Welches selbstfahrende Auto unsere Strassen erobern könnte

In knapp zwei Wochen wird in Zürich ein autonomes Fahrzeug vorgestellt. Welches Auto infrage kommt, was die Erfahrungen im Ausland sind und was die Swisscom damit zu tun hat.

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Olivia Raths@tagesanzeiger

Führerlose Autos, die sich selber durch die Strassen lenken: Bald werden sie auch in der Schweiz Realität, zumindest für einige Monate. Das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat der Swisscom eine Bewilligung erteilt, bis Ende Jahr in Zürich Testfahrten mit einem selbstfahrenden Auto durchzuführen. Am 12. Mai wird das Fahrzeug der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zwar gibt sich die Swisscom vor dieser Präsentation bedeckt, dennoch ist bereits einiges bekannt. Beim selbstfahrenden Testauto handelt es sich gemäss Uvek um ein Fahrzeug der Freien Universität Berlin und des Innovationslabors Autonomos Labs. Welches Modell es ist, gibt weder das Uvek noch die Swisscom bekannt. Es gibt jedoch aktuell zwei Modelle: Eines basiert auf dem Volkswagen Passat Variant und eines auf dem Mitsubishi iMiEV (siehe Bildstrecke). Beide haben schon etliche Testfahrten in Berlin hinter sich und verfügen über entsprechende Ausnahmegenehmigungen für autonome Fahrten auf Berliner Strassen.

«Mehrfach souverän gemeistert»

Der Test-Volkswagen Passat Variant, auch bekannt als «Made in Germany», ist einiges länger im Einsatz als der Mitsubishi iMiEV und hat in Berlin in den letzten vier Jahren mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt. Diverse Parcours im Zentrum Berlin, gespickt mit Ampeln, Kreiseln und anderen Hindernissen, hat das Fahrzeug laut der Freien Universität Berlin «mehrfach souverän» gemeistert – ganz ohne Person am Steuer.

Dass dies möglich ist, dafür sorgt komplexe Technik: Dank einem rotierenden 360-Grad-Laserscanner auf dem Dach erkennt das Auto andere Fahrzeuge auf bis zu 100 Meter Entfernung. Mit Radaren und Videokameras auf allen vier Seiten werden andere Autos und Passanten erfasst. Spezielle Software analysiert die Daten, erkennt Fahrsituationen und generiert die notwendigen Fahrbefehle. Dazu steuert ein Computer im Auto Bremse, Gaspedal und Lenkung.

«Fahrzeuge sind wie Mobiltelefone»

Laut Raúl Rojas, Leiter der Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz der Freien Universität Berlin, wäre es bereits heute möglich, die getesteten Autos auf privatem Gelände regulär einzusetzen – etwa auf Flughäfen oder in Fabriken. Zudem sei es auf Autobahnen denkbar, autonomes Fahren in zehn Jahren zu erleben, so der Wissenschaftler in einer Mitteilung der Freien Universität Berlin. «Im Stadtverkehr dagegen müssen noch viele Probleme gelöst werden.» Dort sei mit einer Einführung autonomer Fahrzeuge erst in 20 bis 30 Jahren zu rechnen, sofern sie überhaupt zugelassen werden.

Doch erst einmal folgen die Tests in der Schweiz, die im Auftrag der Swisscom durchgeführt werden. Was der Telecomanbieter mit selbstfahrenden Autos zu tun hat, erklärt ETH-Professor Roland Siegwart, der selber an Roboterautos forscht: «Fahrzeuge sind wie Mobiltelefone; ein autonomes Auto muss mit sehr vielen Informationen umgehen. Karten und Pläne werden im Netz gespeichert und zwischen den Fahrzeugen ausgetauscht», sagt Siegwart zum «Blick».

Zukunftsforscherin Martina Kühne vom Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon ZH ergänzt: Die Innovation finde heute nicht mehr beim Auto selbst statt, sondern bei der Technik. Das erlaube Technologieunternehmen den Einstieg in neue Geschäftsfelder.

baz.ch/Newsnet

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