Fahrerlos unterwegs

In Kalifornien kurven künftig selbst manövrierende Fahrzeuge durch die Strassen. Möglich machts unter anderem Google.

Google ist Vorreiter bei der Steuerung von selbst navigierenden Fahrzeugen: Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown (links) mit Google-Mitbegründer Sergey Brin (rechts) neben einem Auto mit Computersteuerung. (25. September 2012)

Google ist Vorreiter bei der Steuerung von selbst navigierenden Fahrzeugen: Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown (links) mit Google-Mitbegründer Sergey Brin (rechts) neben einem Auto mit Computersteuerung. (25. September 2012)

Der US-Staat Kalifornien macht seinen Strassenverkehr fit für die Zukunft. Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete in der Google-Zentrale in Mountain View ein Gesetz, das den Weg für die Zulassung von Autos ohne Fahrer freimacht.

Dazu stieg er selbst in eines der computergesteuerten Fahrzeuge, um bei Google vorzufahren. Der US-Konzern ist Vorreiter bei dieser Technik und rechnet damit, das die selbst manövrierenden Autos in den kommenden zehn Jahren reif für den Handel sein werden.

Autopilot kann eingesetzt werden

«Heute werden wir Zeuge, wie aus Sciencefiction die Realität von morgen wird – das selbstfahrende Auto», sagte Brown. «Jeder, der in ein Auto steigt und feststellt, dass es von alleine fährt, wird zwar erst etwas nervös sein. Aber er wird darüber hinweggekommen,» prophezeite Brown nach seiner Testfahrt mit dem Auto.

Selbstfahrende Autos sind unter anderem mit Computern und Sensoren ausgestattet, um im Strassenverkehr ihren Weg zu finden. Der Autopilot kann jedoch auch ausgeschaltet werden, sodass ein Mensch wieder die Kontrolle übernimmt.

Das neue Gesetz, für das sich Google eingesetzt hat, sieht vor, bis 2015 Vorschriften für den Einsatz solcher futuristischer Gefährte zu erarbeiten. Vorgesehen ist, dass zunächst ein Passagier mit Führerschein hinter dem Steuer sitzen soll, um im Notfall eingreifen zu können. In den US-Bundesstaaten Nevada und Florida sind die selbstfahrenden Autos für den Strassenverkehr bereits zugelassen worden.

Google plant keine eigenen Autos

Die Entwickler bei Google sind überzeugt, dass die neue Technik den Strassenverkehr sicherer machen, den Schadstoffausstoss reduzieren und beispielsweise blinden, behinderten oder älteren Menschen das Autofahren ermöglichen kann. «Ich denke, selbstfahrende Autos können die Lebensqualität für jeden grundlegend verbessern», sagte der Mitgründer von Google, Sergey Brin.

Schon jetzt sind einige selbstfahrende Autos auf kalifornischen Strassen zu sehen, spätestens in den kommenden zehn Jahren soll der kommerzielle Verkauf starten. Eine computergesteuerte Autoflotte des Internetgiganten legte ohne Fahrer nach Unternehmensangaben 482'780 Kilometer ohne Unfall zurück.

Selbst will Google jedoch keine Fahrzeuge bauen, sondern stattdessen mit der Automobilindustrie zusammen arbeiten. Audi, BMW, Ford und Volvo arbeiten seit Jahren an der Technologie für fahrerlose Autos.

Haftungsfragen noch ungeklärt

Bedenken äusserten Vertreter des US-Verbands der Autohersteller. Kalifornien handle bei dem Thema zu schnell und müsse zunächst Haftungsfragen klären. Das Gesetz befasse sich nicht mit der Situation von Autoproduzenten, deren Fahrzeuge unwissentlich oder ohne Einwilligung mit der neuen Technik ausgerüstet würden, teilte der Verband mit.

Autofahrer in Mountain View begrüssten derweil die Entwicklung. «Wir müssten uns keine Gedanken mehr über Leute machen, die Nachrichten schreiben oder abgelenkt werden», sagte ein 33-jähriger Automechaniker.

Befürworter der Technik argumentieren, die meisten Verkehrsunfälle gingen auf menschliche Fehler zurück. Eine Rentnerin findet die Idee selbstfahrender Autos «fantastisch»: «Warum nicht Fortschritt anstreben, wenn es möglich ist?»

mw/sda

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