Zum Hauptinhalt springen

Raumschiff «Jules Verne» wird glühend vergehen

Es ist das spektakuläre Ende einer historischen Mission: Europas bisher grösstes Raumfahrzeug «Jules Verne» wird am Montag Richtung Erde brausen und in der Atmosphäre verglühen.

Der Grossteil des milliardenteuren Raumtransporters, der vor fast sechs Monaten die Internationale Raumstation ISS mit Nachschub versorgte, wird unter grosser Hitze und Druck verglühen. Bis zu hundert Teile des «Automated Transfer Vehicle» (ATV) könnten aber im unbewohnten Zielgebiet im Südpazifik ins Meer stürzen.

Für die Europäische Raumfahrtagentur ESA ist das Wiedereintrittsmanöver mit Knalleffekt rund 2500 Kilometer östlich von Neuseeland am Montagnachmittag (15.30 Uhr MESZ) eine Premiere.

«Von der Physik her ist das mit dem Eintritt der russischen Raumstation MIR im Jahr 2001 zu vergleichen», sagte Mike Steinkopf, ESA-Missionsleiter im Kontrollzentrum in Toulouse. «Die MIR war aber deutlich grösser und das ATV ist schon von vorneherein dafür konzipiert, in der Atmosphäre zerstört zu werden.»

Sicherheitsvorkehrungen

Dennoch sind erhebliche Sicherheitsmassnahmen für die Rückkehr des noch 13,5 Tonnen schweren und mit ISS-Müll vollgepackten ATV notwendig. In der 2700 Kilometer langen und 200 Kilometer breiten Eintrittszone wird der Flug- und Schiffsverkehr sicherheitshalber ausgesetzt.

«Wir gehen davon aus, dass beim Eintritt in die Atmosphäre eine Fragmentierung stattfinden wird», sagte Steinkopf. «Die Teile werden überwiegend schmelzen. Aber bis zu 30 Prozent können runterkommen.»

Ihre Grösse hänge davon ab, wie sich das ATV auflösen werde. «In unseren Modellen wog das grösste Teil zwischen 10 und 500 Kilogramm.»

Viel Geld verglüht

Mit dem ATV wird auch eine Menge Geld in der Atmosphäre verglühen. Denn die Anlaufkosten für das Wegwerf-Raumschiff waren enorm. Entwicklung und Erstflug verschlangen 1,3 Milliarden Euro. Bei Folgeflügen rechnet die ESA allerdings mit deutlich geringeren Kosten von 300 Millionen Euro pro Mission.

Vier weitere Flüge sind bis 2015 geplant; das nächste ATV, das derzeit von der EADS-Tochter Astrium in Bremen gebaut wird, soll 2010 ins All, wenn die USA ihr Space-Shuttle-Programm einstellen und die ISS auf die Versorgung durch Russen und Europäer angewiesen ist.

Kein wiederverwertbares Raumschiff

Aus Kostengründen verzichten die Europäer darauf, wie die USA ein wiederverwertbares Raumschiff zu entwickeln. Denn dazu müsste das ATV mit einem Hitzeschild ausgestattet werden, was deutlich teurer ist.

Längst haben die ESA-Planer auch eine Variante für bemannte Flüge angedacht – aber das würde alles sprengen, was sich europäische Raumfahrtminister heute in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.

Schweizer Beteiligung

An die Entwicklung der «Jules Verne» hat auch die Schweiz beigetragen. Die Oerlikon Space AG in Zürich war verantwortlich für die tragenden Strukturelemente aus einer hochfesten Aluminiumlegierung, für die Cargo-Racks und für das Trennsystem zwischen ATV und Rakete.

Weitere Unternehmen wie Pilatus Aircraft in Stans oder APCO Technologies SA in Vevey waren für Teile der Bodeninfrastruktur zuständig. Daneben waren rund 150 weitere Schweizer Firmen an der Entwicklung und am Bau der ATV beteiligt, darunter Ruag Aerospace in Emmen und die Alu Menziken Gruppe.

SDA/mbr

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch