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50 Lehrerwechsel in 6 Jahren

Nein, die Opferrolle passt nicht zur Präsidentin der Regensdorfer Primarschulpflege. Mag sich Brigitta Lott noch so über «Mobbing» durch ehemalige Behördenkollegen und «menschenunwürdige Erpressung» durch die Ortsparteien beklagen: Ihre Vorwürfe fallen auf sie selbst zurück. Zu oft hat Brigitta Lott Lehrkräfte, die bei ihr in Ungnade gefallen waren, in ihrer beruflichen Kompetenz angezweifelt und einer vernichtenden Bewertung ausgesetzt. Wenn sich Lehrpersonen «katastrophalen Unterricht» vorhalten lassen müssen, wenn Eltern und Kinder gefragt werden, wie es um den psychischen Zustand ihrer Lehrerin bestellt sei, drückt das wohl kaum den «wertschätzenden Umgang» mit dem Personal aus, den die Primarschulpräsidentin gerne für sich in Anspruch nimmt. «Sie sind unfähig», soll sie als Abschiedsgruss einer Kindergärtnerin hinterhergerufen haben. Unerbittlich hat Brigitta Lott einzelne Lehrkräfte wegen Belanglosigkeiten in die Kündigung getrieben – und dabei manch hoffnungsvolle Karriere nachhaltig beschädigt. Die tiefe Verletzung der Betroffenen ist oft auch lange nach den traumatischen Erlebnissen nicht überwunden. Eingeschüchtert und teils gesundheitlich angeschlagen, scheuen sie auch heute noch den Gang in die Öffentlichkeit – aus Angst vor Repressalien.Mehr als ein Dutzend solcher Fälle haben besorgte Regensdorfer zusammengetragen – zu viele, als dass man sie für unglaubwürdig halten könnte. Die Mehrzahl davon stammt übrigens aus dem Schulhaus Pächterried, das sich bislang noch knapp von den Schlagzeilen fern halten konnte. Der Rauswurf der frisch eingestellten Schulleiterin in Watt brachte das Fass dann zum Überlaufen: Zahlreiche Lehrpersonen mochten nicht länger mit ansehen, wie einzelne ihrer Kolleginnen in die Enge getrieben wurden. 13 Kündigungen in nur drei Monaten sprechen eine klare Sprache. Im Sommer wird dem Schulhaus Wattdie Hälfte des Lehrpersonals davon-gelaufen sein. 50 Lehrerwechsel in 6 Jahren Mit ihrer Weigerung, für diesen beispiellosen Vertrauensverlust die Verantwortung zu übernehmen, setzt Brigitta Lott ihre Behörde, die sich mehrheitlich von ihr abgewendet hat, einer harten Belastungsprobe aus. Vor allem aber behindert sie den Neuanfang im Schulhaus Watt. Wie soll sich in Watt ein neuer Lehrkörper finden, wenn der Streit zwischen Anhängern und Gegnern der Schulpräsidentin noch immer die Agenda dominiert? Wie soll eine neue Schulleitung Tritt fassen, die fast zwangsläufig in einen Loyalitätskonflikt geraten muss? Wird sich das Personalkarussell in Watt künftig noch irrer drehen? 50 Lehrerwechsel habe ihr Bub im Schulhaus Watt in den letzten 6 Jahren erleben müssen, rechnete eine sichtlich gezeichnete Mutter nach der Kündigungswelle im April vor. Welche Auswirkungen hat es auf Kinder im Primarschulalter, wenn sich deren Bezugspersonen im Unterricht fast schon monatlich die Klinke in die Hand geben? Können kleine Abc-Schützen beim Start ins Schulleben so Vertrauen fassen? Wie steht es um die Chancen auf einen erfolgreichen Übertritt in die Oberstufe bei derart instabilen Verhältnissen im Lehrkörper? «Ein Riesendesaster», klagten die Watter Eltern an ihrer Aussprache vor den Frühlingsferien. Sinnloses Rückzugsgefecht Es dürfte schwierig werden, die Verwerfungen unter Lehrern, Eltern, Schulpflegern und Schulleitern in Regensdorf zu kitten. Doch mit ihrer sturen Weigerung, ihren Platz nun umgehend zu räumen, riskiert die Präsidentin der Primarschulpflege, dass der Streit noch weiter eskaliert. Dabei hat Brigitta Lott ihren Rücktritt spätestens bis Jahresende in einem von ihr selbst bezahlten Zeitungsinserat ja bereits erklärt. Zwei ihrer Gefolgsleute in der Schulpflege haben das Handtuch schon geworfen. Die Regensdorfer Ortsparteien hat sie samt und sonders gegen sich, die Mehrheit der verbleibenden Behördenkollegen ebenso und die meisten Eltern mit Kindern im Schulhaus Watt wohl auch. Welcher Sinn liegt da noch in einem weiteren Verbleib im Amt? Von ihrem Anwalt mehr schlecht als recht beraten, hat die Präsidentin der Primarschulpflege für ihre Streitereien mit dem Personal schon sehr viel Geld verbraucht. Sollen die Regensdorfer nun auch noch eine separate Ersatzwahl für das Präsidentenamt begleichen?Brigitta Lott hat sich über die Jahre hinweg ein engmaschiges Beziehungsnetz geknüpft und Leute an sich gebunden, die ihr auch jetzt noch, da sie in grösster Bedrängnis ist, die Stange halten. Das zeigt sich an den zahlreichen Ergebenheitsadressen in den Leserbriefspalten der Lokalpresse. Ein Blumentopf lässt sich damit aber nicht mehr gewinnen. Mit dem Hinauszögern ihres Abgangs kann die Präsidentin der Primarschulpflege Regensdorf nur noch zur tragischen Figur werden. Das sollte sie vermeiden.

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