Klimakatastrophe 4.0

Es ist viel toller, wieder einmal zu warnen, dass der klimatische Weltuntergang nur noch zehn Jahre entfernt sei.

Unsere Staatsmedien haben den Aufruf völlig kritiklos übernommen und sogar noch einen oben draufgegeben.

Unsere Staatsmedien haben den Aufruf völlig kritiklos übernommen und sogar noch einen oben draufgegeben.

(Bild: Keystone)

Markus Häring

Am Montag hat der Weltklimarat IPCC wieder einmal zugeschlagen. Weil das Thema langsam an Aktualität zu verlieren drohte, und weil die Umsetzung der verlangten Energiewende langsamer erfolgt als gefordert. Man hat dazu zu einem probaten Druckmittel in der Politik gegriffen: Man verschiebt mitten im Spiel die Torpfosten, im vorliegenden Fall wird die Zielvorgabe für eine akzeptable Erwärmung von 2 auf 1,5 Grad verschoben.

Das Ziel ist offensichtlich. Am kommenden UN-Klimagipfel in Katowice im Dezember müssen endlich verbindliche Geldzusagen zur Umverteilung erzwungen werden. Mit dem Etikett «Wissenschaft» sichert sich der IPCC eine päpstliche Unfehlbarkeit. Unsere Staatsmedien haben den Aufruf völlig kritiklos übernommen und sogar noch einen oben draufgegeben. Katastrophen, und seien sie auch nur aus Computermodellen, verkaufen sich immer gut.

So folgt SRF 1 in seinen Mittagsnachrichten vom Montag dem Credo der kaum noch vermeidbaren Klimakatastrophe und kommentiert völlig unkritisch, dass die Schweiz das Klima jetzt endlich mit Verzicht und Askese besänftigen müsse, immerhin sei die Erwärmung bei uns doppelt so hoch wie auf dem Rest der Welt. Natürlich ohne zu erwähnen, dass CO2 keine Grenzen kennt und dass dazu eigentlich auch noch die gleichen Anstrengungen der übrigen 99,9 Prozent der Weltbevölkerung erforderlich wären. 10 vor 10 doppelte erwartungsgemäss nach und zeigt uns das Leben eines zufriedenen Single-Manns, der seit vierzehn Jahren nicht mehr fliegt, nur noch Brockenstubenkleider kauft und selbstverständlich vegan isst. Das ist Journalismus übler als aus George Orwells Wahrheitsministerium.

Dass auf unserem blauen Planeten 95 Prozent des lebenswichtigen und unverzichtbaren CO2-Kreislaufs natürlicher Art ist und in den gesamten IPCC-Berichten immer nur von den 5 Prozent anthropogenen CO2 die Rede ist, wird systematisch unterschlagen. Im neusten IPCC-Bericht wird sogar die gesamte Erwärmung seit 1950 als menschgemacht bezeichnet. Der natürliche Anteil wird gleichfalls unterschlagen. Das sind manipulative Auslassungen. Solche Weglassungen implizieren zwangsläufig, dass sich der Erwärmungstrend alleine durch die Reduktion menschlicher Emissionen steuern liesse.

Auch pauschale Aussagen, dass bei einem Anstieg von zwei Grad alle Korallen absterben würden, sind unsinnig. Das mag die heutigen Riffe betreffen, aber wie sich bei einer Klimaerwärmung Vegetationsgürtel in klimatisch günstigere Zonen verschieben, werden Korallen dasselbe tun. Das ist keinesfalls verharmlosend gemeint, es zeigt aber die tendenziöse Berichterstattung. Das ist einer wissenschaftlichen Publikation unwürdig, aber gut fürs Fernsehen.

Die gleichen Staatsmedien waren hingegen nicht fähig, die Verdienste des jüngsten Nobelpreisträgers Nordhaus zu würdigen. Da wurde nur etwas im Zusammenhang mit Klimawandel erwähnt. Tatsächlich lieferte er marktorientierte Instrumente zur Klimapolitik.

Modelle, wie mit einer CO2-Besteuerung eine geordnete Reduktion fossiler Brennstoffe herbeigeführt werden kann. Aber das ist viel weniger spektakulär und halt auch ein bisschen kompliziert. Es ist viel toller, wieder einmal zu warnen, dass der klimatische Weltuntergang nur noch zehn Jahre entfernt sei – wie übrigens bereits vor dreissig, zwanzig und zehn Jahren schon. Nur werden die Forderungen stets unrealistischer.

Der neuste IPCC-Bericht wird mit Sicherheit noch viel zu reden geben, auf jeden Fall ist er eine Steilvorlage für alle linken und grünen Scharfmacher.

Markus Häring ist Geologe, Vize-Präsident des Carnot-Cournot-Netzwerks, Think-Tank für Politberatung in Technik und Wirtschaft, Autor von «Sündenbock CO2».

Basler Zeitung

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