Grosser Empfang für die «Super Connie»

Die letzte mit Passagieren fliegende Super Constellation feierte ihr 10-Jahr-Jubiläum in Basel. Wie lange der Oldtimer noch fliegen kann, ist allerdings unklar.

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Daniel Wahl

Das Starten des wohl sinnlichsten Flugzeugs aller Zeiten, der Lookheed Super Constellation, ist eine Prozedur, wie wenn ein Kellner die weissen Handschuhe überstreift, um eine exquisite Flasche Champagner zu entkorken. Es ist der Moment, wo alle Blicke auf den lächelnden Delphin der Lüfte konzentriert sind. Selbst das Flughafenpersonal, das wegen eines Air­liners den Kopf eben so wenig drehen würde, wie ein Fussgänger wegen eines Velofahrers, unterbricht die Arbeit und greift zum Handy, um ein Bild des viermotorigen Oldtimer zu knipsen. Und die 40 Passagiere, die am Samstag zum 10-Jahr-Jubiläum von Zürich nach Basel fliegen durften, sitzen andächtig in den Stühlen und bestaunen den Qualm, der sich nach den startenden Triebwerken über dem Flugfeld ausbreitet. Bald sollten sie mit 13'000 PS in die Höhe gewuchtet werden und die Vibrationen spüren, die damals in den 50er-Jahren zum Höhepunkt und Luxus der damaligen Flugtechnik gehörten.

Vor zehn Jahren brachte eine Gruppe um den Crossairgründer Moritz Suter das legendäre und vom Aussterben bedrohte Flugzeug von Amerika nach Basel. Die «Super Connie», welche von der Super Constellation Flyers Association (SCFA) betrieben wird, ist das letzte Exemplar seiner Art auf der Welt, das Passagiere befördern darf, und bloss eines von zwei, das überhaupt noch fliegt.

7000 Stunden Freiwilligenarbeit pro Jahr

Nachdem der Vogel am Samstag in Zürich abgehoben hatte, begrüsste Pilot Ernst Frei die Passagiere sichtlich berührt: «Vor zehn Jahren hat uns kaum einer geglaubt, dass wir das Flugzeug so lange finanzieren und auch in der Luft halten können.» In der Tat ist die Geschichte der «Super Connie» von Rückschlägen gezeichnet. Zuerst machten im Jahr 2010 Korrosion in den Flügeln und dem unverkennbaren Leitwerk zu schaffen. Dann mussten auch die 18-Zylinder Sternmotoren ausgetauscht werden. Ohne die Investitionen von jährlich 7000 Stunden Freiwilligenarbeit wäre ein Grounding der «Super Connie» sicher gewesen. Doch die Leidenszeit ist vorbei. Die Motoren orgeln wie nie zuvor.

In der Kabine ohne Klimaanlage wird es heiss. Schweissperlen bilden sich auf der Stirn der Passagiere. Bei einigen nicht bloss wegen der Hitze – der Tiefflug von Zürich nach Basel war unruhig, aber auch unvergesslich. Empfangen und im Überflug über den EuroAirport begleitet wurde die Lady von einer Formation von sieben Aero-L-39 Albatros-Jets des Breitling-Teams. Nach jeder Landung sind Ölstreifen auf den Tragflächen und an den Triebwerken zu sehen. Wie viel Öl denn neben den 2000 Litern Kerosin auf einem einstündigen Rundflug verbraucht würden? «Oh, not a lot», antwortet Jerry Steele aus Arizona, einer der wenigen für die «Super Connie» lizenzierten «Flight Engineers». Es sind 36 Liter. Vor der Revision habe ein einziges der vier Triebwerke so viel verbraucht. Ob die «Super Connie» weitere zehn Jahre lang in der Luft behalten werden kann, kann SCFA-Präsident Markus Weishaupt nicht sagen: «Wir fliegen so lange wie wir noch Ersatzteile erhalten.» Steigt eines der hochbeinigen Fahrwerke aus, könnte es wieder prekär werden. Von ihnen gibt es bereits keinen Ersatz mehr auf dem Markt.

Basler Zeitung

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