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Yin-Yang-Wanne, Smaragd oder Gym?Getestet: Wellnesshotels mit Seeanstoss

Bad Horn, Seerose und Deltapark, alle drei Hotels liegen direkt am See und bieten ein grosses Wellnessangebot. Wir haben sie mit je eigenem Fokus besucht.

Bad Horn Hotel & Spa: Wellnessfreundinnen teilen sich alles, vom Whirlpool bis zum Doppelbett.
Bad Horn Hotel & Spa: Wellnessfreundinnen teilen sich alles, vom Whirlpool bis zum Doppelbett.
Foto: Dolores Rupa

Bad Horn am Bodensee: Für Freundinnen

Normalerweise ist es die Frau, die sich ein Wellnesswochenende wünscht. Sie liebt duftende Essenzen, geniesst das Aromapeeling, die Algenpackung oder das Molkenbad. Dem Mann hingegen reicht in der Regel eine Sportmassage. Das Package «Girls & Ladies» ist denn auch ein Renner im Angebot des Bads Horn Hotel & Spa. Es richtet sich an Freundinnen oder Mütter und Töchter, die sich drei Tage lang verwöhnen lassen wollen.

Das Bad Horn liegt zwischen Arbon und Rorschach am Ufer des Bodensees, der an diesem nebelverhangenen Herbsttag uferlos scheint. Näher am Wasser geht nicht – morgens wird man vom sanften Plätschern der Wellen und von dem munteren Geschnatter der Enten geweckt. Das maritime Flair prägt das Haus mit 71 Zimmern: Mahagoniholz und Messing, Bilder mit Segelschiffen, nautische Instrumente als Dekoration, ein blauer Teppich mit goldenem Anker, ein massives Steuerruder auf dem Gang.

Das Verwöhnprogramm für Girls und Ladys beginnt mit einem Zucker-Öl-Ganzkörperpeeling. Gioia Gross, eine junge Masseurin von zupackender Art, rubbelt die letzte Bräune weg. Kurz unter die Dusche, dann folgt die Teilkörpermassage, Beine oder Rücken nach Bedarf, Gioia Gross findet jede verspannte Stelle.

Frauen unter sich sind entspannter

Angenehm müde gibt man sich der Gesichtsbehandlung hin. «Welche Farbe wünschen Sie?», fragt Spa-Leiterin Monica Schneider. Gemeint ist die Beleuchtung: Rot, Grün oder Blau? Belebend, entspannend oder stimulierend? Die Kosmetikerin trägt Mund-Nase-Maske plus Plexiglasscheibe vor dem Gesicht. Sie kommt einem gefährlich nah, zack, schon hat sie die überflüssigen Härchen mit Wachs weggezupft. Die Behandlung endet sanft mit einer Pinselmassage wie Schmetterlingsflügel, die übers Gesicht streifen.

Monica Schneider weiss aus Erfahrung: Behandlungen sind zeitintensiv. Schatz, kannst du mich so lange entbehren?, ähnliche Fragen höre sie oft. Frauen unter sich seien entspannter. Und sie würden sich nach der Behandlung nicht schminken lassen, sondern eher noch eine Runde Wellness einlegen.

Das Smaragd-Spa aus grünem Granit bietet Saunen, Dampfbad, Salztherme sowie ein separates Ladys-Spa. Wer gerade in Corona-Zeiten lieber nicht mit fremden Menschen schwitzen möchte, leistet sich die Nautik-Suite (350 Franken für drei Stunden) für den Wellnessplausch zu zweit. Der Indoorpool mit Gegenströmung und Sprudelbecken scheint in den Bodensee auszufliessen ein Cheminée verbreitet eine wohlige Atmosphäre.

Abends wird im Restaurant Al Porto ein Viergänger serviert. Oder man zahlt einen Aufpreis und diniert im neuen Restaurant Wave mit Blick auf den hoteleigenen Hafen. Für einen Zuschlag könnte man sich auch ein Einzelzimmer leisten. Die meisten Frauen, die das «Girls & Ladies»-Package buchten, würden jedoch zu zweit in der Grand Cabin mit Seesicht übernachten, sagt Gastgeberin Bernadette Hinny. Wellnessfreundinnen teilen sich alles, vom Whirlpool bis zum Doppelbett.

Bad Horn, 4-Stern-Superior, Horn TG, Mitglied der Private Selection Hotels, privat geführte 4- und 5-Stern-Hotels mit Kernkompetenz Wellness, Doppelzimmer mit Frühstück ab 200 Fr. Buchung: Tel. 071 844 51 51, www.badhorn.chPackage: «Girls & Ladies», zwei Übernachtungen, inkl. Frühstück und Abendessen, Basisgesichtsbehandlung, Ganzkörperpeeling und Teilkörpermassage, 630 Fr. pro Person im DZ, Zuschlag EZ 116 Fr.

Seerose Resort & Spa: Der Hallwilersee und Thailand verschmelzen zu einer Oase der Sinnlichkeit.
Seerose Resort & Spa: Der Hallwilersee und Thailand verschmelzen zu einer Oase der Sinnlichkeit.
Foto: Stöh Grünig

Seerose am Hallwilersee: Für romantische Paare

Der Badezuber auf dem Balkon ist der Hit. Die meisten Paare, die das «Romantic-Special» buchen, leisten sich vor allem wegen dieses Bottichs eine Junior-Suite. Die Wanne ist gross genug für zwei, keiner muss auf dem Stöpsel sitzen. Man entspannt im 38 Grad warmen Wasser, keine Zuschauer weit und breit – ausser vielleicht die Fischer auf dem Hallwilersee.

Wir sitzen an diesem kühlen Novemberabend in der nur halb vollen Wanne. Wie bringt man mehr Wasser rein? Und wenig später: Wie stoppt man es? Das Wasser fliesst und fliesst, Hektik kommt auf, bald ist der Rand erreicht… Hätten wir bei der ausführlichen Erklärung doch besser aufgepasst!

Das Seerose Resort & Spa ist perfekt für eine Auszeit zu zweit. Das «Romantic-Special» bietet das volle Programm: Bettdecke und Kissen sind in Herzform gefaltet, Rosenblätter gestreut, zitroniges Massageöl wartet auf den Einsatz. Eine Flasche Champagner steht im Eiskübel: kein Prosecco, darauf legt Hotelier Felix Suhner wert.

Seine Idee war es, den Hallwilersee mit Thailand zu verschmelzen – in der Küche, im Spa und in der Einrichtung. Die Zimmer im Seerose Cocon sind einem (schicken) Bootshaus nachempfunden: Das Bad ist aus Apfelholz aus der Region, der Boden aus hellem Eichenholz, Sichtbeton und Messingarmaturen. Blickfang sind die Vorhänge, schimmernde Sommervögel, Mohnblumen, Seerosen und Libellen bringen die Natur ins Zimmer. Hinter dem Vorhang ist der Fernseher versteckt – «er könnte grösser sein», sagt der Mann. Aber: Fernsehen ist ja nicht Teil des Romantikprogrammes.

Zarte Thailänderinnen mit kräftigem Druck

Auf uns wartet ein duftendes Elemente-Bad in der Yin-Yang-Wanne im Thai-Spa, einer «Oase der Sinnlichkeit». Violette Wände, grosse Korbstühle, Hunderte goldene Glöcklein hängen von der Decke. Die Anwendungen basieren auf der Philosophie der Thai-Medizin, 14 Therapeutinnen, zarte Thailänderinnen mit kräftigem Druck, sind im Einsatz. Die traditionelle Thai-Massage hätte den Vorteil, dass man sich nicht ausziehen muss und keinen dieser üblichen Plastikslips anziehen müsste.

Wir entscheiden uns für die kräftige Thai-Ölmassage und die traditionelle Kräuterstempelmassage. Man könnte sich zu zweit im gleichen Raum behandeln lassen, offenbar der Wunsch vieler Pärchen. Masseurin Thong führt ins Phuket-Zimmer, jede Massage beginnt mit einer Fusswaschung, fernöstliche Klänge begleiten das Ritual.

Geknetet und gelockert planschen wir im Indoorpool, schauen den fallenden Blättern zu. Die Sicht aufs Wasser und auf intakte Natur, fein essen und trinken, das ist für Hotelier Suhner der Inbegriff von Romantik. Und, ganz wichtig, das passende Licht. Schmeichelndes Licht, ob in der grossen Regendusche im Zimmer, die ständig die Farbe wechselt, oder im authentisch eingerichteten Restaurant Samui-Thai.

Gefrühstückt wird im Cocon-Restaurant, wir sitzen in grossen, rund geflochtenen Weidensesseln, wohlig aufgehoben wie in einem Nestchen. Bis 12 Uhr lockt das Buffet. Genug Zeit also für einen Morgen im Bett oder im Badezuber auf dem Balkon.

Seerose Resort & Spa, 4-Stern-Superior, Meisterschwanden AG, Doppelzimmer mit Frühstück ab 250 Fr., Buchung: Tel. 056 676 68 68, www.seerose.chPackage: «Romantic-Special», zwei Übernachtungen, inkl. Frühstück und Abendessen, Elemente-Bad zu zweit, ab 449 Franken pro Person.

Deltapark Vitalresort: Wellness heisst hier vor allem Bewegung – auf dem See oder in den Bergen.
Deltapark Vitalresort: Wellness heisst hier vor allem Bewegung – auf dem See oder in den Bergen.
Foto: Romel Janeski

Deltapark am Thunersee: Für sportliche Paare

Das Frühstücksbuffet liefert Energie für den ganzen Tag: eine grosse Auswahl an Flocken, Nüssen und Trockenfrüchten fürs gesunde Müesli. Aber auch Lachs und Hering, Eier und Speck. Die Gäste, darunter einige in Trainerhosen, langen zu. Auf dem Zmorgentisch liegt die «Deltapark Daily News» mit Wetterbericht, Ausflugsidee und Gratissportprogramm: Nordic Walking oder Circuit-Training, Up Balance, Up Power oder Up Dance, Yoga oder Qigong.

Das Deltapark Vitalresort in Gwatt, inmitten eines Naturschutzgebietes direkt am Thunersee gelegen, richtet sich vor allem an aktive Paare jeden Alters. Wellness heisst hier in erster Linie Bewegung: Im gut ausgestatteten Gym, vor allem aber draussen, direkt vor der Tür: Joggen den See entlang, Wandern oder Biken in den nahen Hügeln und Bergen, Kajakfahren oder Stand-up-Paddeln auf dem See. Alle Sportgeräte können auf dem Areal gemietet werden.

Aber: Das Deltapark ist mehr als ein Trainingslagerhaus. Die 106 Zimmer mit Balkon und Sicht auf den See oder die Bergkette sind grosszügig und ideal zum Entspannen. Der Inbegriff von Luxus sind die drei stilvoll eingerichteten Seevillen in der extra angelegten Lagune, drei Schlafzimmer, drei Badezimmer, offene Küche und Wohnzimmer, inklusive Doppelgarage und integrierten Bootshauses.

Personal Trainer motiviert und gibt Tipps

Fitnesscheck bei Miguel Latorre, 42, Personal Trainer und Ernährungsberater. Ginge es nach ihm, würde der Gast zum Zmorgen Vollkornbrot statt Croissant essen, einen Gemüse-Smoothie statt Orangensaft trinken. Der Check beginnt mit einer «Körperstrukturanalyse», innert Sekunden liefert das Gerät alle wichtigen Parameter wie Körperfettanteil, Muskelmasse oder Knochendichte. Der Coach erklärt die Zahlen, sagt, woran man arbeiten könnte. Es folgt eine Stunde Personal Training (120 Fr.), der richtige Zeitpunkt, um Fragen zu stellen. Miguel Latorre, ein ehemaliger Tennisprofi, gibt Tipps, zeigt wirksame Übungen, die man auch daheim, ganz ohne teure Geräte, praktizieren kann.

Immer wieder übernachten auch erfolgreiche Sportler im Deltapark. Das Hotel unterstützt die besten Schweizer Beachvolleyballerinnen und beherbergte in der Superleague die Gegner des FC Thun. «Ein Aufenthalt, der guttut», lautet bei aller Leistungsoptimierung das Motto. Hoteldirektor Mirco Plozza, der für sein Wohlbefinden auf Yoga und Golf setzt, sagt: «Das Wichtigste ist, dass sich der Gast mal wieder Zeit für sich selber nimmt.»

Eine simple Massage, ganz ohne Chichi

Im Indoor-Solepool, im kleinen Aussenbecken mit Sprudel, in den Saunen und Dampfbädern. Oder in einer der privaten Spa-Suiten, der Asian Lagoon, der African Lodge oder dem Swiss Chalet. Danach liegt man im kuscheligen Bademantel auf dem Sonnendeck und geniesst die warme Novembersonne.

Die Muskeln werden bei einer Vitalmassage gelockert. Keine Flötenklänge, kein Schummerlicht, eine simple Massage ohne Chichi. Eine Stunde für 120 Franken, eine halbe Stunde für 65 Franken. Welcher Körperteil hats am nötigsten? Masseurin Barbara aus Polen findet die Stellen, die wehtun, und drückt so, dass mans spürt, aber nicht leidet.

Nach dem aktiven Tag hat man die Wahl: Viergänger (als Halbpensionsgast) oder à la carte im Restaurant Delta, ein Feinschmeckermenü im Delta Gourmet (16 «Gault Millau»-Punkte) oder thailändische Küche im Deltaverde, wo man den drei Thailänderinnen in der Showküche zuschauen kann, wie sie aus einem Rüebli eine Schildkröte zaubern.

Deltapark Vitalresort, 4-Stern-Superior, Gwatt bei Thun BE, Doppelzimmer inkl. Frühstück ab 300 Fr. Seevilla mit drei Schlafzimmern, inkl. Frühstück, ab 1550 Fr., Buchung: Tel. 033 334 30 30, www.deltapark.ch Package: «Winter-Wellness», 3 Nächte zum Preis von 2, inkl. Frühstück und Eintritt in den Delta-Spa, ab 300 Fr. pro Person.