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Nun jagt er mit der Nasa nach Marsmännchen

Der Geo-Mikrobiologe Tomaso Bontognali forscht nach dem Leben auf dem Mars. Er ist überzeugt, dass es dort Spuren von lebenden Organismen gibt.

Das Leben ausserhalb unseres Planeten hat die menschliche Fantasie seit jeher angeregt und beschäftigt. Von E.T. bis zu den grünen Marsmännchen bevölkern die unterschiedlichsten ausserirdischen Wesen unzählige Filme, Bücher und Comics. Neben dieser reinen Fiktion gibt es halb- und pseudowissenschaftliche Beweisführungen für die Existenz der Extraterrestrischen. Und dann gibt es noch die «richtige» Wissenschaft, die sich mit dem Thema befasst.

Zum Beispiel Tomaso Bontognali. Der Tessiner Geo-Mikrobiologe ist überzeugt, dass an vielen Stellen im Universum Spuren von lebenden Organismen zu finden sind. Vor allem ist er sicher, dass auf dem Mars Leben existiert oder früher existiert hat. Auch wenn der abschliessende Beweis noch fehle – die Indizien seien ziemlich eindeutig, findet Bontognali. Er zählt Gase wie Methan auf, die ohne das Einwirken von Organismen kaum erklärbar seien. Oder das Wasser, dessen Existenz die Marssonde Phoenix kürzlich belegt habe.

Auf der Spur der Bakterien

Doch diese Indizien können einem ehrgeizigen Wissenschafter natürlich nicht genügen. Daher will Bontognali den definitiven Beweis antreten, dass der Rote Planet lebt. Seine Beweisführung ist eine indirekte. Er sucht versteinerte Substanzen, die Bakterien in ihrem Umfeld hinterlassen haben. Es handle sich dabei um ganz spezielle, mikroskopisch kleine Strukturen, die sehr lange erhalten blieben, erklärt der Forscher: «Tote Zellen verschwinden rasch, aber Fossilien bleiben fast ewig», ergänzt er. «Finden wir sie im Marsgestein, können wir belegen, dass es dort Bakterienkolonien gegeben hat.»

Der 29-jährige Bontognali ist im Luganese aufgewachsen, wo er die Schulen bis zur Matur besuchte. An der Universität Neuenburg studierte er anschliessend Geologie. Die vergangenen vier Jahre verbrachte er in Zürich; vor kurzem hat er an der ETH sein Doktorat in Geobiologie abgeschlossen. Im Rahmen dieser Arbeit untersuchte er in den Arabischen Emiraten Wüstengesteine, die mit dem Marsgestein vergleichbar seien.

Nun geht er einen Schritt weiter. Für ein sogenanntes Post-Doc-Studium besucht er ein Jahr lang das California Institute of Technology (CalTech) in Pasadena. An dieser renommierten Universität sind unter anderen die Techniker tätig, welche die Marssonde Phoenix betreuen. Für Bontognali heisst das, dass er Seite an Seite mit Spezialisten der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa arbeiten kann. «Das ist eine super Erfahrung», schwärmt er. «Ich werde sicher wertvolle Kontakte knüpfen können.» Bezahlt wird sein Forschungsaufenthalt je zur Hälfte vom Nationalfonds und vom CalTech.

Mitarbeit am Projekt ExoMars

Direkt mit Marsgestein wird er dabei nicht forschen können. Vielmehr arbeitet Bontognali an der Vorbereitung einer künftigen Marsmission, die das Gesteinsmaterial für den Bakteriennachweis beschaffen soll. Dieses Projekt der Europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) namens ExoMars soll 2011 starten. Eine der Herausforderungen ist laut Bontognali, dass die Sonde zwei Meter tiefe Bohrungen durchführen muss. Erst ab dort stosse man auf das gesuchte Material.

Heute verabschiedet sich der Forscher von seiner Familie im Tessin, und morgen fliegt er nach Pasadena. «Ich wette eine gute Flasche Champagner, dass wir bis 2020 Spuren vom Leben auf dem Mars gefunden haben werden», sagte Bontognali der Tessiner Zeitung «La Regione». Nicht zuletzt von seiner eigenen Arbeit hängt es ab, ob er diese Wette gewinnt oder verliert.

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