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Als ganz Adliswil eine Fabrik war

Die Seidenweberei prägte über 60 Jahre Adliswils Geschichte. Die Blütezeit dieses Industriezweigs war beim historischen Stadtrundgang das Hauptthema.

Adliswil. - Der zweite historische Stadtrundgang in Adliswil widmete sich einer einzigen Firma: der Mechanischen Seidenstoffweberei Adliswil, kurz MSA. Sie jedoch prägte Adliswil wie keine Zweite. Rund dreissig Interessierte kamen zum Stadtrundgang über das «Imperium der MSA». Organisiert wurde der Rundgang vom Geschichtsverein Adliswil. Vizepräsident Christian Sieber leitete den Anlass. «Die MSA ist mit ein Grund, weshalb es den Geschichtsverein überhaupt gibt», sagte Sieber. «Mit ihr hat sich Adliswil in sechzig Jahren vom Bauerndorf zum Industriestandort entwickelt.»

Die Blütezeit war von kurzer Dauer

Als das 150 Meter lange Hauptgebäude 1863 fertiggestellt wurde, sei es ein für damalige Zeiten imposantes Bauwerk gewesen. Adliswil zählte zu dieser Zeit gerade mal 1300 Einwohner. Das ganze Dorf sei früher eine Fabrik gewesen. Die MSA besass 50 Hektaren Land in der Gemeinde. Dazu gehörten nebst dem eigentlichen Fabrikgelände auch die Arbeiterwohnsiedlungen in der Sihlau, zwei Fabrikantenvillen am Sihlufer, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten wie zwei Konsumgeschäfte sowie eine Bäckerei und ein Landwirtschaftsbetrieb. In der Blütezeit arbeiteten bis zu 1600 Arbeiter in der Fabrik. 1920 erreichte das Aktienkapital der MSA mit 4 Millionen Franken den Zenit.

Doch nach dem kometenhaften Aufstieg der Firma ging es auch sehr schnell wieder abwärts. Seide war ein Luxusprodukt, das stark auf den Export angewiesen und somit krisenanfällig war. Der Börsencrash von 1929 traf die Firma hart. Der Preis für Seide sank von 65 Franken auf 12 Franken per Kilo. Die Lagerbestände büssten einen Grossteil ihres Wertes ein.

Ende der Fabrik lässt Steuern steigen

1932 beantragte die Firma nochmals einen Kredit über 300 000 Franken beim Regierungsrat des Kantons Zürich. Doch ihr Schicksal war nicht mehr aufzuhalten. Das Personal wurde schrittweise abgebaut. Die Produktion wurde Ende 1934 schliesslich endgültig eingestellt. In der Folge stieg der Steuersatz in Adliswil auf 230 Prozent, was auch dazu führte, dass man die Fabrik nicht unbedingt in guter Erinnerung behielt.

Die Fabrikräume wurden indes auch nach der Schliessung genutzt. 1940 mietete der Kanton zwei Flügel, um ein Notspital für die Zivilbevölkerung einzurichten. Die Pläne dafür zeichnete der damalige Soldat Max Bill. Von 1942 bis 1945 wurde es dann in ein Flüchtlingslager für zivile Flüchtlinge umfunktioniert. Das Lager bot bis zu 500 Flüchtlingen Obdach.

Heute sind diverse Gewerbebetriebe in den Räumen der MSA eingemietet. Die Zukunft der Fabrik ist offen. Bis 2013 steht sie unter dem Schutz des Kantons. Was dann mit dem Gebäude geschieht, ist jedoch ungewiss.

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