Gefährlicher Tunnelblick

Bislang ist es nicht gelungen den Einsatz fossiler Energien zu ersetzten. In Zukunft sind jedoch kreative und neue Ideen gefragt.

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Markus Häring

Die Dekarbonisierung, also der Rückzug aus den fossilen Energien, ist die Jahrhundertaufgabe, die allerdings völlig unterschätzt wird. Kohle, Erdöl und Erdgas haben über ein Jahrhundert lang ein beispielloses Bevölkerungswachstum und einen Wohlstands­zuwachs ermöglicht, wie sie vor hundert Jahren unvorstellbar waren. Wer sich zeitlebens mit Energie befasst hat, dem war schon lange klar, dass sich auch diese Entwicklung – wie jegliches Wachstum – nie linear fortführen wird, sondern man früher oder später durch Innovation neue Wege einschlagen muss. Deshalb beschäftigt man sich auch nicht erst seit gestern mit dem Ersatz der Fossilen durch etwas Nachhaltigeres. Das reicht von der Kernenergie, der Solar- und Windenergie bis zur Geothermie.

Keiner dieser Technologien ist es bisher allerdings gelungen, die Fossilen zu verdrängen. Ein solcher Umstieg ist nicht nur aufgrund politischer Widerstände, sondern schlicht aufgrund physikalischer und ökonomischer Grenzen alles andere als trivial. Mit der Klimadebatte fokussiert sich nun alles auf eine Reduktion der CO2-Emissionen. Diese einseitige Fokussierung treibt seltsame, oft unerwünschte Blüten. Eine davon heisst graue ­Energie – die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines ­Produktes benötigt wird.

Dazu ein Beispiel: Man wird nie auf alle Verbrennungsprozesse verzichten können. Das so anfallende CO2 müsste also entsorgt werden, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt. Eine Methode dazu ist die Sequestrierung, die Verpressung des Gases in den Untergrund. Dort soll es sich langfristig im Erdreich binden. Das ist technisch durchaus realisierbar. Wie weit das ökologisch unbedenklich ist, bleibt ein Punkt für sich. Bedenklich ist, dass dieser Prozess eine Menge an Energie benötigt. Zunächst für die Abscheidung des Gases, zum Beispiel bei einem Stahlwerk, danach für den Transport und schliesslich zur Einpressung in den Untergrund. Da gehen mindestens zwanzig Prozent der ursprünglich nutzbaren Energie verloren. Die Zukunft verlangt jedoch höhere, nicht geringere Energieeffizienz.

Dieses kleine Beispiel, und davon gibt es unzählige mehr, soll nur aufzeigen, dass der Tunnelblick auf die CO2-­Reduktion zu Nebenwirkungen ­führt, die unsere Nachwelt schwerer belasten als manche der postulierten Klimafolgen.

Eine lebenswerte Zukunft zu er­schaffen, gelingt kaum mit erhöhter Produktion grauer Energie, sondern nur mit erhöhter Kreativität unserer grauen Hirnzellen.

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