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Städtetrip ins grenznahe BesançonWo der Doubs durchdreht

Eine intakte, lebendige Altstadt, stille Innenhöfe und viel französisches Flair: Besançon in der Franche-Comté ist ein Bijou hinter der Schweizer Grenze.

Blick von Besançons Zitadelle auf den Doubs, der die Stadt umfliesst.
Blick von Besançons Zitadelle auf den Doubs, der die Stadt umfliesst.
Foto: Roman Babakin (Getty Images)

In Besançons Altstadt braucht man auch als geografische Null keinen Stadtplan. Nicht weil die Stadt mit ihren 115’000 Einwohnern so klein wäre, sondern weil die Gassen einer klaren Ordnung folgen und man am Ende immer wieder am Doubs steht, der den Ort in einem Rundbogen umfliesst.

Die Lage am Fluss, diesem natürlichen Schutzschild, gefiel schon Kelten und Römern die Hauptgasse, die Grande Rue, folgt exakt dem Verlauf des römischen cardo maximus. Und dort, wo der Doubs keinen Schutz mehr bot, setzte Militärarchitekt Vauban im 17. Jahrhundert eine mächtige Zitadelle hin, denn Ludwig XIV. hatte Angst vor den Habsburgern. 100 Meter thront sie nun über der Stadt, steinerner Zeuge des französischen Herrschaftswillens.

10 Kilometer lange Mauer

Die mächtige Zitadelle mit ihren Mauern, Wachhäusern und Türmen gehört zum Unesco-Welterbe.
Die mächtige Zitadelle mit ihren Mauern, Wachhäusern und Türmen gehört zum Unesco-Welterbe.
Foto: Getty Images

Keine Frage da muss man rauf. Nicht nur weil der Bau mit seinen 10 Kilometer langen Mauern, Wachhäusern und Türmen zum Unesco-Welterbe gehört, sondern weil der Blick von den Zinnen grossartig ist. Ringsum grüne Hügel, das Flussufer und weitläufige Parkanlagen – eine intakte Natur, die der Stadt die Auszeichnung «Französische Hauptstadt der Biodiversität» eingetragen hat. Massnahmen sind etwa eine Null-Pestizid-Politik in Parks und Gärten sowie die Ziegen, die statt Mähmaschinen im Frühling die öffentlichen Grünflächen abweiden.

Andere Schätze versteckt Besançon lieber. Die liegen hinter den strengen Fassaden aus hellem Sandstein inmitten der Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Hier wohnten die alten Familien der Stadt, reiche Bürger und Vertreter der Kirche, denn Besançon ist schon lange Bischofssitz.

Wie aus der Zeit gefallen

Anne Wei, unsere Führerin vom Tourismusbüro, kennt sich bestens aus. Sie ist in Besançon aufgewachsen, hat hier studiert und wohnt mit ihrer Familie in der Altstadt. Und vor allem: Sie besitzt einen Passepartout zu vielen idyllischen Innenhöfen der Hôtels particuliers, der alten Stadtpalais. «Mal schauen, ob der Schlüssel passt», sagt sie. Er passt, und wir stehen in einem Hof, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Eine prächtige, doppelläufige Aussentreppe aus Holz führt hinauf zu den einzelnen Stockwerken. «In früheren Jahrhunderten wurden die Steuern nach der Fassadenlänge zur Strasse hin berechnet», erklärt Anne Wei, «deshalb bauten die Leute ihre Häuser in die Tiefe, das kam günstiger.»

Hinter den Innenhöfen liegt meistens noch ein Garten, wie auch hier. Eine alte Dame hat ihn bis vor kurzem gepflegt. Nun steht das Haus samt grünem Paradies für 200000 Euro zum Verkauf. Die Altstadthäuser und -wohnungen sind zwar begehrt, doch die Balance zwischen Angebot und Nachfrage ist noch intakt. Familien wohnen hier mit Kindern, Studenten finden eine Bleibe für 300 Euro.

Besançon ist kein herausgeputztes Freilichtmuseum, man lebt selbstverständlich in und mit der Geschichte.

20000 Studierende sind an der Uni eingeschrieben, sie bringen junges Leben in die alten, strengen Mauern und die vielen Strassencafés und Bars. Allzu hellhörig darf man nicht sein, wenn man hier wohnt. Überhaupt bewegen sich die Bisontiner, wie sich die Einheimischen nennen, mit bemerkenswerter Gelassenheit durch ihr architektonisches Bijou.

Abends treffen sich die Bisontiner, wie sich die Einheimischen nennen, in den zahlreichen Strassencafés und Bars der Altstadt.
Abends treffen sich die Bisontiner, wie sich die Einheimischen nennen, in den zahlreichen Strassencafés und Bars der Altstadt.
Foto: Getty Images

Besançon ist kein herausgeputztes Freilichtmuseum, man lebt selbstverständlich in und mit der Geschichte. Überall spürt man die Historie der Bischofstadt. An der Rue des Granges etwa befindet sich in einer ehemaligen Kirche die Buchhandlung L’Intranquille. Über mehrere Stockwerke führen offene Treppen durchs Kirchenschiff – ein Beispiel für eine gelungene Umnutzung. Eine andere ist das Hotel Le Sauvage unterhalb der Zitadelle, wo in ein ehemaliges Frauenkloster ein Hotel eingebaut wurde.

Die Stadt ist nicht so prächtig wie ihre Nachbarin Dijon. Doch gerade die Abwesenheit von ganz grossen Attraktionen ist Besançons Chance und macht die Stadt zum Geheimtipp nach der langen Corona-bedingten Reisepause. Deshalb geniessen wir die ruhigen Plätze, etwa die baumbestandene Parkanlage hinter dem Palais Granvelle, einem Bau aus der Renaissance, der heute ein Uhrenmuseum beherbergt. Oder die Hauptkirche, die Kathedrale Saint Jean. Ihre astronomische Uhr mit den 100 Anzeigen wurde in Kooperation mit Schweizer Uhrmachern gebaut. Handwerker aus dem nahen Jura gründeten in Besançon im 19. Jahrhundert viele Manufakturen.

Abendlicher Stadtrundgang am Flussufer

Am Abend, wenn sich die Lichter im Doubs spiegeln, ist der Stadtrundgang am Ufer am schönsten. Zwei Stunden sollte man einplanen, der Weg führt entlang von Stadtmauern, Schleusen und Flussinselchen. Und danach einkehren im Restaurant Le Saint Cerf, wo das Jungtalent Xavier Choulet eine ausgezeichnete Cuisine nature mit Bioprodukten und Kräutern auftischt. Wer es einfacher mag, ist in der Brasserie La Fabrique gut bedient.

Infos: Tägliche Zugsverbindungen via Basel und Mühlhausen. www.bourgognefranchecomte.com, www.besancon-tourisme.com

Die Reise wurde unterstützt von Burgund-Franche-Comté Tourismus.