Zum Hauptinhalt springen

15 Kilogramm voller Hightech

Der Inhalt einer Eishockey-Tasche hat sich über die Jahre verändert. Die Materialien sind leichter, beständiger und teurer geworden.

Von Silvan Schweizer Falls ein Eishockey-Spieler für einmal keine Hanteln fürs Krafttraining zur Hand hat, kann er seine Tasche nehmen: 15 Kilogramm wiegt jene von Klotens Verteidiger Félicien Du Bois. Bei Teamkollege und Goalie Ronnie Rüeger sind es mit seinen breiten Schonern und dem wuchtigen Brustpanzer gar 25 Kilogramm. «Man gewöhnt sich irgendwann ans Gewicht», sagt Du Bois. Im Gepäck befinden sich oft nicht nur die benötigten Ausrüstungsteile, sondern auch Pulver für isotonische Getränke und Isolierband für den Stock. Bei den Auswärtsspielen kommen Trainerhosen, Joggingschuhe und manchmal ein Fussball fürs Einwärmen dazu. Klotens Materialchef Martin Keller glaubt, dass das Gewicht der Taschen in den letzten 20 Jahren um rund die Hälfte abgenommen hat. Die Materialien, sprich die Kunststoffe, sind leichter geworden. Ein einzelner Schlittschuh etwa wiegt noch 880 Gramm. Du Bois benötigt wie alle Spieler zwei bis drei Paare pro Saison, womit er rasch auf über 2600 Franken kommt. Erhält er einen neuen Schuh, legt er ihn in einen speziellen Ofen; danach ist der Kunststoff weich und kann ideal an seinen Fuss angepasst werden. Die möglichst lange Erhaltung der Ware gehört zu Kellers Aufgaben. Über eine Stunde pro Tag verbringt er mit dem Schleifen der Kufen.Auch Nähen muss ein Materialwart können, zumal immer wieder Nähte der Handschuhe platzen. Er sei zwar nicht so der Handarbeiter gewesen, sagt er, aber in den 14 Jahren in Kloten habe er sich die Fähigkeiten angeeignet. Auch bei den Handschuhen seien die Materialen besser geworden: «Es gibt viel weniger zu tun als früher.» Sie werden nach jedem Training und Spiel über einen Trockner gestülpt, der mit seinen Befestigungshaken ein wenig wie ein kahler Baum aussieht. Trotzdem beginnen die Handschuhe wegen des Schweisses rasch zu «müffeln». Keller wäscht sie alle paar Wochen in einer grossen Waschtrommel im Stadion, die Hosen kommen dreimal pro Winter an die Reihe, die Trikots nach jedem Match. Seit 10 Jahren derselbe Schoner Die Pflege der weiteren Ausrüstungsartikel ist den Spielern selbst überlassen. «Etwas stinken muss es doch. Dann weiss man, dass man etwas gemacht hat», sagt Du Bois entschuldigend und lacht. Er trägt seinen Schulterschutz nun schon seit zehn Saisons, und auch wenn da schon einiges vergilbt und zerrissen ist, sagt der 27-Jährige: «Der passt eben ideal auf meine Schulter. Solange er nicht vollständig auseinanderfällt, spiele ich mit ihm.» Auch die weiteren Schutzausrüstungsteilewie Suspensorium, Schien- und Ellbogenschoner trägt er schon seit geraumer Zeit. Der Verschleiss an Stöcken ist um ein Vielfaches grösser: Vor 20 Jahren verbrauchte ein Spieler über 80 Holzstöcke à 25 Franken pro Saison, heute sind es durschnittlich 20 à rund 320 Franken, je nach Modell. Die Stöcke sind robuster geworden. Sie wiegen nur noch 430 Gramm. Meist sind sie aus Karbon oder Kevlar und aus einem Stück hergestellt – sogenannte Composite-Stöcke. Profis können beim Hersteller selbst entscheiden, wie biegsam der Schaft ist und welche Krümmung die Schaufel hat. Du Bois erinnert sich, einst mit einem Stock von NHL-Legende Mario Lemieux begonnen zu haben. Mittlerweile hat er seine eigene Massanfertigung und tüftelt noch während des Winters daran herum. Eishockey-Profis als Verkäufer Die Hosen und Handschuhe werden spätestens nach jeder Saison erneuert. Und weil viele Profis eitel sind und immer die neusten Produkte benötigen, sitzen sie im Sommer auf diversen Ausrüstungsartikeln. Verteidiger Joël Fröhlicher hat die Marktlücke erkannt und in Biel einen Occasionsshop eröffnet. Noël Guyaz und Thomas Walser, die in der vergangenen Saison noch gemeinsam bei den Lakers spielten und jetzt in Langenthal sind, adaptierten die Idee für Rapperswil-Jona. In einem Dachstock verkaufen sie nun dreimal pro Woche gebrauchte Artikel ihrer Kollegen aus Zürich, Kloten, Zug und Rapperswil-Jona. In ihrem Sortiment führen sie aber auch fabrikneue Produkte. Das sind dann Restbestände der Ausrüster. Oder der Spieler, die ihre bisherigen Marken wegen ihres Vertrags nicht mehr tragen dürfen (siehe rechts). Die Ware erhält eine zweite Chance, deshalb nennt sich das Unternehmen auch «2nd Chance Hockey». «Es gibt viele Plauschspieler, die sich keine eigene Ausrüstung leisten können», sagt Guyaz. «Vor allem für Junioren ist es extrem teuer, immer wieder neue Teile anzuschaffen, weil sie wachsen.» Das Geschäft laufe hervorragend. Der Gewinn eines Artikels kommt je zur Hälfte dem Spender und den beiden Verkäufern zugute. Bereits planen sie Läden in Uzwil und Langenthal. «Ein Materialwart verbringt über eine Stunde pro Tag mit Schleifen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch