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«Abderhalden bleibt mein grosses Vorbild»

Nach seinem Triumph realisierte Kilian Wenger kaum, dass er nun selbst der Massstab im Schwingen ist.

Es sind zwei Stunden vergangen, seit Kilian Wenger Schwingerkönig geworden ist. Er sitzt vor der Kaserne in Frauenfeld mitten in einer Wiese auf einem Stuhl und wartet auf den Beginn der ersten grösseren Medienkonferenz seiner Karriere. Es sind die ersten Minuten, in denen er ein wenig Ruhe hat und die beiden so erfolgreichen Tage gedanklich noch einmal durchgehen kann. Kilian Wenger, Sie haben eben das Höchste erreicht, was man in Ihrem Sport erreichen kann. Sie sind 20 Jahre alt und wurden soeben zum König gekrönt. Wie haben Sie das erlebt? Es ist unbeschreiblich, ich weiss nicht. Ich habe einen Kranz angestrebt, und den hatte ich nach sechs Gängen bereits auf sicher. Danach wusste ich: Was ich jetzt noch erreiche, ist Zugabe. Und ja – es ist aufgegangen. Wer hat Sie in diesen zwei Tagen gecoacht, mit wem haben Sie sich unterhalten, was zu tun ist? Natürlich mit den Berner Schwingern, den Berner Betreuern, aber auch mit Schwingern aus anderen Verbänden, das war eigentlich nicht anders als an anderen Schwingfesten. Haben Sie sich einen solchen Triumph vorher vorstellen können, oder was trauten Sie sich zu? Ich habe zu Beginn der Saison sehr konstant geschwungen, mit der Zeit bin ich aber ein wenig schwächer geworden. Aber mir ist jetzt aufs Eidgenössische hin ein guter Aufbau geglückt. Mein Ziel war ganz klar der Kranz. Wann hatten Sie das erste Mal das Gefühl, dass Sie König werden könnten? Eigentlich wusste ich nach dem fünften Gang und dem Sieg gegen Jörg Abderhalden: Doch, jetzt ist alles möglich. Was löste dieser Sieg aus? Emotionen. Viele Emotionen. Er bleibt mein grosses Vorbild. Wenn einer über Jahre mit einer solchen Konstanz schwingt, dann ist er ein Vorbild. Und wenn man einen solchen Schwinger im fünften Gang vor einem solch grossen Publikum bezwingt, dann wird es schon emotionell. Sie sind jetzt zwei Stunden König – realisieren Sie das schon? Nein, noch nicht. Als die Nationalhymne gespielt wurde, hatte ich einen Moment Zeit, da spürte ich es ein wenig, aber noch nicht richtig. Sie wussten im Schlussgang, dass es wohl keinen König gibt, wenn Sie verlieren würden. Wie hat Sie das belastet? Ich kenne Martin Grab relativ gut, weiss, wie er schwingt, auch wenn er manchmal unberechenbar ist. Die Situation war schon speziell, aber ich bin zum Schlussgang angetreten wie zu den sieben vorherigen Gängen auch. Wir haben vorher kein Wort miteinander gewechselt. Welches war Ihr schwierigster Gang? Vom Schwingerischen her sicher jener gegen Jörg Abderhalden. Da und im Schlussgang war ich einer Niederlage am nächsten. Man sagt, Sie hätten 2001 geweint, als Abderhalden in Nyon nicht König geworden sei. Ja, das muss ich zugeben, das war tatsächlich so, ich lief vom Fernseher weg. Da ist für mich eine kleine Welt zusammengebrochen. Ich war damals elf Jahre alt und wahrscheinlich der grösste Fan von ihm. Wann haben Sie ihn dann erstmals getroffen? Das war 2007 auf der Schwägalp. Er fragte mich, ob ich den Kranz auch hätte. Ich sagte Nein, ich hätte verloren. Ein Jahr später hat er mir in Kilchberg gratuliert, seit dann haben wir uns immer wieder getroffen. Wie war das heute? Als guter Verlierer hat er mir gratuliert, als wir zu den Umkleidezelten zurückgingen. Später trinken wir vielleicht noch etwas miteinander. Wie reagieren Sie, wenn sich nun die Vermarktungsagentur IMG meldet, die schon Christian Stucki und Abderhalden vermarktet? Das weiss ich noch nicht, da muss ich erst über die Bücher und mir das überlegen. Aber zuerst brauche ich jetzt Zeit für mich. Zählen Sie sich eher zu den Traditionalisten unter den Schwingern, oder sind Sie für eine kommerzielle Öffnung? Tradition gehört dazu, aber ich finde auch, dass finanziell etwas herausschauen sollte, wenn man einen Aufwand betreibt, wie wir es tun. Behalten Sie Muni Arnold? Nein. Ich habe noch nichts abgeklärt, aber ich nehme an, er geht zurück zum Bauern. Aufgezeichnet: Monica Schneider

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