Wieso Homöopathie nicht funktioniert

Das Wasser soll sich an die Stoffe «erinnern» können und deren Wirkung weitergeben, behaupten Verfechter der Homöopathie. Das Ganze hat jedoch einen Haken.

Bei homöopathischen Heilmitteln sollen gewisse Stoffe selbst bei grösster Verdünnung, wenn kein Molekül mehr nachgewiesen werden kann, einen «Abdruck» im Wasser hinterlassen.

Bei homöopathischen Heilmitteln sollen gewisse Stoffe selbst bei grösster Verdünnung, wenn kein Molekül mehr nachgewiesen werden kann, einen «Abdruck» im Wasser hinterlassen.

(Bild: Keystone)

Andreas Schwander

Fast alles auf dieser Welt hat ein Gedächtnis. Die Haut vergisst ­angeblich keinen Sonnenbrand. ­Gebäude haben ein Gedächtnis, man muss es nur suchen. In Berlin findet man noch immer die Maschinen­gewehrgarben des Krieges, in St. Petersburg Granatsplitter in den Wänden und die Spuren von auf­geklebten Stoffbändern auf alten Fenstern. Damit wollte man ­verhindern, dass sie bei Explosionen in der Nähe bersten.

Auch Steine haben ein Gedächtnis, sei es mit Sedimenten oder eingeschlossenen Fossilien. Das Gedächtnis von Holz umfasst oft Hunderte von Jahren, zeigt Wetter und Klimaschwankungen, Handels- und Transportwege und unterschiedliche Bearbeitungstechniken.

Und wer einmal auf einer Aus­grabungsstätte einen Rundgang mit einem Archäologen oder einer ­Archäologin gemacht hat, wird mit Begeisterung realisieren, dass auch Lehm und Erde ein Gedächtnis haben, und was für eines. Was für die einen nur «Dreck» ist, erzählt den andern die spannendsten Geschichten.

Da wäre es doch nur zu schön, wenn auch das für die Menschheit wichtigste Element, das Wasser, ein Gedächtnis hätte. Und genau das wird seit Jahren behauptet. Das Konzept ist die Basis von homöopathischen Heilmitteln, wonach gewisse Stoffe selbst bei grösster Verdünnung, wenn kein Molekül mehr nachgewiesen werden kann, einen «Abdruck» im Wasser hinterlassen.

Rein rechnerisch wurde jeder Tropfen Wasser auf der Erde schon rund 30-mal von einem Lebewesen getrunken.

Das Wasser soll sich somit an die Stoffe «erinnern» können und deren Wirkung weitergeben. Das Ganze hat einen Haken. Die Experimente lassen sich nicht reproduzieren, die Theorie gilt als wissenschaftlich nicht haltbar.

Rein rechnerisch wurde jeder Tropfen Wasser auf der Erde schon rund 30-mal von einem Lebewesen getrunken. Die mit Abstand wichtigste Erinnerung des Wassers wäre demnach jene an Verdauung, Gedärm und allenfalls an Toiletten, Kanalisationen und an die ganze nachgelagerte, relativ unappetitliche Verwertungskette.

Wenn die Theorie vom sich erinnernden Wasser stimmen würden, gäbe es schon längst kein «sauberes» Wasser mehr auf der Welt. Nach homöopathischer Definition wäre es aufgrund so vieler Erinnerungen an Gift, Viren und Bakterien so schädlich, dass es alles Leben ausgelöscht hätte.

Deshalb bin ich froh, dass Wasser, nach heutigem Stand der Wissenschaft, extrem vergesslich ist.

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