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Ab sofort ist ihr Montag ein Freitag

Susanne Rihs-Lanz (Grüne) und Martin Mossdorf (FDP) schliessen die Dossiers. Beide Unterländer Kantonsräte hatten gestern ihren letzten Tag im Rathaus.

Martin Mossdorf (63, FDP, Bülach) und Susanne Rihs-Lanz (62, Grüne, Glattfelden) sind 2 der 17 Vertreter des Wahlkreises Bülach im Kantonsrat. Zusammen bringen sie 31 Dienstjahre auf die Waage. Der Architekt Mossdorf trat 1991 in den Rat ein, arbeitete in rund 50 Kommissionen mit und reichte 53 Vorstösse ein. Die Musiklehrerin und Hausfrau Rihs-Lanz begann ihre Zeit im Rat 1998. Sie war Mitglied von 9 Kommissionen und hat insgesamt 98 Vorstösse eingereicht. Der erste hiess «Neues Modell für die kantonalen Behörden an Stütz- und Fördermassnahmen in der Volksschule», die Nummer 98 «Früherer Zugang zur Gebärdensprache». (fca) Von Fahrettin Calislar Bülach/Glattfelden/Zürich – Morgen Mittwoch am späteren Nachmittag sagt die Grüne Susanne Rihs-Lanz (Glattfelden) ihren Kommissionskollegen mit einem Apéro «Adieu». Für ihren FDP-Amtskollegen Martin Mossdorf (Bülach) ist der Augenblick des Abschieds schon heute. So wünschten sie einander gestern an der letzten Kantonsratssitzung vor den Ferien alles Gute und eine schöne Zeit. Beide verlieren wertvolle Kontakte. Sie werden diese Kollegen vermissen, sagen sie. Doch anderes lassen sie gerne hinter sich: Mossdorf stiess sich an immer wiederkehrenden Vorstössen gleichen Inhalts. Rihs ist froh, keine Fraktionssitzungen mehr zu haben. «Ich finde die Streitkultur bei den Grünen nicht immer gut», sagt sie. Probleme würden nicht ausdiskutiert, Minderheitsmeinungen kämen zu kurz, einigen fehle die Leidenschaft, und an Selbstkritik mangle es. Die Stimme der Stimmlosen «Das ist ein besonderer Tag für mich. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende», hält Rihs fest. «Es ist schade, doch zwölf Jahre sind genug, finde ich.» Es sei ein Privileg für sie als gebürtige Bernerin gewesen, sich an vorderster Front für die Interessen der Bevölkerung des Kantons Zürich einsetzen zu dürfen. Insgesamt hat sie 98 Vorstösse eingereicht und gilt damit als «Vorstoss-Königin» im Rat. Die Bildungspolitik war ihr Steckenpferd. Mit dem letzten Vorstoss setzt sie sich für die Anliegen der Gehörlosen ein. Der Satz «da muss man was ändern» stand oft am Anfang eines Vorstosses, sagt sie und lächelt. Etwa die Hälfte ihrer Eingaben betrafen Interessen von Gruppen, die keine Stimme im Rat haben. Diese brachte sie ins Parlament. Die Spaltung der Grünen und die Gründung der Grünliberalen gaben ihr zu denken. «Das war eine grosse Enttäuschung», erinnert sie sich. Freundschaften hätten darunter gelitten, selbst in ihrem Dorf. Nun wolle sie ihre Freiheit geniessen. Beispielsweise eine Weiterbildung machen. Sie könnte auch auf dem Biobauernhof ihres Sohnes aushelfen. Der Zeitpunkt des Rücktrittes, kurz vor den Sommerferien, sei absichtlich gewählt, so könne sie sich besser auf die neue Situation einstellen. «Ich hoffe, dass ich genug Distanz gewinne, damit ich danach nicht in ein Loch falle.» Ihren Sitz nimmt die Klotener Gemeinderätin Regula Käser ein. Ein Sohn mit eigenem Profil Kurz vor der Mittagspause würdigte der Kantonsrat den zurücktretenden Martin Mossdorf. Zwischen seinen Bülacher Parteikollegen Jean-Luc Cornaz und Werner Scherrer sitzend, nahm er die verbalen Blumen entgegen. Sein Austrittsschreiben wurde zuvor im Rat vorgelesen. Der Regierungsrat solle regieren und nicht nur verwalten, hielt der Bülacher darin fest. Sonst werde er zum Verwaltungsrat. Präsident Gerhard Fischer hob Mossdorfs Verdienste hervor. Er habe eine «selten ausdauernde Schaffensperiode» hinter sich, stehe in der Tradition seines Vaters, des Regierungsrates Albert Mossdorf, habe aber ein eigenes Profil entwickelt. Seine überparteilichen Kontakte seien ihm immer wichtig gewesen, hält er fest. Eingesetzt hat er sich unter anderem für den Autobahnzusammenschluss bei Kloten. Mossdorfs Rücktritt hängt mit neuen beruflichen Aufgaben zusammen. Unter anderem ist der Architekt zum Präsidenten der Stiftung Erziehung zur Toleranz berufen worden, und beruflich müsse er oft nach Dresden. Den Montagmorgen will er nun dazu verwenden, etwas für sein «körperliches Wohlbefinden» zu machen. Politisch aktiv will er jedoch bleiben, da und dort seine Meinung einbringen: «Ich bin ein politisch interessierter Mensch, doch ich werde nun ins hintere Glied treten». Seine Nachfolge tritt die Walliseller Gemeinderätin Linda Camenisch an. «Das ist ein besonderer Tag für mich. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende. Es ist schade, doch zwölf Jahre sind genug.» Susanne Rihs-Lanz «Ich bin ein politisch interessierter Mensch, doch nun werde ich ins hintere Glied zurück treten.» Martin Mossdorf

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