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Im Reich der Alligatoren

In Floridas Fort Lauderdale bewegen sich Touristen auch in der Umgebung vorzugsweise auf dem Wasser – und schliessen Bekanntschaft mit gefährlichen Bewohnern.

Mit dem Airboat durch den Sawgrass Recreation Park. Doch es gibt auch leisere Varianten, die Everglades zu erkunden – etwa mit dem Kanu. Foto: Jeffrey Isaac Greenberg (Alamy)
Mit dem Airboat durch den Sawgrass Recreation Park. Doch es gibt auch leisere Varianten, die Everglades zu erkunden – etwa mit dem Kanu. Foto: Jeffrey Isaac Greenberg (Alamy)

Der Propellermotor des Airboats röhrt in ohrenbetäubender Lautstärke. Früher Morgen im Sawgrass Recreation Park in Weston, 40 Kilometer westlich von Fort Lauderdale. Zu dieser Zeit sei die Chance am grössten, Tiere zu ­Gesicht zu kriegen, sagt Tim Schwartzman. Seit 16 Jahren fährt der 36-Jährige mit seinem Boot durch die Everglades, das tropische Sumpfgebiet im Süden Floridas, das jährlich über eine halbe Million Touristen anzieht.

Am Steuer, leicht erhöht über den blauen Sitzen, wirkt Tim wie ein König, der stolz seine Ländereien präsentiert. Hier nennen ihn alle nur «Gator Tim». Weil er viel weiss – nicht nur über Alligatoren und Krokodile, sondern auch über die zahlreichen Pflanzen, Vögel und Säugetiere, die sich in diesem Gebiet tummeln.

Der Everglades-Nationalpark erstreckt sich über mehr als 5500 Quadratkilometer. Hier leben über 40 Säugetierarten, über 50 verschiedene Reptilien- und über 300 Fisch- und Vogelarten. Wahrscheinlich könnte Tim sie alle einzeln aufzählen. Denn er ist nicht nur Touristenführer, sondern kümmert sich auch um die Tiere und Pflanzen, reagiert beispielsweise, wenn eine invasive Pflanze das Gleichgewicht des ­Lebensraums gefährdet. Mindestens 60 Tierarten, die in den Everglades heimisch sind, seien vom Aussterben bedroht, erzählt Schwartzman, ehe er das Boot sachte auf eine offene Fläche navigiert und den Propellermotor abstellt. Er will eine dieser bedrohten Tierarten zeigen. Das Boot gleitet leise durchs Wasser.

Der Angriff der Echse

Ums Gefährt surren Mücken und eine Libelle; drei Alligatoren schwimmen ins Blickfeld. «Es besteht kein Grund zur Sorge», versichert Tim. «Alligatoren sind sehr faule Jäger. Wenn es sein muss, können sie ein ganzes Jahr ohne Essen auskommen, und Menschen greifen sie nicht an.»

Der Alligator ist eine der 60 bedrohten Tierarten, die in den Everglades heimisch sind. Foto: iStock
Der Alligator ist eine der 60 bedrohten Tierarten, die in den Everglades heimisch sind. Foto: iStock

Was der Guide gerade verschweigt: Er wurde schon einmal von einem Alligator angegriffen, in knietiefem Wasser, auf einer seiner routinemässigen Touren durchs Sumpfgebiet. Als sein Knie vom Kiefer des Alligators getroffen worden sei, erzählt er später, habe es sich angefühlt, als habe jemand wuchtig mit einem Baseballschläger dagegen geschlagen. Solche Erlebnisse erinnern Tim daran, dass sein Arbeitsplatz in der freien Natur ist, dass er stets auf der Hut sein muss. Tims Faszination für die Everglades tun solche Begegnungen mit Alligatoren indes keinen Abbruch. Im Gegenteil: «Ich fühle mich von grossen, potenziell gefährlichen Tieren mehr angezogen.»

Im Mangroven-Tunnel

Das Gebiet um Greater Fort Lauderdale bietet jedoch auch weniger lautstarke Varianten zur ­Erkundung der einzigartigen ­Natur. Das Anne Kolb Nature Center in Hollywood erstreckt sich über 4000 Quadratmeter. Zahlreiche Wasserwege schlängeln sich hier durch die Mangrovenwälder. Mangroven sind typisch für Südflorida. Sie schützen nicht nur die Küste vor Stürmen und Fluten, sondern helfen auch dabei, die Wasserqualität zu bewahren. Sie filtern Schadstoffe und stellen sicher, dass eine Vielzahl Tiere und Pflanzen im perfekten Biotop gedeiht.

Das beste Verkehrsmittel für die Entdeckungstour auf der fünf Kilometer langen Strecke ist das Kanu. Es bewältigt auch ­Engpässe mühelos. Die Passagen, wo die Mangroven von beiden Seiten zusammengewachsen sind und einen feuchten Tunnel bilden, gaukeln den ­Passagieren in den Booten vor, in die tiefste Wildnis vorzudringen. Und manchmal denkt man, wie angenehm es wäre, im Fahrtwind eines laut röhrenden Airboats durch den Dschungel zu reisen.

Fort Lauderdale gilt als Venedig Amerika. Dies wegen unzähliger Kanäle, nicht wegen der Touristenmassen. Die Wasserstrassen erstrecken sich über 265 Kilometer. Das Boot ist also nicht nur ein valables Fortbewegungsmittel zur Erkundung der Natur in der Umgebung, ­sondern dient in der Stadt dem Alltagsverkehr.

Wassertaxis verbinden Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants und Geschäfte in Fort Lauderdale. Foto: iStock
Wassertaxis verbinden Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants und Geschäfte in Fort Lauderdale. Foto: iStock

Wer kein eigenes besitzt, greift auf das Water-Taxi zurück, das ­jeden Tag zwölf Stunden zwischen dem Hollywood-Boule­vard im Süden, dem Oakland-Park-Boulevard im Norden und dem Las-Olas-Boulevard pendelt. Mit der Romantik Venedigs hat diese Fahrt zwar nicht viel gemein, faszinierend ist die Reise zwischen den Hochhäusern des Stadtzentrums aber alle­mal. Und ein kleiner Triumph für die Wasserpassagiere, wenn für ein Boot eine Brücke hoch­gezogen wird und der ganze Strassenverkehr stillsteht.

Die Reise nach Florida wurde unterstützt vom Greater Fort Lauderdale Convention & Visitors Bureau.

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