Der Schweizer Bienen-Retter

In Australien züchtet ein Schweizer Forscher gesunde Königinnen für die Bienenvölker von morgen heran. Seine Forschung ist Hoffnungsschimmer im Kampf gegen das Bienensterben – und Wettlauf gegen die Zeit.

«In Australien findet man Bienen, die in der Schweiz längst verschwunden sind»: Boris Baer.

«In Australien findet man Bienen, die in der Schweiz längst verschwunden sind»: Boris Baer.

(Bild: Keystone)

Im Osten Australien ist die Milbe namens Varroa noch nicht angekommen. Die grosse geographische Distanz, aber auch die rigorosen Quarantänevorschriften für jeglichen Import von Tieren und Pflanzen konnten den Bienen-Parasiten bis jetzt vom Kontinent fernhalten.

Dank dieser Tatsache sind die australischen Königinnen, die nach Europa und in alle Welt exportiert werden, schon heute Garantinnen für die Verjüngung von Bienenvölkern weltweit. Doch Australien geht noch weiter und treibt auch die Erforschung der Honigbiene voran.

Befruchtung im Reagenzglas

In Perth leitet Boris Baer, ein Biologe aus Zürich, seit drei Jahren das Zentrum für integrative Bienenforschung (CIBER). Mit seinem Team von 34 Wissenschaftlern erkundet er insbesondere die Fortpflanzungsbiologie der Bienen.

In Zusammenarbeit mit lokalen Imkern studiert er die Fruchtbarkeit der Drohnen und sucht nach Wegen, um die Abwehrkräfte der Bienen zu verbessern. «Australien besitzt eine enorme genetische Vielfalt an Bienen», erklärt Baer. «Man findet dort Bienen im Wildzustand, die in der Schweiz längst verschwunden sind.»

«Erstaunlicherweise können diese Wildbienen in Australien Widerstandskräfte gegen Parasiten-Angriffe besitzen», sagt er. «Unsere Arbeit ist es, jene Gene aufzuspüren, die Schutz-Proteine herstellen. Und dann wollen wir verstehen, wie die Bienen ohne die Hilfe des Menschen überleben konnten.» Es sei eine Suche direkt im ursprünglichen genetischen Erbe der Bienen.

Anschliessend führen die Wissenschaftler künstliche Befruchtungen bei Königinnen durch. Ziel sei es, Bienen mit starken Abwehrkräften und ohne Krankheiten zu erhalten, erklärt Baer. «Denn wir glauben, dass gewisse Krankheiten sexuell übertragen werden.»

Kooperation mit der Schweiz

Sein Forschungsinstitut tauscht seine Ergebnisse im weltweiten Wissenschaftlernetzwerk aus. Zu diesem gehört auch Paul Schmid- Hempel von der ETH Zürich, der das Verhalten von Bienen erforscht.

Sein Aufenthaltsort auf der Südhalbkugel bringt Boris Baer gewichtige Vorteile. Er kann seine Arbeit dank des günstigen Klimas das ganze Jahr hindurch weiterführen: «Die Forschung ist dadurch beschleunigt, zudem verfügen wir über fortschrittliche technische Mittel», sagt er. «Aber natürlich kämen wir nicht so rasch vorwärts ohne die wertvollen Erkenntnisse und die langjährige Erfahrung der Europäer.»

Wettlauf gegen die Zeit

Geschwindigkeit ist heute ein entscheidendes Kriterium. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Varroa-Milbe - der wichtigste Feind der Bienen - Australien erreicht.

Aus Indonesien einlaufende Frachtcontainer und private Segelboote könnten infizierte Bienen einschleppen. Die Kontrollen des Quarantäneservices an den Häfen haben bisher 45 Bienenschwärme sichergestellt, von denen einer Varroa-Milben mitbrachte.

«Der Kleine Bienenstockkäfer, ein weiterer Parasit, kam im Jahr 2000 hier an - während der Olympischen Spiele», sagt Baer. «Ausserdem hat die Asiatische Honigbiene unlängst unseren Kontinent erreicht, und sie ist der Hauptträger der Varroa-Milben.»

kpn/Laurence Arthur, sda

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