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Zwangspause im Paradies

Ein Sturm zwingt die Planet Solar zum längeren Halt beim Dorf Deltaville. Die Notsituation entpuppt sich als willkommene Abwechslung. Teil VI der Serie «Grüsse aus dem Golfstrom».

Willkommen in New York: Die Freiheitsstatue empfängt die MS Tûranor Planet Solar. (17. Juni 2013)
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Stefanie Pfändler
Raumschiff vor Skyline: Manhattan bietet eine Kulisse ...
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Stefanie Pfändler
«Die Seeleute haben ihre helle Freude an uns»: Stefanie Pfändler berichtet für  von Bord.
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zvg
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Wer mit einem solarbetriebenen Katamaran unterwegs ist, erlebt viele unvergessliche Pioniermomente. Aber es gehören auch Schwierigkeiten dazu. Am Morgen nach unserem erzwungenen Halt in einem Nebenarm der Chesapeake Bay tobten noch immer unberechenbare Winde, die unser Vorwärtskommen so gut wie verunmöglichten. Daher beschloss die Crew, unsere Pause zu verlängern.

«Are you really from Switzerland?»

Um uns herum regte sich etwas. An der einige Hundert Meter entfernten Küste liefen Leute mit Fotoapparaten und Feldstechern herum und Boote fuhren auf uns zu, um uns von allen Seiten zu beäugen. Die ersten, die uns erreichten, waren der Marina-Besitzer und sein junger Helfer. «Are you really from Switzerland?», vergewisserten sie sich mit Blick auf unsere Schweizer Flagge. «Was macht ihr in Deltaville? Und was ist das für ein seltsames Boot?» Ihre Stimmen klangen ungläubig. Wir gaben bereitwillig Auskunft und hatten bald neue Freunde gefunden. Während sich unsere Kollegen an einige technische Arbeiten machten, liessen wir drei Wissenschaftler uns von den netten Herren an Land bringen. Dieses schwankte. Wie wir merken mussten, droht einem nach mehr als einer Woche auf dem Meer und längst überwundener Seekrankheit nun plötzlich das Gegenteil.

Wir versuchten unser Taumeln zu vergessen und fanden uns bald umringt von Anwohnern, die überschwänglich dieselben Fragen wiederholten. Wir kamen uns vor wie Ausserirdische, die versehentlich auf einem fremden Planeten gelandet sind. «So etwas wie euch haben wir in Deltaville noch nie gesehen», rief staunend Herr Hall, der uns bald darauf seine Frau, seinen Vater und seine beiden kleinen Söhne vorstellte.

Grossvater Hall liess es sich nicht nehmen, uns in seinem Truck zu einer kleinen Tour auszuführen. Deltaville, so erzählte er souverän wie ein Fremdenführer, ist bereits seit 200 Jahren von Fischern besiedelt. Die waldige Landschaft, vom Meer zu unzähligen Buchten zerfurcht, war lange das Zuhause vieler Fischer. Inzwischen sind hier aber vor allem Wochenend- und Ferienhäuser gut betuchter Inland-Amerikaner zu finden. Überall wurden wir freudig begrüsst – das ganze Dorf scheint unsere Ankunft längst bemerkt zu haben. «Die Lokalzeitung arbeitet schon an einem Artikel über euch», wurden wir euphorisch informiert.

Auf nach New York City!

Nach der kurzen Pause machten wir uns wieder auf den Weg an Bord. Unsere Kollegen waren mit ihren Arbeiten fertig, und am frühen Nachmittag waren auch die Wetteraussichten wieder vielversprechender. Über uns schien die Sonne, der Himmel war strahlend blau. Es fiel uns schwer, zu glauben, dass draussen auf dem Golfstrom noch immer das Unwetter wütete. Beim Verlassen der Bucht wurden wir von mehreren Booten begleitet, deren Besitzer uns alle freudig zuwinkten. Wie gerne wären wir länger hiergeblieben, in diesem freundlichen, abgelegenen Paradies. Aber nun heisst es: Auf nach New York City!

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