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Gefahr durch den Gletschersee entschärfen

Der Kanton Bern und Grindelwald wollen die Risiken durch den Gletschersee oberhalb der Gemeinde mit baulichen Eingriffen verringern.

5. März 2007: Der Gletschersee beim Grindelwaldgletscher.
5. März 2007: Der Gletschersee beim Grindelwaldgletscher.
zvg/ethz
5. Juni 2007: Mit technischen Geräten wird die sich rasch verändernde Natur überwacht: Der Gletschersee (rechts unten) ist seit einer Woche leer und der Graben (links) vergrössert sich weiter.
5. Juni 2007: Mit technischen Geräten wird die sich rasch verändernde Natur überwacht: Der Gletschersee (rechts unten) ist seit einer Woche leer und der Graben (links) vergrössert sich weiter.
Bruno Petroni
Wann läuft der See aus? Und folgt an der Eiger-Ostflanke (links oben) bald wieder ein Bergsturz?Kurt Amacher (Rettungschef, rechts) und Albert Wenger (GFO) beurteilten gestern die Situation vor Ort.
Wann läuft der See aus? Und folgt an der Eiger-Ostflanke (links oben) bald wieder ein Bergsturz?Kurt Amacher (Rettungschef, rechts) und Albert Wenger (GFO) beurteilten gestern die Situation vor Ort.
Bruno Petroni
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Obwohl zurzeit keine akute Gefahr droht, haben der Kanton Bern und die Gemeinde Grindelwald beschlossen, die Bevölkerung mit baulichen Massnahmen vor künftigen Ereignissen zu schützen. Dies gaben sie heute bei einer Medienkonferenz in Grindelwald bekannt. Zum Schutz der Bevölkerung sollen zudem detaillierte Alarmierungs- und Notfallkonzepte in Angriff genommen werden.

Drei Verfahren in der Diskussion

Die Ingenieure schlagen drei Möglichkeiten vor, die Gefahr zu bannen. Mit einer Bresche im Fels- und Eisriegel vor dem See könnte ein oberirdischer Abfluss geschaffen werden. Diese Massnahme ist wegen der exponierten Lage der Baustelle und dem auf Grund der Höhenlage kurzen Zeitfenster anspruchsvoll. Zudem könnten erneute Felsstürze den Abfluss wieder zusschütten.

Mit dem Bau eines Stollens, der beim Erreichen eines bestimmten Seestands als Überlauf funktioniert, könnte der See unterirdisch entleert werden. Der Vorteil dieser Variante ist, dass auch im Winter gebaut werden kann. Nachteilig ist der Umstand, dass der Einlauf selbst zugeschüttet werden kann und wegen des ständig absinkenden Seebodens immer wieder angepasst werden muss.

Die dritte Variante schliesslich wäre ein grosser Rückhalteraum im Talboden vor dem Zusammenfluss der Weissen und der Schwarzen Lütschine, der die Energie einer spontanen Entleerung des Sees dämpfen und den Wassermassen die Spitze brechen würde. Die Bauzeit wäre allerdings relativ lang.

Grosser Felssturz als Ursache

Potenziell gefährdet ist nicht nur Grindelwald selbst, sondern das gesamte Lütschinental bis zur Einmündung des Brienzersees. Der Gletschersee wird deshalb ständig überwacht. Vor zwei Jahren hatte er sich nach einem grossen Felssturz auf der Zunge des Unteren Grindelwaldgletschers gebildet. Dies gibt den Behörden Anlass zur Sorge, weil er von Jahr zu Jahr grösser wird und sich in den Sommermonaten spontan entleert.

Baubeginn für Mitte 2009 geplant

Die bernische Regierungspräsidentin Barbara Egger-Jenzer betonte, dass der Kanton das Problem des Gletschersees sehr ernst nehme. In den kommenden Monaten wird die Machbarkeit der verschiedenen Varianten geprüft und die Finanzierung sichergestellt. Der Kanton Bern rechnet mit maximalen Gesamtkosten von 35 Millionen Franken. Je nach Massnahme können die Kosten jedoch auch deutlich tiefer ausfallen.

Egger kündigte an, dass sie dem Grossen Rat für die Januarsession 2009 einen Rahmenkredit für einen Kantonsbeitrag von zwölf Millionen Franken unterbreiten wird. Zudem habe auch der Bund seine Unterstützung zugesichert. Die Bauarbeiten sollen in der zweiten Hälfte 2009 in Angriff genommen werden. Ab 2010, spätestens 2011 sollen die Schutzmassnahmen greifen.

AP/raa

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