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Geldblog: ObligationenZahlungsausfälle sind ein Weckruf für Anleger

Oder: Was der Zusammenbruch staatlich kontrollierter Konzerne mit Top-Rating in China aufzeigt.

Firmen, die Anleihen im Hochzinsbereich herausgeben, haben meist eine dünne Kapitaldecke.
Firmen, die Anleihen im Hochzinsbereich herausgeben, haben meist eine dünne Kapitaldecke.
Illustration: Christina Baeriswyl

Wegen der tiefen Zinsen haben wir einiges in ausländische High Yield Bonds angelegt. Da gibt es mehr Zins. Geld verlieren wollen wir aber nicht. Wie stufen Sie hochverzinsliche Unternehmensanleihen ein? Leserfrage von J.W.

Sie können es auf einen einfachen Nenner bringen: Niemand zahlt Ihnen freiwillig mehr Zins als er müsste. Wenn Sie nun hochverzinsliche Unternehmensanleihen ins Depot nehmen, die weit mehr abwerfen als andere Obligationen in der gleichen Währung, müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie für diesen Renditeunterschied einen Preis zahlen – einen Preis in Form von mehr Risiko, das Sie in Kauf nehmen müssen.

Das Problem bei solchen Anlagen ist, dass es sich bei den internationalen High Yield Bonds um ein sehr breites Feld handelt. Das macht es schwierig, sich selbst ein Bild über den Zustand und damit die Werthaltigkeit einzelner Anleihen zu machen. Hilfe im Dschungel der internationalen High Yield Bonds bieten immerhin die Ratingagenturen. Allerdings weisen längst nicht alle Gesellschaften ein Rating auf.

Dazu kommt, dass auch die Ratings selbst von renommierten Agenturen wie Standard&Poors, Moodys oder Fitch keine Garantie geben, dass es bei einer Firma später nicht doch zu einem plötzlichen Zahlungsausfall kommt. Dies führte damals der Zusammenbruch von Lehman Brothers in der Finanzkrise 2008/2009 eindrücklich vor Augen.

Das Beispiel der Yongcheng Coal & Electricity Holding Group ist kein Einzelfall.

Auch in der aktuellen Corona-Krise muss man jederzeit mit Zahlungsausfällen rechnen. Ein aktuelles Beispiel für einen unerwarteten Zahlungsausfall bei einer hochverzinslichen Obligation sehen wir bei der staatlichen chinesischen Yongcheng Coal & Electricity Holding Group. Diese wurde von chinesischen Ratingagenturen bis vor kurzem noch mit einer Bestnote von AAA eingestuft. Inzwischen wurde klar, dass dieses Top-Rating nicht viel wert war, denn das Unternehmen ist zusammengebrochen. Bei der Anleihe im Umfang von 100 Millionen Euro ist es zu einem Zahlungsausfall gekommen.

Zu Recht fragt man sich, wie werthaltig wohl andere Unternehmensanleihen von chinesischen Unternehmen sind, die von Ratingagenturen mit guten Noten versehen sind. Der Zusammenbruch der Yongcheng Coal & Electricity Holding Group ist umso brisanter, als es sich um eine staatlich kontrollierte Firma handelt. Schaut man sich den Fall etwas genauer an, stellt man fest, dass die Yongcheng Coal & Electricity Holding Group kein Einzelfall ist. Im Corona-Jahr 2020 hatten darüber hinaus fünf weitere verstaatlichte oder staatsnahe Betriebe in China schon einen Zahlungsausfall erlitten.

Ich empfehle höchstens Fonds mit einer Vielzahl von verschiedenen Positionen.

China ist nur ein Beispiel. Auch in anderen Ländern weltweit dürfte es in den kommenden Monaten im Zuge der Corona-Krise vermehrt zu Konkursen kommen. Bei Firmen, die Anleihen im Hochzinsbereich herausgeben, ist die Kapitaldecke meist dünn, und in der Regel gibt es operativ Probleme. Da braucht es wenig, dass eine Firma im momentanen anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld in Schräglage gerät.

Wer mit dem Ziel, mehr Renditen auf Anleihen zu erzielen, auf hochverzinsliche Anleihen setzt, sollte sich die damit verbundenen erhöhten Risiken vor Augen führen, zumal auch im 2021 keine rasche Entspannung in Sicht ist. Darum empfehle ich Privatanlegern im Segment der High Yield Bonds keine Einzelanlagen, sondern – wenn überhaupt – nur Fonds mit einer Vielzahl von verschiedenen Positionen. Auch bei solchen ist man in der Regel mit Zahlungsausfällen von einzelnen Gesellschaften konfrontiert. Dank der breiten Diversifikation hält sich der Schaden einzelner Zahlungsausfälle aber in Grenzen.

1 Kommentar
    Thomas Biasio

    Bei den High Yield Bonds sind die Ausfallrisiken so hoch, dass man besser gleich in Aktien geht bzw. Aktien-ETFs kauft. Heutzutage rentieren leider Bonds (Investment Grade = mind. BBB-Rating) überhaupt nicht mehr, sie dienen lediglich dazu, um viel Geld zu parkieren.