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StadtjägerZart, nackt, genesend

Wandbild und Pellegrini – in Basel war das einmal beinahe ein Synonym. Das Gemälde am Gebäude der ehemaligen öffentlichen Krankenkasse zeugt davon.

Ins Licht der neugewonnenen Gesundheit schwebend: die Genesende von Alfred Heinrich Pellegrini.
Ins Licht der neugewonnenen Gesundheit schwebend: die Genesende von Alfred Heinrich Pellegrini.
Foto: Dominik Heitz

In ihrer zarten Farblichkeit wirkt sie fast etwas ätherisch: die Genesende an der Wand des Spiegelhofs – dort, wo das Kellergässlein vom Fischmarkt zur Peterskirche hochführt. Aber auch in ihrer gesamthaften Darstellung scheint die nackte Frauenfigur mit ihren langen, gewellten Haaren und den ausgebreiteten Armen bereits zwischen den Wolken der Unendlichkeit entgegenzuschweben.

1941 hatte Alfred Heinrich Pellegrini (1881–1958) das Wandbild gemalt – damals mit Bezug zum Gebäude. Denn hier befand sich einst die Öffentliche Krankenkasse ÖKK, die heute als Sympany ihren Sitz am Peter-Merian-Weg bei der Münchensteinerbrücke hat.

«Der helfende, heilende, gesundende Sinn dieser Institution musste zum Ausdruck kommen. So steigt denn die blühende Frauengestalt aus der Tiefe aus dem Abgrund hinauf ins Licht, ins Freie, Reine. Eine Genesende könnte man sie nennen» – so beschrieb es damals die «National Zeitung». Und in den «Basler Nachrichten» hiess es lobend über das Bild in Verbindung mit der Architektur: «Die betonte Diagonale der Bergwand, vor der die Genesende mit geschlossenen Augen ins Licht der neugewonnenen Gesundheit emporschwebt, erfüllt auch im Bildinnern das Gesetz des Baues, wie auch das dunkle Himmelsblau, der helle Wolkenstreifen und dessen ‹irdische› Fortsetzung in der darunter liegenden, sich aus einem unbestimmten Nebelmeer erhebenden Alpenkette grenzen den Bildinhalt gegenüber dem warmen Braun des Deckgebälks ab.»

Für Pellegrini war die Arbeit keine einfache. Das 6,5 Meter hohe und 2,5 Meter breite Gemälde musste er von drei verschiedenen Gerüstetagen aus malen. Dabei konnte das Gerüst während des ganzen Malprozesses nicht entfernt werden, so dass es Pellegrini in dieser Zeit nicht möglich war, das Gemälde aus der Distanz und im Ganzen zu betrachten. «Und einige Details, die der Künstler gerne noch geändert hätte (einige Tönungen in den oberen Himmelspartien etwa), mussten wegen der schon vollzogenen Silikathärtung der Farben in ihrem Zustande belassen werden» hiess es in der «National Zeitung».

Wandbild und Pellegrini – in der damaligen Zeit war das in Basel beinahe ein Synonym, denn der Künstler war als Wandbildmaler sehr gefragt. Einige dieser Gemälde sind inzwischen verschwunden, am Steinenberg und in der Steinenvorstadt etwa oder am Börsenflügel beim Fischmarkt, der noch vor der Entstehung der Genesenden abgebrochen wurde. Das grösste Wandbild aber ist noch zu sehen. «Apoll und die Musen» heisst es, entstand im gleichen Jahr wie die Genesende und ziert die Stirnseite des Stadtcasinos am Barfüsserplatz.

Weshalb das Wandbild «Genesende»? Im Gebäude befand sich einst die Öffentliche Krankenkasse ÖKK.
Weshalb das Wandbild «Genesende»? Im Gebäude befand sich einst die Öffentliche Krankenkasse ÖKK.
Foto: Dominik Heitz