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Alte Küsnachter büssen für ihren sauren Wein

Ein Verbrechen und die Angst vor der Reblaus sind die wahren Begebenheiten in Harry Schneiders neuem Buch. Es spielt in Küsnacht.

Von Daniel Fritzsche Küsnacht – Harry Schneider mag Sinnsprüche. «Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken», ist einer davon. Das Goethe-Zitat hat Schneider zu seinem neuen Roman inspiriert, der den gleichlautenden Titel trägt. «Als grosser Weinliebhaber habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, einen Roman zu diesem Thema zu verfassen», sagt der Autor. Ebenfalls klar war für den 67-Jährigen, dass seine Geschichte auf historischen Tatsachen beruhen soll – getreu seinem Lebensmotto: «Vergangenheit kennen, Gegenwart verstehen.» Die Angst ging in Küsnacht um Fündig wurde Schneider, der acht Jahre in Küsnacht lebte, schnell: Als geeigneter Schauplatz für sein Buch stellte sich rasch das beschauliche Weinbauerndorf Küsnacht des 19. Jahrhunderts heraus. Zu jener Zeit – das ist historisch verbürgt – ging im Dorf die Angst um vor der Reblaus, einem Schädling, der Rebberge in ganz Europa verwüstete. Hinzu kam die gewaltige Überschwemmung des Dorfbachs im Jahr 1878 – ebenfalls verbürgt –, die weite Teile der Gemeinde zerstörte. «Perfekter Stoff für mein Buch», sagt Schneider. Immer tiefer vergrub sich der Hobby-Historiker und pensionierte Bausekretär von Wangen-Brüttisellen, der heute mit seiner Frau im Tessin lebt, in die Materie. Er wühlte tagelang in den Archiven. «Mit der Zeit fügte sich ein Mosaiksteinchen ans andere.» Im Laufe der Recherche kamen immer mehr neue Details ans Tageslicht, die Schneider auch noch in seine Geschichte einflechten wollte. Das spektakulärste fand er im Staatsarchiv des Kantons Zürich: Ein mysteriöser, bis heute unaufgeklärter Doppelmord an einem Winzerehepaar im Jahr 1882.Am Ende hatte der Autor zahlreiche spannende Anekdoten beisammen. Was ihm fehlte, war ein roter Faden. «Ich stand vor dem Problem: Wie bringe ich diese doch sehr unterschiedlichen Themen zusammen?» Fast zwangsläufig sei er schliesslich auf den griechischen Weingott Dionysos und dessen Begleiter Ampelos gestossen. Die Strafe des Weingottes Die gehäuften Katastrophen in Küsnacht – so lautet Schneiders Konklusion im Buch – waren die «gerechte Strafe» des Weingottes an der mangelhaften Qualität des Rebensafts zu jener Zeit. «Damals wurde in Küsnacht viel zu schlechter und gepanschter Wein produziert.» So hätten sich die griechischen Götter auf ihre Weise gerächt. «Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken» ist in drei Akte unterteilt. Verfolgt wird die Reise des fiktiven südbadischen Önologie-Studenten Wilfried Schultheiss. Nach fröhlichen Saufgelagen in Karlsruhe verschlägt es den «Studenten der Vielsaufie», wie er sich selber nennt, nach Küsnacht. Hier soll er seine Doktorarbeit schreiben. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Es folgen die erwähnten historischen Schicksalsschläge: Reblaus, Überschwemmung, Doppelmord. «Viel dazuerfinden musste ich nicht», sagt Schneider. «Die Geschichte allein war spannend genug.» Wenn er einen Handlungsstrang oder einen Charakter erdichtete, achtete er darauf, diesen authentisch auszuschmücken.Neben der interessanten Handlung erfährt der Leser in Schneiders Buch vieles über die Weinbautradition am Zürichsee. Der Autor schliesst die Brücke zur Gegenwart: «Früher wurde in der Region viel mehr Wein produziert als heute, doch war die Qualität wesentlich schlechter.» Die hiesigen Winzer seien heute besser ausgebildet: «Die Qualität ist ihnen wichtiger als die Quantität.» Harry Schneider: Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Historischer Roman. Th.-Gut-Verlag. Harry Schneider Der 67-Jährige ist ehemaliger Bausekretär von Wangen-Brüttisellen. Er lebte acht Jahre lang in Küsnacht.

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