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Corona-Pressekonferenz am Donnerstag«Die Polizeipräsenz an Ostern wird verstärkt»

Experten und Amtschefs des Bundes informierten in Sachen Coronavirus. Die Übersicht im Ticker.

BAG-Mann Daniel Koch über den Stand der Dinge am Donnerstag, 2. April.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zahl der in der Schweiz nachgewiesenen Covid-19-Infektionen ist auf 18'267 angestiegen. 432 Personen sind im Zusammengang mit dem Virus verstorben.
  • Gemäss Daniel Koch vom BAG ist es noch zu früh, die Massnahmen zu lockern.
  • Die Polizeipräsenz wird in den nächsten Tagen erhöht – auch wegen des schönen Wetters.

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Die Pressekonferenz ist zu Ende.

Rückholaktionen

Das EDA hat bisher mit 13 Flügen aus Lateinamerika, Afrika und Asien rund 2000 Schweizerinnen und Schweizer zurückgebracht. Am frühen Donnerstagmorgen ist etwa ein Flug aus Yangon (Myanmar) in Zürich gelandet. Hans-Peter Lenz, Leiter Krisenmanagementzentrum des EDA, rechnet damit, dass sich noch immer «mehrere tausend» Schweizer im Ausland befinden und auf eine Heimreise warten. Genaue Zahlen gebe es jedoch nicht. «In der Travel-App des Bundes sind derzeit noch 11'000 Personen registriert», sagt Lenz. «Wir wissen aber nicht, ob es Personen gibt, die individuell zurückreisen konnten und ihre Daten nicht gelöscht haben.»

Über eine Million Anträge für Kurzarbeit

Stand heute gibt es in der Schweiz 1,2 Millionen Gesuche von circa 100'000 Unternehmen für Kurzarbeit. Zahlen zu nicht bewilligten Anträgen gibt es laut Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik vom SECO noch nicht. Die Arbeitslosigkeit ist seit Beginn der Corona-Krise um 26'000 Personen angestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 2,7 Prozent.

Drohnen an der Grenze?

Wie Raynald Droz, Brigadier und Stabschef Kommando Operationen des VBS erklärt, wird die Grüne Grenze derzeit mit Helikoptern kontrolliert. «Wir haben auch ein Drohnen-Testsystem. Es ist jedoch noch unklar, ob dieses zum Einsatz kommen wird.»

Die Masken

Gemäss Daniel Koch vom BAG liefert der Bund die Mehrheit des Materials zum Schutz von Pflegepersonal und Ärzten. «Der Bund ist versucht aktuell so viel Material wie möglich einzukaufen», sagt Koch. Anschliessend werde das Material an die Kantone verteilt. «Wir haben auch zwei Maschinen gekauft, mit denen wir selbst Schutzmasken herstellen können.
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Gemäss Koch würden in der Schweiz täglich ein bis zwei Millionen Schutzmasken gebraucht. «Wir haben zwischen 14 und 17 Millionen Schutzmasken gelagert. Diese Zahl wird aber laufend angepasst. Es kann daher sein, dass in diesem Lager mittlerweile weniger Masken vorhanden sind.
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Wucherangeboten im Internet wird laut Stefan Blättler polizeilich nachgegangen. «Aktuell haben wir aber keine Zahlen dazu.»

Zum Thema: Das müssen Sie über Schutzmasken wissen

Die Schweiz zögert mit der Einführung einer flächendeckenden Maskenpflicht, weil deren Nutzen umstritten ist. Viele Epidemiologen finden das keine gute Strategie.

Bluttransfusionen

Gemäss einem Journalisten gibt es in Basel erste Tests mit Bluttransfusionen von Corona-Genesenen.

Der Grundgedanke solcher Tests sei sehr alt und bekannt, sagt Daniel Koch. «Im Spezifischen kann ich aber mich nicht dazu äussern, da ich die Details nicht kenne.»

Unser Bericht zum Thema: Corona-Geheilte helfen Kranken

Schweizer Spitäler behandeln Risikopatienten neu mit Blut von Personen, die Covid-19 überstanden haben. Wie das funktioniert und wer als Empfänger infrage kommt.

Polizeieinsätze

Die Polizei sei in allen Kantonen einsatzfähig, erläutert Kommandant Blättler auf eine Folgefrage. Es sei sichtbar, dass es auf den Strassen weniger Verkehr herrsche. «Es sind weniger Personen draussen. Das bedeutet auch weniger polizeiliche Interventionen», sagt Blättler. Dies sei eine positive Seite der aktuellen Corona-Krise. «So können wir unsere Dispositionen aufrecht erhalten.» Auch über die kommenden Ostern würden die Kantonspolizeien ihre Aufgabe wahr können. «Da sind wir zuversichtlich.»

Aargau setzt Video-Überwachung ein

Der Aargauer Regierungsrat hat eine Sonderverordnung per sofort in Kraft gesetzt, die der Kantonspolizei erlaubt, zur Kontrolle des vom Bundesrat angeordneten Verbots von Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen auf bestehende Videokameras in Echtzeit zugreifen. Gemäss Stefan Blättler gelten für eine solche «virtuelle Patrouille» die üblichen Gesetze. «Gewisse Örtlichkeiten dürfen überwacht werden», erklärt der Polizeikommandant. «Kein Hilfsmittel ersetzt jedoch die Präsenz der Polizei vor Ort.»

Wochenende mit gutem Wetter

Auch Daniel Koch äussert sich zu den guten Wetterprognosen für das kommende Wochenende. Das schöne Wetter führe natürlich dazu, dass Menschen vermehrt nach draussen gehen möchten. «Gegen einen kleinen Spaziergang um den Block ist nichts einzuwenden», sagt Koch. «Vermeiden sie aber Orte, an denen sich viele Menschen ansammeln.» Hotspots wie beispielsweise die Seepromenade seien deshalb bereits abgesperrt worden. «Das ist eine gute Massnahme, um Ansammlungen zu verhindern.»

An Beatmungsgeräten

Gemäss Daniel Koch vom BAG werden in der Schweiz aktuell 378 Patienten künstlich beatmet.

«Kontrollen» am Gotthard

Wie Stefan Blättler ausführt, wird es in den kommenden Tagen und auch über Ostern Kontrollen am Gotthard und am San Bernardino geben. «Die Strassen bleiben aber offen. Es gibt kein Verbot ins Tessin zu fahren», erläutert der Polizeikommandant.

Blättler appelliert an den gesunden Menschenverstand. «Es gibt keinen ausländischen Verkehr. Wir können den Schweizern nur sagen: Bleiben Sie Zuhause.» Die Campingplätze und Restaurants im Tessin seien alle geschlossen Zudem gebe es bereits beliebte Orte, die gesperrt wurden, damit sich nicht zu viele Personen an einem Punkt ansammeln.

Lesen Sie dazu auch: Polizei plant Abwehraktion am Gotthard 

Erste Ferienorte schotten sich ab. Die Polizeikorps von Uri und dem Tessin entscheiden bald, wie sie Deutschschweizer von der Reise in den Süden abhalten wollen.

Überwachungs-App

Eine Journalistin möchte wissen, wie weit die Schweiz mit der Überwachungs-App ist. «Diese App ist ein pan-europäisches Projekt», erklärt Matthias Egger, Präsident der Nationalen COVID-19 Science Task Force. Gemäss Egger geht es bei der App nicht um ein Programm, das mit Hilfe von GPS alle Mobiltelefone registriert. «Das Programm läuft über Bluetooth. Personen können die App freiwillig herunterladen. Auch das Einschalten von Bluetooth ist freiwillig. Es gibt keinen Zwang zur Überwachung.» Technisch sei das Programm sehr weit. «Es sind aber noch Abklärungen wegen des Datenschutzes hängig.»

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Zum Thema: Führt diese App Europa aus dem Corona-Lockdown?

Mit einer neuen Plattform wollen Forscher nachverfolgen, wer welche Menschen angesteckt haben könnte. Das soll die Verbreitung des Virus verlangsamen – auch nach dem Lockdown.

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Daniel Koch fügt hinzu: «Wir warten auf die Resultate der Abklärungen. Im Moment ist es zu früh, uns darüber zu äussern.»

Matthias Egger ergänzt später: Die App zur Überwachung der Bevölkerung soll sobald wie möglich zur Verfügung stehen. «Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist aktuell gross. Das hätte einen wichtigen Effekt.» Dazu wie viele Personen sich bei der App registrieren müssen, um genügend Daten zu liefern, gibt Egger keine Auskunft. «Alles, was dazu beiträgt, die Ausbreitung des Virus aufzuhalten, hilft.»

Infizierte Schweizerin in Ischgl

Medienberichten zufolge soll eine Schweizerin die Corona-Patientin Null in Ischgl gewesen sein. Die betroffene Frau habe sich bereits Anfang Februar mit dem Virus infiziert. Ischgl gilt als Corona-Hotspot in Österreich. Auch viele Schweizer sollen sich an diesem Seuchenherd infiziert haben (zum Bericht). Gemäss Daniel Koch hatte das BAG keine Informationen zu diesem Fall.

Verstärkte Polizeipräsenz an Ostern

«Alle kantonalen Polizeikorps sind gefordert», sagt Polizeikommandant Stefan Blättler. «Die polizeiliche Präsenz ist aktuell am wichtigsten.» Die Kantonspolizeien hätten daher viel Kontakt mit der Bevölkerung. «Der Grossteil der Bevölkerung zeigt Verständnis für die strengen Massnahmen.
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Blättler spricht auch das schöne Wetter an, das für das kommende Wochenende vorhergesagt ist und viele Menschen ins Freie locken dürfte. Alle Personen müssten nun den Ernst der Lage erkennen. Die Einhaltung der Verhaltensregeln des Bundes sei überlebensnotwendig. «Wir müssen gesunden Menschenverstand walten lassen. Das Frühlingswetter scheint die Lage als ungefährlicher erscheinen zu lassen, als es ist», sagt Blättler. Speziell richtet er sich mit seinem Appell an die Jungen. «Respektieren Sie diese Regeln. Zeigen Sie Verantwortungsbewusstsein. Verzichten wir vorübergehend auf etwas Freiheit.»

Die Polizeipräsenz wird gemäss Blättler in den nächsten Tagen schweizweit verstärkt werden, auch im Hinblick auf Ostern. «Vor allem das Tessin beunruhigt uns. Wir alle kennen die Blechlawine an Ostern am Gotthard. Bleiben Sie zuhause, fahren Sie nicht ins Tessin.», sagt Blättler.

So funktioniert die Justiz trotz widriger Umstände

Um den Betrieb im Justizapparat aufrecht zu erhalten, seien die ordentlichen Gerichtsferien vorgezogen worden, erklärt Susanne Kuster, Stellvertretende Direktorin Bundesamt für Justiz. Diese Pause sei dringend nötig gewesen und von den Gerichten genutzt worden, um sich auf den Betrieb während der Corona-Krise vorzubereiten.

  • Die ordentlichen Gerichtsferien wurden vorgezogen und verlängert.
  • Protokolle werden im Homeoffice geschrieben.
  • Verhandlungen werden nun per Video durchgeführt.
  • Die Justiz wird ihren Kernaufgaben weiterhin gerecht.

«Zudem gilt ein Rechtsstillstand bei den Betreibungen», führt die Stellvertretende Direktorin des Bundesamts für Justiz weiter aus. Der Bundesrat wolle Unternehmen mehr Zeit geben, um sich auf die neue Situation einstellen zu können. «Ein weiterer Vorschlag, durch den Unternehmen weniger schnell Konkurs anmelden müssen, ist derzeit in Prüfung.»

Beitrag der Forschung

Matthias Egger, Präsident National COVID-19 Science Task Force, spricht über die Forschung. «Viele Wissenschaftler sind sehr besorgt über Covid-19. Alle wollen ihren Beitrag dazu leisten.»

Es wurde eine Task Force gegründet, um die Erfahrungen und Untersuchungen zu bündeln. Diese Task Force steht dem Bund und den Kantonen zur Verfügung. Man will die Forschung fördern und Massnahmen umsetzen.

In der Task Force gibt es neun Gruppen. Sie alle haben andere Aufgabengebiete. Unter anderem geht es darum, Menschen zu warnen, wenn sie zu nahe beieinander sind.

Es sei nicht die Aufgabe, die Menschen zu kontrollieren, das mache das BAG. Die Task Force wirkt unterstützend und konstruktiv.

«Wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht»

Es sei kein steiler Anstieg, aber immer noch eine beträchtliche Anzahl Menschen, die sich täglich ansteckten, sagte Daniel Koch, vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag vor den Bundeshausmedien. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht. Für verlässliche Prognosen, wie es in den nächsten Wochen weitergehe, sei es aber zu früh.

Zu früh ist es laut Koch auch für eine Lockerung der Massnahmen. «Bleiben sie auf Distanz, halten sie sich an die Abstandsregeln, beachten sie die Hygienevorschriften», mahnte er.

«Es ist sicher noch zu früh, die Massnahmen zu lockern.»
Daniel Koch, Delegierter des BAG für COVID-19, zur aktuellen Lage in der Schweiz am 2. April 2020.

Diese Experten informieren heute

An der heutigen Medienkonferenz informiert wie üblich Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten des BAG. Weiter nehmen folgende Experten und Amtschefs des Bundes teil:

  • Matthias Egger, Präsident Nationalen COVID-19 Science Task Force
  • Susanne Kuster, Stellvertretende Direktorin Bundesamt für Justiz
  • Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten
  • Hans-Peter Lenz, Leiter Krisenmanagementzentrum des EDA
  • Raynald Droz, Brigadier, Stabschef Kommando Operationen VBS
  • Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik SECO
  • Daniel Bach, Chef Information und Kommunikation SEM
18'267 Infizierte in der Schweiz

Die Zahl der in der Schweiz nachgewiesenen Covid-19-Infektionen ist innerhalb eines Tages um 1128 Fälle auf 18'267 gestiegen. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag mit.

Am Mittwoch hatte das BAG 963 neue bestätigte Fälle im Vergleich zum Vortag gemeldet, am Dienstag noch deren 701. Das BAG berichtet am Donnerstag zudem über 432 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in der Schweiz.

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung halte sich an die Weisungen des Bundesamts für Gesundheit, sagte Bundesrat Parmelin. Nun dürfe man nicht nachlassen, auch wenn das Wetter schön sei. «Der Bundesrat ruft die ganze Bevölkerung dazu auf, die Vorschriften einzuhalten», sagte Parmelin mit Blick auf die Ostertage. Es wäre bedauerlich, wenn die Massnahmen verschärft werden müssten.

Lesen Sie hier unsere Analyse: Der Schweizer Covid-19-Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern

34 Kommentare
    Jean Roth

    Ostern ist für uns Christen eine Feier. Am 23.April beginnt für die Moslems der Fastenmonat/Ramadan wo man sich mit Familie und Freunden zum zahlreichen Zusammensitzen und Essen trifft. Wurden darüber schon mal Gedanken gemacht , wie die gefassten Massnahmen gegen Corona aufrecht gehalten werden können ?