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Physiknobelpreis geht nach Frankreich und in die USA

Der diesjährige Nobelpreis für Physik wird an Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA verliehen. Das Cern mit Sitz in Genf geht leer aus.

Der EU wird die Ehre des Friedensnobelpreises zuteil: Flagge der Europäischen Union. (Archivbild)
Der EU wird die Ehre des Friedensnobelpreises zuteil: Flagge der Europäischen Union. (Archivbild)
Reuters
Hoher Physiker-Ehren: Serge Haroche aus Frankeich und David Wineland aus den USA gewinnen am Dienstag den Nobelpreis.
Hoher Physiker-Ehren: Serge Haroche aus Frankeich und David Wineland aus den USA gewinnen am Dienstag den Nobelpreis.
Keystone
Eine Statue des schwedischen Erfinders Alfred Nobel in Stockholm. (8. Oktober 2012)
Eine Statue des schwedischen Erfinders Alfred Nobel in Stockholm. (8. Oktober 2012)
AFP
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Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an Serge Haroche (Frankreich) und David Wineland (USA) für die Entdeckung neuer Methoden in der Quantenoptik, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Licht und Materie befasst. Die Preisträger hätten «die Tür zu einer neuen Ära der Quantenphysik-Experimente geöffnet», teilte das Nobelkomitee mit.

Ihre «bahnbrechenden experimentellen Methoden» seien der erste Schritt für die Entwicklung einer neuen Generation auf Quantenphysik basierender, extrem schneller Computer, erklärte das Komitee. Der Quanten-Computer werde den Alltag im Laufe des Jahrhunderts möglicherweise gleichermassen revolutionieren wie es der klassische Computer im vergangenen Jahrhundert getan habe. Ihre Forschungsergebnisse hätten überdies zum Bau hochpräziser Uhren beigetragen.

Haroche und Wineland, beide 68 Jahre alt, hätten unabhängig voneinander Methoden entwickelt, die das Messen und die Beeinflussung individueller Quantensysteme ermöglichten, ohne einzelne Partikel zu zerstören, hiess es in der Begründung. Früher waren Wissenschaftler demnach davon ausgegangen, dass diese Systeme nicht beobachtet werden können.

Haroche entwickelte einen Zugang, bei dem er Photonen, also Lichtpartikel, in kleinen Hohlräumen misst und kontrolliert. Wineland näherte sich dem Thema sozusagen von der anderen Seite, indem er Ionen, elektrisch positiv oder negativ geladene Atome, mithilfe von Photonen misst und kontrolliert.

«Zum Glück war eine Bank da»

Haroche wurde bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon live zugeschaltet. Er sei gerade mit seiner Frau spazieren gegangen, als er den Anruf des Nobelkomitees erhalten habe, schilderte er. Da habe er habe sich erst einmal setzen müssen. «Zum Glück war eine Bank da.»

Haroche sieht in der Quantenphysik einen wichtigen Bestandteil des Alltags. «Man nutzt die Quantenphysik jeden Tag im Alltag, ohne es zu wissen», sagte er dem Radiosender France Info. So funktionierten beispielsweise das Handy und seine Bestandteile nach den Gesetzen der Quantenphysik. Er lehrt in Paris an der renommierten Ecole Normale Supérieure. Wineland arbeitet am National Institute of Standards and Technology in Boulder im US-Staat Colorado.

Mit 1,1 Millionen Franken dotiert

Im vergangenen Jahr hatten sich Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA und Australien) und Adam G. Riess (USA) die Auszeichnung geteilt. Sie hatten entdeckt, dass sich das All derzeit mit steigender Geschwindigkeit ausbreitet.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäss am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet derzeit 1,1 Millionen Franken (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Damit vergibt die Stiftung 20 Prozent weniger Geld als 2011. Ihr Kapitalvermögen war im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise geschrumpft.

Die letzten Gewinner

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der «X-Strahlen», der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

2011: Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) für die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.

2010: Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

2009: Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip.

2008: Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.

2007: Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des «Riesenmagnetowiderstands», durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen liess.

2006: John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für die Entdeckung der Saat der Galaxien in der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem «Echo des Urknalls».

2005: Roy J. Glauber (USA) für Grundlagen der Quantenoptik sowie John L. Hall (USA) und Theodor W. Hänsch (Deutschland) für die Entwicklung einer laserbasierten Präzisionsmesstechnik für Lichtfrequenzen.

2004:David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek (alle USA) für Erkenntnisse zur Kraft zwischen den kleinsten Materieteilchen im Atomkern, den Quarks.

2003: Alexej Abrikosow (USA und Russland), Vitali Ginsburg (Russland) Anthony Leggett (USA und Grossbritannien) für bahnbrechende Arbeiten zu Supraleitern und Supraflüssigkeiten.

2002: Raymond Davis (USA), Masatoshi Koshiba (Japan) und Riccardo Giacconi (USA) für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlen und Neutrinos.

Der letzte Schweizer, der einen Physik-Nobelpreis gewann, war der Basler Karl Alexander Müller. Er wurde 1987 gemeinsam mit dem Deutschen Johannes Georg Bednorz für die Entdeckung der Supraleitung in keramischen Materialien ausgezeichnet. Schon im Jahr davor wurde mit Heinrich Rohrer ein Schweizer prämiert.

dapd/sda/mrs

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