Über die Kosten für den Umbau der Räume wollte niemand sprechen, solange die Details nicht vorliegen. Die ursprünglich geschätzten Investitionskosten von rund 45 Millionen Franken sollten aber laut Thomas Maurer massiv reduziert werden. Thomas Held, Geschäftsführer der Stiftung Musikinsel Rheinau, hofft für das Musikzentrum auf einen wesentlichen Beitrag aus dem kantonalen Lotteriefonds. Für die Umbauarbeiten an der Klosteranlage ist – wegen des Verzichts auf den Neubau – kein Gestaltungsplan mehr nötig. Kägi zeigte sich erfreut über die Lösung: «Richtig glücklich bin ich aber erst, wenn die Projekte stehen und der Kantonsrat die Kredite gesprochen hat.» Das sollte im Sommer 2012 der Fall sein. Voraussichtlich ab Herbst 2014 werden Proberäume, ein grosser Musiksaal und Übernachtungsmöglichkeiten für Musikerinnen und Musiker bereitstehen. Vorgesehen sind 47 Doppelzimmer, 12 Einzelzimmer und ein paar Mehrbettzimmer. Laut Held ist ein Probezentrum geplant, das sich vor allem an Gruppen, Chöre, Orchester richtet. «Heavy Metal ist nicht vorgesehen», sagte Held. Das würde die anderen Musizierenden stören. Und auch die Nonnen, die das Haus zur Stille seit Jahren auf der Insel führen, wünschen sich weiterhin Ruhe. Verpflegt werden die Musiker aus einer kleinen Küche oder durch Catering-Services.Die Stiftung wird die Einrichtung der Räume übernehmen und eine «recht anständige Miete» dem Kanton bezahlen sowie das absehbare Betriebsdefizit decken. Thomas Held ist dankbar für die Entflechtung der verschiedenen Projekte. «Wir hoffen, dass wir möglichst bald anfangen können.» Auch die Husi soll im Herbst 2014 einziehen. Wann das Museum öffnet, ist offen, da noch nicht einmal die Betreiber feststehen.Entschieden hat die Baudirektion auch eine weitere strittige Frage. Die Verkehrserschliessung soll durch das Dorf Rheinau erfolgen und nicht über die Chorbstrasse durch Landwirtschaftsgebiet. Kantonsbaumeister Stefan Bitterli rechnet mit rund 200 zusätzlichen Fahrten, wenn Hauswirtschaftsschule und Musikinsel in Betrieb sind. Das Verkehrsaufkommen werde geringer sein als zu Zeiten, als auf der Insel die psychiatrische Klinik betrieben worden sei, sagte Bitterli. Der Bus wird neu bis auf den Platz vor der Klosterinsel verkehren. Das geplante Musikzentrum auf der Insel wird jetzt als separates Projekt vorangetrieben. Foto: Dominique Meienberg

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