Zum Hauptinhalt springen

Nachrufpanne bei RadiosenderZiemlich fit für eine Totgesagte

Bei Radio France International gingen versehentlich Hunderte Nachrufe online. Eine 92-jährige Schauspielerin fand das grossartig.

«In bester Form»: Line Renaud mit Dany Boon im Film «Bienvenue chez les Ch’tis».
«In bester Form»: Line Renaud mit Dany Boon im Film «Bienvenue chez les Ch’tis».
Foto: Pathé

Es gibt ja für Medien kaum etwas Peinlicheres als geballte Fehlinformation, zum Beispiel wenn jemand für tot erklärt wird, der gerade noch auf dem Weg zur Besserung schien. So geschehen im Fall des ehemaligen US-Präsidenten George Bush Senior, der bereits 2013 von «Spiegel online» betrauert wurde. Durch ein technisches Versehen sei der Nachruf – trotz internem Warnhinweis – online gegangen, hiess es damals.

Wer etwas älter ist, mag sich vielleicht erinnern, dass der «Blick» 1963 den Papst vorzeitig beerdigte. An einem Pfingstsamstag. Der Papst lebte noch, starb dann aber an Pfingsten, und der «Blick» konnte am folgenden Dienstag nochmals den gleichen Titel setzen. Inklusive Korrigendum.

Jetzt hat Radio France International (RFI) noch einen draufgesetzt: Auf der Website des französischen Radiosenders gingen auf einen Schlag Hunderte Nachrufe gleichzeitig online. Und man staunte: Sollte es die britische Königin Elizabeth Il., den brasilianischen Fussballer Pelé und den französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo alle auf einen Schlag erwischt haben?

Natürlich nicht. Auch da war angeblich ein technisches Problem schuld, RFI entschuldigte sich umgehend auf Twitter bei den versehentlich Totgesagten, es hagelte die übliche Dosis Häme und Spott. Aber ausgerechnet eine «Untote» fand ihren verfrühten Nachruf grossartig: die französische Sängerin und Schauspielerin Line Renaud («Bienvenue chez les Ch’tis»).

Auf Twitter schrieb die 92-Jährige, dass sie sich aktuell in «bester Form» befinde. Und fügte hinzu: «Ich habe derzeit so viele Projekte, dass dieser Text – wenn die Zeit gekommen ist – nicht mehr aktuell sein wird.» So geht Humor à la française.

2 Kommentare
    Hans Brunner

    Kann der Tagesanzeiger versprechen, dass Prominenten-Nachrufe erst frisch recherchiert und verfasst werden, wenn jemand tatsächlich stirbt, oder habt ihr doch auch in News-armen Zeiten ein paar Nachrufe auf Vorrat geschrieben, weil bestimmte Persönlichkeiten sicherlich bald von uns gehen werden?

    Wenn sich da jemand einen Spass macht, diese aus dem Vorratsschrank holt und publiziert, würdet ihr die gleiche Häme über euch ergehen lassen müssen...