Weshalb die Eisschmelze New York besonders stark trifft

Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel nicht überall gleich stark steigen. Niederländische Forscher legen zum ersten Mal eine regionale Berechnung vor und erklären, für welche Gebiete die Gefahr am grössten ist.

Um bis zu 48 Zentimeter wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 steigen. Dies prognostizierte der Bericht des Weltklimarats vor drei Jahren. Allerdings handelte es sich dabei lediglich um einen weltweiten Durchschnittswert. Niederländische Forscher haben nun berechnet, was der Anstieg für die einzelnen Regionen bedeuten könnte.

Das Modell des Teams um den Physiker Roderik van de Wal, das auf den Daten des Weltklimarats beruht, hebt dabei vor allem eine der 13 besonders gefährdeten Regionen hervor: die Umgebung von New York. Um bis zu 65 Zentimeter könnte das Wasser in der Stadt steigen – auf der Landkarte wäre New York kaum mehr wiederzuerkennen.

Meeresspiegel steigt nicht überall gleich an

In den übrigen zwölf gefährdeten Regionen steigt das Wasser zwar auch an – doch lange nicht so drastisch wie in New York. Dass der Meeresspiegel nicht überall gleich steigen wird, tönt im ersten Moment unverständlich. Doch dies hat gemäss Forscher van de Wal mit der Erdanziehungskraft zu tun. Ausschlaggebend ist demnach, wie weit ein Ort von den Polen entfernt liegt.

Intuitiv töne es falsch, sagt der Physiker gegenüber «Welt online». Der Meeresspiegel steige dort, wo grosse Eismassen schmelzen würden, kaum an. Im Umkreis von 2000 Kilometern bleibe der Wasserstand fast gleich. Grund dafür ist die Gravitation, welche die grossen Eismassen auf das Meerwasser ausüben. Wenn es an den Polen weniger Eis gibt, lässt diese Anziehungskraft nach.

Antarktis-Schmelze würde New York stärker treffen

Von diesem Umstand «profitiert» etwa die isländische Hauptstadt Reykjavik, die relativ nah an der Arktis liegt. Laut dem Modell der niederländischen Forscher steigt dort das Wasser bis 2100 «nur» um 25 Zentimeter. Da New York 3000 Kilometer von der Arktis und 10'000 Kilometer von der Antarktis entfernt ist, trägt die Stadt die Hauptlast der Eisschmelze. Vor allem, wenn in der Antarktis – also dem weiter entfernten Pol – das Eis schnell schmilzt, bekommt dies die amerikanische Grossstadt zu spüren. Wenn dagegen das Grönlandeis schneller schmelze, sei dies für die New Yorker besser, sagt van de Wal gegenüber BBC.

Dass die Region um New York von einem stärkeren Anstieg betroffen sein wird, ist für die übrigen Risikogebiete jedoch nur ein schwacher Trost. Bei den Malediven etwa steigt das Wasser um 52 Zentimeter. Stimmen diese Prognosen, wäre die Inselgruppe fast ausnahmslos überflutet. Die höchste Erhebung ist lediglich 2,4 Meter über Meer.

miw

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