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Abzocker-Schule erleichtert gutgläubige Leute um ihr Geld

Aggressiv verkauft das Easy Learning Institute seine Computerkurse. Diese sind teuer und bringen wenig. Wer nicht aufpasst, kann viel verlieren.

Von Patrick Gut Horgen – Ständige Weiterbildung ist ein Gebot der Stunde. Und: Ohne Computer geht heute gar nichts mehr. Nur logisch, dass Schulungsangebote im Computerbereich auf grosses Interesse stossen. Das scheint sich auch das Easy Learning Institute (ELI) mit Sitz in Lugano und Filialen in Zürich und Bern zunutze zu machen. «Die Firma betreibt momentan aggressives Telefonmarketing im Bezirk Horgen», sagt Hansueli Gürber aus Adliswil. Auch bei Gürber hat sich ein ELI-Mitarbeiter gemeldet. Ein Termin wurde vereinbart, und ein Informatikberater stattete Familie Gürber einen Besuch ab. Der Berater machte Gürbers Frau einen Kurs mit 16 Lektionen – bestehend aus acht Kursabenden zu je zwei Stunden – schmackhaft. Kostenpunkt: 2695 Franken. 400 Franken musste sie bei Vertragsunterzeichnung sofort bezahlen. Als Kurslokal nannte der Berater die nahe gelegene Jugendherberge in Zürich-Wollishofen. Kursbeginn sollte irgendwann im September sein. Nun hat ELI die Rechnung ohne Hans-ueli Gürber gemacht. Gürber ist Jurist und leitender Jugendanwalt der Jugendanwaltschaft der Stadt Zürich. Der Jugendanwalt ist kein unbedarfter Mann. «Ich bin eher einer von der misstrauischen Sorte», sagt Gürber und spricht von einer Berufskrankheit. Die Alarmglocken läuteten bei Gürber, als er das Kleingedruckte las. In den Bedingungen ist eine Widerrufsfrist von sieben Tagen festgehalten. Auf den Besuch des Beraters sollte ein weiterer Informationsabend folgen. Bloss wäre zu diesem Zeitpunkt die Widerrufsfrist von sieben Tagen längst abgelaufen. Wer später vom Vertrag zurücktreten will, muss dem ELI gemäss Bedingungen weitere 1100 Franken bezahlen. Der «Beobachter» rät ab Das Easy Learning Institute war kürzlich ein Thema im «Beobachter». Das Fazit: ELI spricht gezielt ältere Menschen an und überredet sie zu überteuerten Computerkursen. Im Kleingedruckten stehen konsumentenfeindliche Klauseln. Fragwürdig scheinen sodann die Kurse selber. Laut «Beobachter» verwendet einzig der Kursleiter einen Computer. Die Teilnehmer dürfen lediglich zuschauen. Betrug lässt sich das ELI laut Gabriela Baumgartner, Juristin im «Beobachter»-Beratungszentrum, nicht vorwerfen. «Wenn die Kurse tatsächlich stattfinden, hat der Anbieter seine Leistung erbracht. Bloss weil die Kurse überteuert sind, kann man daraus noch keinen Betrugsvorwurf ableiten», sagt Baumgartner. Nicht zu rasch unterschreiben Konsumenten rät Baumgartner, keinesfalls einen Vertrag auf die Schnelle zu unterschreiben. Und ist es doch passiert und die Rücktrittsfrist von sieben Tagen verpasst? Dann sind laut Baumgartner die 400 Franken Anzahlung wohl verloren. Die weiteren 1100 Franken würde sie allerdings nicht so ohne weiteres bezahlen. «Betroffenen rate ich, den Vertrag gegenüber ELI in einem eingeschriebenen Brief zu bestreiten und geltend zu machen, sie seien bei der Vertragsunterzeichnung unter Druck gesetzt worden. Zudem bestünde ein Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung.» Ob das ELI auf die Argumentation einsteigt, bleibt abzuwarten. Kommt es zu einer Betreibung, sollten Betroffene Rechtsvorschlag erheben und sich an eine Rechtsberatung wenden. Eine alte Masche Neu ist die Masche des ELI übrigens nicht. Seit Ende der 90er-Jahre ist das Ausbildungsinstitut Franchi aktiv. Die Firma hat ihren Sitz wie das ELI in Lugano und arbeitet nach dem exakt gleichen Prinzip. Das verwundert nicht, zumal ELI-Inhaber Valerio Corvi lange Jahre bei der 2F-Gruppe als kaufmännischer Geschäftsführer tätig war. Zur 2F-Gruppe gehört auch das Ausbildungsinstitut Franchi. Und zumindest in Zürich sind das Ausbildungsinstitut und das Easy Learning Institute unter derselben Adresse und denselben Telefonnummern erreichbar. Valerio Corvi wehrt sich gegen die Vorwürfe, die ELI-Kurse seien überteuert. Der Vertrag enthalte keine konsumentenfeindlichen Klauseln, und es werde weder aggressives Telefonmarketing betrieben, noch würden die Kunden überredet. Hansueli Gürber hat den Vertrag mit dem ELI innerhalb von sieben Tagen per eingeschriebenen Brief gekündigt. Auf die Rückzahlung der 400 Franken wartet er noch. Die Frist, die er dem ELI gesetzt hat, ist inzwischen verstrichen.

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