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Mit intelligenten Stromzählern lässt sich sparen

Seit der Strom teurer wird, möchten die Konsumenten plötzlich genau wissen, wie viel sie Tag für Tag verbrauchen. Neue Zähler geben Auskunft.

Auf die Frage, wie viel Strom der eigene Haushalt verbraucht, können viele Konsumenten keine genaue Antwort geben. Der Stromlieferant rechnet nur einmal jährlich ab, wer Strom spart, merkt erst nach langer Zeit, dass die Rechnung geringer ausfällt. Der Zusammenhang zwischen Verbrauch und Kosten ist schwer zu erkennen.

Eine neue Zählertechnik soll das Bewusstsein im Publikum fördern, dass jedes elektrische Gerät im Betrieb (direkt) Kosten verursacht und (indirekt) durch Kohlendioxidemissionen das Klima belastet. Zu diesem Zweck kann der laufende Stromverbrauch einer Wohnung auf einem Display sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig wird der Preis angezeigt sowie die erzeugt CO2-Belastung. Mit Statistiken und Vergleichszahlen gegenüber Durchschnittsverbrauchern kann das Gerät den Konsumenten individuelle Informationen über seinen Stromdurst liefern.

Bereits haben mehrere Länder in der Europäischen Union – entsprechend einer EU-Richtlinie – begonnen, monatliche Stromrechnungen vorzuschreiben. Aussagekräftige Rechnungen in kürzeren Abständen sollen die Konsumenten dafür sensibilisieren, dass sich Stromsparen lohnt. Eine monatliche Zählerablesung ist allerdings teuer, dies ruft nach der Einführung einer automatischen Fernablesung mit digitalen Zählern. Solche Zähler bieten dann auch die Möglichkeit, dem Konsumenten genaue und aktuelle Informationen über seinen Verbrauch, die Kosten und die Klimabelastung zu liefern. In einigen Ländern ist Vorauszahlung möglich (wie beim Handy), das Display zeigt an, wie viel Guthaben noch vorhanden ist.

Es können komplexe Tarifmodelle angewandt und sogar Verhaltenstipps gegeben werden. Beispielsweise könnte man die Konsumenten vor erwarteten (teuren) Spitzenbelastungen des Netzes warnen oder sie umgekehrt darauf hinweisen, dass im Netz gerade viel Strom aus Windkraftwerken vorhanden ist. Geräte, deren Betriebszeit keine Rolle spielt, könnte man dann einschalten, wenn Strom reichlich und billig fliesst und nicht ausgerechnet während der Spitzenzeiten. Das bisherige simple Tag-Nacht-Tarifmodell lässt sich noch stark verfeinern.

Kommunikation mit dem EW

Für die Elektrizitätswerke stehe zunächst die Fernablesung im Vordergrund, sagt Thomas Schaub, Ingenieur bei Landis+Gyr in Zug, einem weltweit tätigen Zählerhersteller. Dafür genügt eine Einwegkommunikation vom Haushalt zum Werk. Sie kann über Funk oder über die Stromleitung erfolgen. Soll der Kunde aktuelle Informationen bekommen – wozu er in einzelnen Ländern das gesetzliche Recht erhalten soll – wird eine aufwändigere Zweiwegkommunikation nötig. Beim Endausbau des Systems könnten Informationen aus dem Elektrizitätswerk sogar in das System der Hausautomation einfliessen. Im intelligenten Haus der Zukunft werden gewisse elektrische Geräte nur dann eingeschaltet, wenn der Strom gemäss Tarifmodell und aktuellen Daten aus dem Elektrizitätswerk gerade billig oder günstig punkto CO2 ist. Damit können Verbrauchsspitzen geglättet und der unregelmässig anfallende Strom von Solar- oder Windkraftwerken optimal genutzt werden.

Die gleiche Technik kann auch eingesetzt werden, um den Verbrauch von Gas, Wasser oder Fernwärme zu messen. Stromkonsumenten, die mit einer eigenen Anlage auch Strom produzieren, können an dem Display sehen, wie gross ihr Selbstversorgungsgrad ist und wann sie auf zusätzliche Lieferungen aus dem Netz angewiesen sind.

Digitale Zähler sind technisch keine Neuheit, innerhalb des Versorgungssystems und bei Grossverbrauchern sind sie längst üblich. In den Haushalten sind aber noch fast ausschliesslich die Zähler im Einsatz, die nach dem sogenannten Ferrarisprinzip funktionieren (eine Scheibe rotiert unter dem Einfluss des Stroms, die Anzahl Umdrehungen kann ausgewertet werden). Ferrariszähler sind billig und langlebig, eignen sich aber nicht für eine Fernablesung und verbrauchen selber ebenfalls Strom.

Der Energieversorger Energie Opfikon AG hat beschlossen, alle 3500 Wohnungen des im Entstehen begriffenen Quartiers Glattpark mit Digitalzählern auszurüsten. 1300 sind bereits installiert. Urs Bindschädler, Abteilungsleiter bei Energie Opfikon, ist zufrieden mit der Technik. Die Rechnungen können jetzt vierteljährlich gemacht werden, ausgelesen werden die Verbrauchszahlen täglich, das erleichtert die Abläufe bei einem Mieterwechsel.

Eine generelle Ablösung der Ferrariszähler ist in der Schweiz bei den Haushalten nicht so schnell zu erwarten. Die anderswo beschlossenen neuen Gesetze gibt es hierzulande nicht, und die alten Zähler funktionieren noch gut. Rein wirtschaftlich lohnt sich eine Umrüstung für die Versorger deshalb kaum. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie erwartet von der neuen Technik Energieeinsparungen von höchstens 5 Prozent – hingegen sei das Potenzial der CO2-Reduktion erheblich, da die Kraftwerke und die erneuerbaren Energiequellen flexibler ausgelastet werden könnten.

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