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Kinder fragen Martin HicklinWoher weiss der Kuckuck, wo Afrika ist?

Die Vögel, die in fremden Nestern ausgebrütet werden, fliegen im Sommer weit nach Süden. Eine Landkarte brauchen sie dafür nicht.

Der Kuckuck ist ein Zugvogel. Seinen Weg nach Afrika findet er instinktiv.
Der Kuckuck ist ein Zugvogel. Seinen Weg nach Afrika findet er instinktiv.
Foto: Keystone / Schweizerische Vogelwarte Sempach 

Den Kuckuck und seinen Ruf kennen alle. Im Frühling locken die Männchen die Weibchen aus voller Brust. Dem Vogel merkt man nicht an, dass er eine gewaltige Reise über Wüsten und Meer hinter sich hat. Denn der Kuckuck überwintert im südlichen Afrika, jenseits der Wüste Sahara. Von dort beginnt er im Frühling seine lange Reise zu uns. Hier hofft er auf fette Raupen, Insekten und Spinnen.

Nun wissen die meisten, dass Kuckuckseltern kein eigenes Nest bauen, sondern auf Kosten anderer brüten. Die Weibchen spähen aus, wo Brutpaare mit dem Eierlegen beginnen, und schmuggeln schnell ein eigenes Ei zu den anderen ins Nest. Es ist zum Verwechseln gefärbt und gemustert wie die bereits gelegten. Während sich die Kuckucksmutter schon das nächste fremde Nest für ein weiteres Ei ausspähen kann, beginnen die fremden Vogeleltern, die Eier in ihrem Nest ahnungslos auszubrüten. Schlüpft das Kuckucksjunge, wirft es die anderen Eier und Vogeljungen über den Nestrand. Dann lässt sich der kleine Kuckuck zum Beispiel von Rotkehlchen füttern, bis er um ein Mehrfaches grösser ist als die betrogenen Pflegeeltern.

Das Junge, das seine Eltern nie gesehen hat, kann nun ausfliegen und sich körperlich vorbereiten. Denn noch im Sommer geht es auf die Reise in den Süden. Erstaunlich, dass die jungen Kuckucke vor den alten starten. Sie können also auf niemanden zählen, der sie nach Afrika führt. Die Strecken und auch die Rastplätze, welche die Kuckucke anfliegen, können dann sehr ähnlich seinobwohl sich die Vögel unterwegs nie gesehen haben.

Schon im Ei scheint die Reiseroute festgelegt.

Wie zum Beispiel die mongolischen Kuckucke Onon und Bayan. Sie hatten ihr Sommerquartier im Norden der Mongolei, also oberhalb Chinas. Dort – in einem Dorf namens Khurkh – wurden sie von einer Schulklasse Onon (Name eines Flusses in der Nähe) und Bayan (der Erfolgreiche) getauft. Dann wurden sie mit kleinen Sendern ausgerüstet. Diese werden auf dem Rücken befestigt und beziehen ihre Energie von der Sonne. Mit ihnen kann man die Reise über Satelliten verfolgen. So besendert wurden die Kuckucke freigelassen. Das war Anfang Juni letzten Jahres im Rahmen des Mongolia Cuckoo Project. Die beiden Vögel begannen bald eine lange Reise. Auch sie zog es nach Afrika. Allerdings über China, Burma, Bangladesh, Indien, das Arabische Meer nach Somalia und dann in Afrikas Süden bis nach Moçambique und Zambia.

Zur richtigen Zeit starteten Onon und Bayan dann auf verblüffend ähnlicher Route wieder zurück, ohne dass sie voneinander wussten. Es sieht ganz danach aus, dass die geflogene Route vererbt ist. Schon im Ei scheint festgelegt, dass die Reise nach Afrika geht. Verschiedene Sinne könnten helfen. So können sich Zugvögel am Magnetfeld der Erde orientieren und eine innere Uhr sagt ihnen, wann Zeit für den Abflug ist. Am 27. Mai um 15.30 Uhr ist Onon zur Freude der Dorfschulkinder wieder in Khurkh angekommen. Nach einer Reise von 26000 Kilometern über 17 Länder in einem Jahr.

Bayan wäre ihm eigentlich voraus gewesen. Doch am 12. Mai kam das letzte Signal aus der Provinz Henan. Zugvögel leben gefährlich. Beim Kuckuck hilft gegen Verluste, dass ein Weibchen bis zu 20 Eier legen und fremd ausbrüten lassen kann. Kein anderer Vogel schafft das.

2 Kommentare
    ulrike braun

    Vielen Dank!!! Bitte mehr von diesen wunderbaren Geschichten