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Agglomerationen wachsen überproportionalDie Verstädterung der Schweiz in Grafiken

Immer mehr Menschen leben im urbanen Raum. Wir zeigen, wo die Bevölkerung in den letzten Jahren am stärksten zugenommen hat.

Die 49 Agglomerationen in der Schweiz, 2019
Grafik: Bundesamt für Statistik

Städte und Agglomerationen seien die Motoren der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes. Ihnen komme daher eine besondere Bedeutung zu, hielt der Bundesrat bereits 2001 in seinem Bericht zur Agglomerationspolitik fest. Seither ist die Urbanisierung stark vorangeschritten. Das zeigt die «Statistik der Schweizer Städte 2020» des Schweizerischen Städteverbandes und des Bundesamtes für Statistik.

Mitte des letzten Jahrhunderts existierten noch 24 Agglomerationen, in denen 2,1 Millionen Menschen lebten. Das entsprach knapp der Hälfte der Wohnbevölkerung. Heute gibt es schon 49 Agglomerationen, in denen fast drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer zu Hause sind. Betrachtet man die Bevölkerung des ganzen Raums mit städtischem Charakter, kommt die urbane Schweiz sogar auf einen Bevölkerungsanteil von 83 Prozent.

Das Wachstum der Agglomerationen in der Schweiz, 1960–2019
Grafik: Bundesamt für Statistik

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Agglomerationen also verdoppelt. Damit sind Kernstädte und ihre umliegenden Gemeindegürtel gemeint. Sie sind nicht nur bevölkerungsreicher geworden, sondern haben sich auch räumlich ausgedehnt. Inzwischen nehmen sie mit gut 11’000 Quadratkilometern fast doppelt so viel Raum ein wie noch vor zwanzig Jahren. Etliche Agglomerationen sind zusammengewachsen. Um sie voneinander abzugrenzen, analysieren die Behörden die auf die Kerne ausgerichteten Pendlerströme.

Die grösste Agglomeration der Schweiz stellt Zürich mit einem Gürtel, der sich bis zu 35 Kilometer vom Zentrum ausdehnt. Sie umfasst beinahe 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Je über eine halbe Million Menschen wohnen im Umkreis von Genf und Basel. Bei fast der Hälfte aller Agglomerationen handelt es sich aber um Gebiete, in denen weniger als 50’000 Menschen leben. Die kleinste Agglomeration, Stein im Kanton Aargau, hat sogar nur 6000 Einwohner.

Bemerkenswert ist, dass die kleinen Agglomerationen am stärksten wachsen. Zwischen 2000 und 2018 legten sie im Schnitt um mehr als 21 Prozent zu. Einsamer Spitzenreiter ist Bulle im Kanton Freiburg mit 56,4 Prozent. Lenzburg AG, Monthey VS, Stein AG und Lachen SZ kommen auf jeweils über 34 Prozent. Von den grossen Agglomerationen verzeichnen Genf und Zürich (23 respektive 21 Prozent) das stärkste Wachstum. Das ist deutlich mehr als Basel (9,6), Bern (8,4) und St. Gallen (6,8 Prozent).

Allgemein setzte das überproportionale Wachstum der Agglomerationen erst um die Jahrtausendwende ein. Zwischen 1980 und 1999 lag es bei durchschnittlich 9,8 Prozent und damit unter der Entwicklung im Rest der Schweiz. Zwischen 2000 und 2018 stieg es auf 17,7 Prozent und überflügelte damit die Restschweiz sowie das gesamtschweizerische Bevölkerungswachstum von 17,2 Prozent.

In der Folge des Bevölkerungswachstums haben sich auch der Wohnungsbau und die Wirtschaft immer stärker in die städtischen Gebiete verlagert. Heute befinden sich knapp drei Viertel der Wohnungen und Arbeitsplätze in den Agglomerationen. Von 5,2 Millionen Beschäftigten im Schweizer Arbeitsmarkt sind 4,1 Millionen hier zu finden. Zwischen 2000 und 2017 wurden allein in den fünf grössten Agglomerationen gleich viele Wohnungen gebaut wie im Rest der Schweiz.

Und geht es nach dem Rat für Raumordnung (ROR), einer ausserparlamentarischen Kommission, soll das auch so bleiben. Vor gut einem Jahr veröffentlichte der ROR im Auftrag des Bundesrates einen Bericht, in dem er empfahl, das künftige Bevölkerungswachstum in die urbanen Ballungsräume zu lenken. Der Erhalt der Biodiversität und der vielfältigen Funktionen der Landschaften sowie der Schutz der ackerfähigen Böden seien wichtig für eine attraktive Schweiz. Die grosse Herausforderung bestehe in der Eindämmung einer weiteren Zersiedlung.