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Geldblog: AnlagestrategienWo bekomme ich schöne Erträge?

Dividendenperlen sind verlockend. Doch man sollte auch das Risiko mit in die Waagschale werfen.

Stabilität? Gibts nicht! Wer in Aktien anlegt, muss Kursschwankungen in Kauf nehmen.
Stabilität? Gibts nicht! Wer in Aktien anlegt, muss Kursschwankungen in Kauf nehmen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Wir werden das Haus meiner Schwiegermutter, für die ich die finanziellen Dinge erledige, verkaufen und es wird daraus ein schöner Erlös herausschauen. Nun möchte ich einen Teil des Geldes, circa 100`000 bis 200`000 Franken, in Aktien anlegen, welche eine gewisse Stabilität haben, aber auch rechte Dividenden ausschütten. Ich habe da an Novartis, Swisscom, Zürich und Helvetia gedacht, aber auch an Schroder ImmoPlus. Was meinen Sie? Leserfrage von C.W.

Der von Ihnen erwähnte Immobilienfonds Schroder ImmoPlus investiert das Kapital breit diversifiziert in Schweizer Liegenschaften an unterschiedlichen Standorten und weist eine attraktive Ausschüttungsrendite von fast drei Prozent aus. Die Gesamtkostenquote Total Expense Ratio von 0,6 Prozent ist in Ordnung. Für die Zukunft sehe ich bei diesem Fonds allerdings Risiken. Denn der Fonds setzt hauptsächlich auf Geschäfts- und Gewerbeliegenschaften. Die grössten Positionen des Fonds entfallen auf Investments ins Büro-, Detailhandels-, Gewerbe- und Hotelliegenschaften. Regional liegt der Fokus grösstenteils auf Genf, Zürich, Waadt, Bern und St. Gallen. Aufgrund der Coronakrise rechne ich damit, dass es insbesondere bei den Büro- und Detailhandelsliegenschaften vermehrt Leerbestände und teilweise auch Mietausfälle geben wird.

Die Coronakrise hat den Trend zu mehr Homeoffice stark verstärkt und ebenso der Digitalisierung einen Schub verliehen. Die Leute werden weniger in stationären Läden und vermehrt online einkaufen, was dazu führt, dass es weniger Ladenflächen braucht. Wenn Sie in Immobilien investieren möchten, würde ich Immobilienfonds oder Aktien von kotierten Immobiliengesellschaften vorziehen, die in erster Linie in Wohnliegenschaften investieren, da dieses Segment weniger stark von der Coronakrise betroffen ist. Unabhängig davon sehe ich bei Immobilien nach wie vor interessante Renditechancen. Solange die Zinsen tiefen bleiben, dürfte der Immobilienmarkt – insbesondere im Wohnbereich – robust bleiben und solide Renditen bringen.

Wichtig ist, dass Sie nicht ein zu grosses Klumpenrisiko tragen, sondern auch bei Dividendenperlen und Immobilienanlagen breit diversifizieren.

Da Sie auf dem Kapital regelmässige Erträge wünschen, stufe ich auch den Kauf von Dividendenperlen wie Swisscom, Novartis, Zürich oder Helvetia als sinnvoll ein. Punkto Dividendenrenditen interessant sind auch die Swiss Re, die Swiss Life, Nestlé, Roche oder Lafarge Holcim. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Dividenden nie garantiert sind. In Krisenjahren wie wir es momentan erleben, können Dividenden bei einem schlechten Geschäftsgang auch gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden. Trotzdem stufe ich bei den erwähnten Grossunternehmen die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass sie auch in diesem Jahr ansprechende – wenngleich teilweise gekürzte – Dividenden auszahlen werden.

Der Preis dafür ist allerdings, dass Sie bei solchen Aktien immer stärkere Kursschwankungen in Kauf nehmen müssen. Darum sollten Sie sich einen langen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren setzen. Stabilität wie Sie sie in Ihrer Frage ansprechen, ist nicht gegeben, da Aktien immer Schwankungen ausgesetzt sind. Einen langen Anlagehorizont sollten Sie zudem auch bei Immobilienfonds oder Immobilienaktien haben. Wichtig ist zudem, dass Sie nicht ein zu grosses Klumpenrisiko tragen, sondern auch bei Dividendenperlen und Immobilienanlagen breit diversifizieren. Möglich ist dies auch über Anlagefonds, die in Dividendenperlen investieren.

3 Kommentare
    Barbara Zürcher

    Der schönste Ertrag für ehrliche Leute ist eine sinnvolle Wirkung der angelegten Summe. Was das ist, kann jede/r selber beurteilen. Konventionelle Anlagen bieten das eher selten. Immobilienanlagen tragen direkt zu Entwicklungen bei, wie sie heute in dieser Zeitung im schönen Artikel über „Frau Aubachs Erben“ beschrieben werden. Ich staune immer wieder darüber, wie sehr Geld allgemein als Selbstzweck betrachtet wird. Als ginge es nur darum, es zu vermehren - koste es die Umwelt und die Gesellschaft, was es wolle. Es ginge auch anders.