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Nach 340 Tagen im All zurück auf der Erde

Nasa-Astronaut Scott Kelly und sein russischer Kollege Michail Kornijenko verliessen mit einer Sojus-Kapsel die Internationale Raumstation.

Ende einer langen Reise: Raumfahrer Scott Kelly und Michail Kornijenko landen in der kasachischen Steppe.

Nach fast einem Jahr im Weltall sind der US-Astronaut Scott Kelly und der Russe Michail Kornijenko wohlbehalten von der Internationalen Raumstation ISS zur Erde zurückgekehrt. Forscher erwarten von der Langzeit-Mission wichtige Erkenntnisse für eine mögliche Mars-Reise.

Nach 5440 Erdumrundungen benötigten Scott Kelly und Michail Kornijenko zum Verlassen der Landungskapsel fremde Hilfe. Rettungskräfte packten entschlossen zu und trugen die Astronauten vom Sojus-Transporter zu Klappstühlen.

Die Bewegungseinschränkung ist für Forscher eine wichtige Erkenntnis. Nach fast einem Jahr in der Schwerelosigkeit scheinen die Muskeln des Amerikaners und des Russen schwächer als vermutet. Beweglichkeit ist aber eine zentrale Voraussetzung etwa für eine Landung auf dem Mars. Dort kann den ersten Astronauten niemand beim Aussteigen helfen.

Kraftverlust und psychische Belastung

«Der Kraftverlust des Muskel- und Skelettsystems ist das Hauptproblem», sagt der deutsche Mediziner Jens Titze. Nach einem Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS dauere es «Wochen bis Monate» bis zur Normalität. Gravierender sei aber die psychische Belastung eines Flugs zum Roten Planeten, meint der Professor der Vanderbilt University in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee.

«Im Vergleich zu einer Mars-Mission sind Aufenthalte auf der ISS quasi kleine Probleme. Die Raumstation kreist rund 400 Kilometer über der Erde, während der Mars etwa 228 Millionen Kilometer von uns entfernt ist. Die Rückkehr nach Hause ist von der ISS also ziemlich einfach», meint Titze. Er betreute 2011 das Isolationsexperiment Mars500 in Moskau, als sechs Männer einen Flug zum Mars simulierten.

In der Steppe von Kasachstan winkten Kelly und Kornijenko auf ihren Klappstühlen in die Kameras. Bei Minustemperaturen war auch der Russe Sergej Wolkow in eine Decke gehüllt, er kehrte nach 182 Tagen im All mit den beiden Kollegen zurück.

Keine Kniebeugen nach Ausstieg

«Dobroje utro», rief Kelly Helfern als Morgengruss auf Russisch zu. Es war das Ende eines spektakulären Dienstflugs, fast 340 Tage nach dem Start Ende März 2015 in Baikonur. In der Nähe der Raumfahrer lag die Sojus-Kapsel im Steppengras, auf dem Rückweg zur Erde haben Temperaturen bis zu 1000 Grad Celsius ihren Hitzeschild in der Erdatmosphäre braun-schwarz verfärbt.

Eigentlich sollten Kornijenko und Kelly das Raumschiff eigenständig verlassen und ein spezielles Übungsprogramm absolvieren, zu dem auch Kniebeugen gehörten. Nun finden die ersten medizinischen Tests für die beiden Russen in Moskau und für Kelly in Houston in den USA statt.

«Es ist eigentlich eine Drei-Jahres-Mission, da die Untersuchungen nach der Landung noch lange fortgesetzt werden», sagt ein Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos der Agentur Tass.

Vergleich mit Zwilling auf der Erde

«Die Reise ist noch nicht zu Ende», meint auch Scott Kelly. Er ist für Wissenschaftler besonders interessant: Der Astronaut hat einen Zwillingsbruder – für die Forschung war Mark Kelly in den vergangenen rund zwölf Monaten ein idealer Vergleichsproband auf der Erde.

Das Ziel der Zwillings-Studie: Erkenntnisse gewinnen, wie sich lange Weltraumreisen auf den Menschen auswirken. Interessant sind vor allem die Belastungen, denen der Körper ausgesetzt ist – höhere Dosen kosmischer Strahlung, Muskel- und Knochenschwund, geschwächtes Immunsystem, Probleme mit den Augen und Folgen für das Erbgut.

Der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter ist sicher, dass die Jahresmission wichtige Antworten für eine bemannte Reise zum Mars gibt. «Natürlich kann man etwa die Belastung durch kosmische Strahlung nicht zu 100 Prozent simulieren. Auch würde man auf dem Weg zum Mars nur die Sonne sehen, nicht den Heimatplaneten Erde, diesen psychologischen Aspekt können wir nicht testen», sagt Reiter.

Muskeltraining und Weltraumsalat

Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Knochen und Muskeln sei aber zentral – so habe der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit intensivem Training im All sogar Muskelmasse aufbauen können.

Auch die Frage der Ernährung wird bei einer Reise zum Roten Planeten entscheidend sein. Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt verzehrten Astronauten im vergangenen Sommer Gemüse, das in der Schwerelosigkeit gewachsen war. Fast fünf Wochen lang beleuchteten LED-Lampen auf der ISS Salatpflänzchen. «Schmeckt wie Rucola», sagte Kelly, als er einige Blätter probierte.

AP/chk

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