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Ablenkung auf Rädern

Frankreich Ein sehr distanziertes Interesse. Und ein kleines, nicht sehr leidenschaftliches Faible für die Cousins im Süden: für die Spanier. In Frankreich war es, als erschöpfte sich diese Weltmeisterschaft im Frust über das eigene Unvermögen. Man war auch am Finaltag noch ganz blau über das unrühmliche Absaufen der Bleus, mass die Klasse anderer Teams an den Peinlichkeiten des französischen. Das war so früh ausgeschieden, dass viel Zeit blieb fürs Kleinreden, fürs Tadeln und Kritisieren. Alles verdient. Doch es gab ja durchaus Alternativen, um sich sportpolitisch wieder aufzurichten, wenn sie auch wie Ausflüchte anmuteten. Die Franzosen wandten sich bald gelberen Dingen des Lebens zu: Die Sportzeitung «L’Equipe» begleitete die Tour de France mit jeweils 7, 8, 9 Seiten am Tag und relegierte den Fussball in den hinteren Teil des Blattes, während sie im fernen Südafrika noch die Könige des Sports schlechthin auszumachen suchten. Und es lohnte sich: Sylvain Chavanel im gelben Trikot des Leaders (ein Franzose!) – wenn auch nur für zwei Tage. Dann war da noch die Geschichte des ersten weissen Sprinters, der die 100 Meter unter 10 Sekunden lief: Christophe Lemaitre (ein Franzose!). Und wer steht nach gewonnener Begegnung mit Spanien im Halbfinal des Davis-Cups im Tennis, ja wer denn: die Franzosen! Sie nennen sich übrigens auch «les Bleus». So sind sie nun mal, die Franzosen: sehr französisch, mit wenig und höchstens süffisantem Sinn für die Dinge, mögen sie auch von globaler Bedeutung sein, die sich an der Peripherie Frankreichs zutragen. Oliver Meiler, Marseille

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