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KinderfasnachtWo sind die Kinder geblieben?

Der Fasnachtszyschtig gehört den Kindern. Doch in diesem Jahr war fast alles anders. Die wenigen Binggis, die den Weg in die Stadt fanden, liessen sich nicht unterkriegen.

Vieles war anders an der Kinderfasnacht 2021, doch vieles blieb sich gleich. Vor allem für die Kleinen war der Fasnachtsdienstag so unbeschwert wie immer.
Vieles war anders an der Kinderfasnacht 2021, doch vieles blieb sich gleich. Vor allem für die Kleinen war der Fasnachtsdienstag so unbeschwert wie immer.
Foto: Dominik Plüss

In normalen Jahren bevölkern viele Tausend Binggis die Basler Innenstadt. Schyssdräggziigli, kleine Waggis, Miniatur-Alte Tanten, vorwitzige Pippi Langstrumpfs und viele andere Fasnachtsfiguren veranstalten einen Umzug, der an Fantasie und Lebendigkeit oft die Cortèges des Montags und des Mittwochs hinter sich lässt.

Dass es in diesem Pandemiejahr die übliche Druggede nicht geben würde, war klar. Doch die Leere, welche das BaZ-Team zu Beginn eines Rundgangs durch die Basler Innenstadt antraf, kam unerwartet. Wo waren sie geblieben, die Kinder?

Gähnende Leere

Wir begannen unseren Rundgang beim Tinguely-Brunnen, normalerweise einer der Ausgangspunkte der Kinderfasnacht, wo das Gewimmel am grössten erscheint. Nicht so am Fasnachtszyschtig 2021: Leere und Ruhe. Ein paar unkostümierte Kinder mit ihren Müttern bewunderten die unablässigen Bewegungen der zehn gusseisernen Skulpturen des Tinguely-Brunnens, der das ganze Jahr über an die Fasnacht erinnert.

Räppli-Segen ohne Kinder

Wir gingen weiter zur Elisabethenkirche. Dort sollten Dutzende von Kindern die Fasnacht zelebrieren, wie der BaZ gesagt wurde. Der Verein Offene Kirche Elisabethen hat im Gotteshaus eine Fasnachtskirche eingerichtet. Laternen, fasnächtlich ausstaffierte Schaufensterpuppen und Fasnachtsmusik ab Band sorgen fürs Ambiente.

Fasnachtsdienstag in der Elisabethenkirche mit Räppli-Segen für Kinder, die aber nicht da sind. Stattdessen wird ein Pfyffer-Grüppli gesegnet.
Fasnachtsdienstag in der Elisabethenkirche mit Räppli-Segen für Kinder, die aber nicht da sind. Stattdessen wird ein Pfyffer-Grüppli gesegnet.
Foto: Dominik Plüss

Auf einem Endlosvideo ertönte der bekannte Comité-Schnitzelbank «Heiri», und auf der Kanzel stand ein kostümierter Mitarbeiter der Kirche, welcher den Kindern den «Räppli-Segen» erteilen sollte. Dabei sollten von der Kanzel herab mehrere Handvoll Räppli über die Köpfe der Gesegneten gestreut werden. Alles war da, nur die Kinder nicht. Stattdessen wurde eine Pfeifergruppe gesegnet, die spontan aufgetaucht war, mit Masken statt Larven.

Sie sind doch da

Wir suchten weiter. In der Freien Strasse und in der Gerbergasse nahm die Zahl der Passanten zu. Und da waren sie plötzlich da, zumindest vereinzelt: die Binggis mit ihren selber gemachten Trommeln und Larven. Alles fast wie immer, nur mit den Däfeli klappe es dieses Jahr nicht so richtig, klagte ein kleiner Waggis. Er habe während des ganzen Nachmittags gerade mal zwei bekommen. In der Tat waren im Vergleich wenig Menschen auf der Strasse. Nur am Rümelinsplatz kam das Gefühl von Masse auf. Doch die Kinder blieben in der Minderheit. Aber sie sorgten für Action, rannten etwa den Spalenberg hinunter und deckten das BaZ-Team mit Räppli ein. Ein Hauch von Unbeschwertheit kam auf.

Beinahe schon eine «Druggede». Am Rümelinsplatz hat es an der Kinderfasnacht 2021 mehr Erwachsene als Kinder.
Beinahe schon eine «Druggede». Am Rümelinsplatz hat es an der Kinderfasnacht 2021 mehr Erwachsene als Kinder.
Foto: Dominik Plüss
Fast so wie immer, allerdings war der Marktplatz an der Kinderfasnacht 2021 meist leer.
Fast so wie immer, allerdings war der Marktplatz an der Kinderfasnacht 2021 meist leer.
Foto: Dominik Plüss
Eine der wenigen Kinderformationen, die an der Kinderfasnacht 2021 durch die Freie Strasse zogen.
Eine der wenigen Kinderformationen, die an der Kinderfasnacht 2021 durch die Freie Strasse zogen.
Foto: Dominik Plüss
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Zum Schluss noch der Münsterplatz. Dort erinnerten die prächtigen Installationen der Cliquen an die Laternenausstellungen früherer Jahre. Dazwischen bewegten sich unter Hunderten von Erwachsenen nur wenige Dutzend Kinder.

Der Geist der Kinderfasnacht in Corona-Zeiten: Eine Einzelmaske sitzt in der Rittergasse, intrigiert und verteilt Süssigkeiten.
Der Geist der Kinderfasnacht in Corona-Zeiten: Eine Einzelmaske sitzt in der Rittergasse, intrigiert und verteilt Süssigkeiten.
Foto: Dominik Plüss

Der Geist der Kinderfasnacht war aber doch spürbar; nirgendwo besser als beim einsamen, melancholischen kleinen Waggis in der Rittergasse. Schon seit anderthalb Stunden sass er mit Sicherheitsabstand auf einem Pfosten des Zauns vor der dortigen Primarschule und verteilte Däfeli. Er intrigierte, als sässe er hoch oben in einem Waggiswagen. Witzig, originell und zutiefst fasnächtlich .