Die Grenzen der Windenergie

Kanton Jura

Acht Turbinen auf dem Mont Crosin im Berner Jura versorgen neu 13'000 Haushalte mit Energie. Der Park setzt damit in der Schweiz neue Massstäbe – und zeigt gleichzeitig die Probleme der Windkraft auf.

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Philippe Müller

16 Windräder wandeln auf dem exponierten Mont Crosin im Berner Jura neuerdings Wind in Strom um. Das ist in der Schweiz ein Novum, einen grösseren Windpark gibt es hierzulande nirgends. Bisher bestand die Anlage aus acht Turbinen. Nach neun Jahren Planung inklusive einem Jahr Bauzeit wurden gestern die neuen Turbinen in Betrieb genommen.

Der Windpark, an dem die Bernischen Kraftwerke (BKW) die Mehrheit halten, liefert neu viermal so viel Strom wie bisher und deckt den Jahresstrombedarf von rund 13000 Haushalten. Diese Leistung entspricht jedoch nur einem Bruchteil der Strommenge, die etwa das vergleichsweise kleine AKW Mühleberg liefert.

8000 Tonnen Beton

Rund 52 Millionen Franken hat der Ausbau der Windanlage gekostet, den grössten Teil davon hat die BKW übernommen. Eine weit grössere Hürde als die Höhe der Kosten stellte die Logistik dar: Die acht Turbinen wurden auf dem Seeweg aus dem Ausland über den Rhein nach Basel transportiert. Die Rotorblätter stammen aus Deutschland und die Masten aus Dänemark. Auf den engen Strassen wurden die Turbinen mit Schwertransportern in den Berner Jura gebracht.

Für das Fundament der Windräder mussten 8000 Tonnen Beton verbaut werden, zudem wurde der weltweit grösste Teleskop-Mobilkran auf den Mont Crosin geschafft.

Windkraft: Die Probleme

So eindrücklich die Zahlen sein mögen: Der grösste Windpark der Schweiz zeigt gleichzeitig die Grenzen der Windenergie in der Schweiz auf. Obwohl die Windanlage an exponierter Stelle gebaut wurde, produzieren die Windturbinen nur etwa während der Hälfte des Jahres Strom, und auch dann meistens nicht unter voller Auslastung. Oder anders gesagt: Durchschnittlich jeden zweiten Tag steht die Produktion auf dem Mont Crosin still. Das hängt damit zusammen, dass der Wind mindestens eine Stärke von 12 Stundenkilometern erreichen muss, damit die Turbinen produktiv werden. Damit sie unter Volllast arbeiten, ist eine Mindestwindstärke von 50 Stundenkilometern erforderlich.

Anderer Standort vorgezogen

Ein weiteres Problem: Die idealen Standorte für Windkraftwerke sind in der Schweiz rar. Und bei den meisten von ihnen kommt der Landschaftsschutz ins Spiel, der die Realisierung eines Windparks nicht selten verunmöglicht.

Das lässt sich auch am Beispiel der Anlage auf dem Mont Crosin zeigen: Am liebsten hätten die Planer den Windpark nämlich auf der gegenüberliegenden Chasseralkette aufgestellt. Wegen der höheren Lage hätten die Turbinen dort deutlich mehr Strom produzieren können. Weil der Chasseral in einem Naturschutzgebiet liegt, scheiterte die Idee aber bereits vor Jahren. Nicht zuletzt aufgrund dieser Hürden gelang es der Windenergie bislang nicht, in der Schweiz zu einem tragenden Energiepfeiler zu werden. Zwar sind weitere grosse Windanlagen geplant, etwa jene auf dem Freiburger Schwyberg, dem Gotthardpass oder auf der Grimsel. Das ändert für BKW-Chef Kurt Rohrbach nichts daran, «dass Windparks Atomkraftwerke in der Schweiz nicht werden ersetzen können».

Kein weiterer Ausbau

Bei den 16 Windturbinen und der Jahresproduktion von 40 Gigawattstunden (GWh) auf dem Mont Crosin wird es bleiben: Der grösste Windpark der Schweiz wird nicht mehr weiter ausgebaut. Das wurde gestern an der Medienkonferenz klar: Die vier Standortgemeinden haben in ihren Zonenplänen festgehalten, dass auf dem Berg maximal 16 Windturbinen erlaubt seien.

Berner Zeitung

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