So sieht das Netz der BVB während der Bankverein-Sperrung aus

Bald fährt am Bankverein kein Tram mehr. Dank Umleitungen sollen trotzdem alle ans Ziel kommen.

Das Liniennetz am Bankverein heute (links) und so, wie es während der Totalsperre aussehen wird (rechts). Grafik: BVB

Das Liniennetz am Bankverein heute (links) und so, wie es während der Totalsperre aussehen wird (rechts). Grafik: BVB

Alessandra Paone

Jeden Tag fahren 900 Trams über den Bankverein, alle 30 Sekunden eines. Aber nur noch bis zum 30. September, dann wird der zentralste Punkt des Basler Tramverkehrs gesperrt. Während zehn Tage verkehren zwischen dem Aeschenplatz und dem Barfüsserplatz sowie auf der Achse Bahnhof SBB– Wettsteinbrücke–Messeplatz keine Trams. 300 Meter stark abgefahrene Gleise, vier Weichen und sechs Kreuzungen werden ersetzt. Die Arbeiten kosten 2,6 Millionen Franken.

«Mein Puls wird sicher höher schlagen in den kommenden Wochen», sagt Roman Oppikofer. Der Leiter des Bereichs Infrastruktur bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) steht vor der Buchhandlung Bider & Tanner und blickt auf die Stelle, wo schon bald die Bagger auffahren werden. Ihm und den anderen Vertretern der BVB ist an diesem Montagmorgen die Anspannung deutlich anzumerken.

Das Unternehmen steht seit einiger Zeit unter Beschuss: unzufriedene Mitarbeiter, marodes Schienennetz, unfähiges Management. Anfang Juni legte ein plötzlicher Schienenbruch am Bankverein das ganze Stadtzentrum lahm. Wenig später veröffentlichte die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates einen verheerenden Bericht zu den BVB. Darauf trat Erich Lagler als Direktor zurück; an seiner Stelle wurde Bruno Stehrenberger gewählt, der vor Oppikofer den Bereich Infrastruktur leitete.

Gebäude sind zugänglich

Im Wissen, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und Politik derzeit auf die BVB gerichtet ist, sagt Mattias Pietrass: «Dies ist eine höchst anspruchsvolle Baustelle.» Dabei zittert die Hand des Projektleiters Infrastruktur leicht. Hier würden innert zehn Tagen Arbeiten erledigt, die sonst sechs Wochen in Anspruch nähmen. Damit der Tramunterbruch so kurz wie möglich sei, werde im Dreischicht- und 24-Stunden-Betrieb gearbeitet.

Die Bauarbeiten beeinträchtigen neben den BVB-Kunden auch die Anwohner und das umliegende Gewerbe. Man habe aber im Vorfeld mit allen Betroffenen gesprochen, sagt Pietrass. Rund um den Bankverein blieben die Liegenschaften und Läden immer zugänglich. Für die Fussgänger stelle die Baustelle ebenfalls keine Probleme dar. Für den motorisierten Individualverkehr bleibt die Kreuzung hingegen komplett gesperrt. Auch Velofahrer müssen Umwege in Kauf nehmen.

Mit Ausnahme der Linien 6 und 17 werden alle Tramlinien umgeleitet, die Linie 21 fährt gar nicht. Einige Linien werden neu verknüpft: Der 1er wird am Bahnhof zum 14er, der 2er fährt von Binningen nach Birsfelden, der 3er mutiert beim Theater zum 15er, der 8er fährt via Markthalle ins Kleinbasel. Auf der Linie 2 werden zwischen Aeschenplatz und Messeplatz Busse eingesetzt. «Wir haben versucht, den bekannten Fasnachts-Fahrplan zu adaptieren», sagt Fahrplanleiter Chris Gugger.

24 Millionen Franken

Der Bahnhof SBB soll für die Pendler trotz Umleitungen eine wichtige Drehscheibe bleiben. Etwa dank anderen Linien als üblich, wie zum Beispiel mit dem 16er-Tram via Gundeli-Eingang. Zudem fährt der 42er-Bus, der sogenannte Roche-Express, ab Bahnhof ins Hirzbrunnen und nach Riehen ganztags statt nur zu Stosszeiten.

Damit sich die Kunden zurechtfinden, stehen an den Haltestellen Kundenlenker. Es werden Flyer verteilt und Schilder aufgestellt. Zudem können sich die Fahrgäste per soziale Medien und Website informieren. Die BVB rechnen mit zusätzlichen 1000 Arbeitsstunden, die vor allem mit eigenem Personal gestemmt werden: Billettkontrolleure werden während dieser Zeit zu Kundenlenkern.

Die Kreuzung Bankverein ist neben der Sanierung des Centralbahnplatzes oder des Dorenbachviadukts eine von mehreren grossen Baumassnahmen im 2019. Die Kosten für dieses intensive Baujahr belaufen sich auf rund 24 Millionen Franken. Zuletzt wurde die Kreuzung Bankverein 1994 komplett saniert. Seit dem mussten jedoch immer wieder Weichen und Gleistragplatten ersetzt werden. Pietrass geht dennoch davon aus, dass die nächste Komplettsanierung erst in 25 Jahren nötig sein wird.

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