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Erneut ein RekordYB mit 21 Millionen Franken Gewinn

Auch 2019 war ein YB-Jahr: Der Meister präsentiert nach 2018 wieder eine satte Erfolgsrechnung. Eine kleine Überraschung gibt es bei der Lohnsumme.

Ein europäisches Highlight im sehr erfolgreichen 2019: YB empfängt in der Europa League Feyenoord Rotterdam.
Ein europäisches Highlight im sehr erfolgreichen 2019: YB empfängt in der Europa League Feyenoord Rotterdam.
Bild: Anthony Anex (Keystone)

Mitten im Corona-Stillstand vermelden die Young Boys den nächsten wirtschaftlichen Erfolg. Der jahrelang in Finanzfragen auf Wunsch der Besitzerfamilie Rihs sehr zurückhaltend kommunizierende Meister kommt auch in diesem Jahr einer Auflage der Uefa nach, wonach die Teilnehmer am Europacup Geschäftszahlen offenlegen müssen. Daraus wird klar: YB ist noch immer ausgezeichnet unterwegs. 2019 erwirtschaftete der Club einen Reingewinn von etwas mehr als 21 Millionen Franken.

Es ist für einen Schweizer Club ein herausragender Wert, weil es auch zu normalen Zeiten sehr schwierig ist, das strukturelle Defizit schon nur auszugleichen. Hohe Gewinne sind im Prinzip nur mit zwei Ertragsmöglichkeiten realistisch: im Europacup und durch Spielerverkäufe. Und seit Christoph Spycher im Herbst 2016 als Sportchef bei den Young Boys übernommen hat, läuft es geradezu fantastisch – nachdem der Club in den sieben Saisons davor jedes Jahr hohe Verluste im zweistelligen Millionenbereich mit total über 80 Millionen Franken eingefahren hatte. Hätte das Coronavirus in jener Zeit den Fussballbetrieb lahmgelegt, wäre es für das Unternehmen YB trotz den schwerreichen Besitzern sehr heikel geworden.

Nun ist alles anders. Und die am Montag bekannt gegebenen Zahlen sind nach den erfolgreichen Kennziffern aus dem Jahr 2018 ein weiteres Erfolgskapitel in den gelb-schwarzen Jubeljahren. 2018 mit der alles überstrahlenden Champions League verzeichnete YB einen Gewinn von 18 Millionen Frankenbei einem Umsatz von 80 Millionen. Diesen vermochte YB im Jahr 2019 mit dem erneuten Gewinn des Meistertitels sowie der Teilnahme in einer mit den Gegnern Feyenoord Rotterdam, Porto und den Glasgow Rangers überaus attraktiven Gruppe in der Europa League gar noch auf 82 Millionen zu steigern. Und die Verkäufe von Kevin Mbabu (Wolfsburg) und Djibril Sow (Frankfurt) in die Bundesliga sowie Sékou Sanogo nach Saudiarabien trugen zum gewaltigen Gewinn bei.

Kaum Einnahmen durch Übertragungsrechte

Die Lohnsummein der Bilanz für den gesamten Betrieb ausgewiesenhat YB gegenüber dem Vorjahr etwas verringert: Nach 36,6 Millionen steht der Personalaufwand noch bei 32,7 Millionen Franken. Weil die Löhne unter Christoph Spycher extrem leistungsabhängig sind, partizipierten die Fussballer erneut stark am Höhenflug, doch die Prämien für das Erreichen der Champions League 2018 waren aussergewöhnlich hoch gewesen. Bemerkenswert auch: Übertragungsrechte und Prämien der Liga stellen in der Erfolgsrechnung mit nur rund 3,5 Millionen Franken die mit Abstand kleinste Einnahmequelle dar. Die Erträge aus Eintrittsgeldern (21,5 Millionen), Sponsoring und Werbung (8,9 Millionen), Gastro, Events und Merchandising (9,2 Millionen), Europacup (15,3 Millionen) sowie sonstige Einnahmen wie eben Transfers (23,5 Millionen) waren deutlich höher.

YB hat den FC Basel damit endgültig als Primus der Liga abgelöst. Der FCB hat seit zwei, drei Jahren auch finanziell Probleme, war aber bis 2017 jedes Jahr die klare Nummer 1 des Landes mit Grosserfolgen auf dem Rasen und beeindruckenden Wirtschaftszahlen – ebenfalls dank Champions-League-Teilnahmen und vielen lukrativen Auslandtransfers. Den offiziell höchsten betrieblichen Gewinn wies Basel 2016 mit etwas mehr als 29 Millionen Franken aus.

YB-CEO Wanja Greuel ist natürlich enorm erfreut über das «wieder grossartige Jahr 2019», sagt aber auch: «Es ist ein spezielles Timing. Wir schauen auf das aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreichste Jahr in der 122-jährigen YB-Klubgeschichte zurück. Doch die gegenwärtige Krise macht uns extrem zu schaffen. Den Jahresgewinn werden wir zu grossen Teilen dafür einsetzen müssen, die Corona-Krise zu überstehen.»

Auch YB steht vor schwierigen Zeiten

Den Gewinn hatten die Besitzer eigentlich vor allem als weitere Stärkung des noch ungenügenden Eigenkapitals im Club lassen wollen. In den letzten Monaten allerdings waren für YB kaum Einnahmen zu verzeichnen. Dabei hätte auch 2020 nicht nur sportlich sehr interessant werden können. Der ohnehin bemerkenswerte Zuschauerschnitt von fast 27000 in dieser Saison wäre in der Schlussphase der spannenden Meisterschaft im Titelkampf mit St. Gallen und Basel noch gesteigert worden – und im Kader stehen wieder jede Menge Akteure, die vor dem Sprung in eine Topliga stehen.

Kurzfristig allerdings dürften auf dem Transfermarkt deutlich weniger Einnahmen zu verzeichnen sein. Für Torjäger Jean-Pierre Nsame zum Beispiel wird kaum irgendein Moskauer Verein noch bereit sein, über 15 Millionen Franken zu bezahlen. Und zumindest im Sommer dürften noch keine grossen Zuschauermassen im Stade de Suisse zugelassen sein – sollten die Vereine am Freitag überhaupt entscheiden, dass sie die Saison ab dem dritten Juni-Wochenende noch zu Ende spielen.