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Der Planet brennt

Alarmismus, Massenpanik, Notstand. Wohin führt uns die Entwicklung? Eine Dystopie.

In Australien kommt es immer wieder zu verheerenden Buschbränden. Hier eine Archivaufnahme von 2002. Foto: Jason Reed/Reuters
In Australien kommt es immer wieder zu verheerenden Buschbränden. Hier eine Archivaufnahme von 2002. Foto: Jason Reed/Reuters

Das Jahr 2050, und ich frage mich, wann uns alles aus den Händen geglitten ist? War es, als diese junge schwedische Frau die Weltelite beschuldigte, ihre Kindheit gestohlen zu haben? Ich weiss es nicht, aber es ist alles ausser Kontrolle geraten. Der Klimawandel, er hat die Menschheit dahin­gerafft. Wissenschaftler haben uns gesagt, dass sich die Erde in den kommenden Jahren um ein paar Grad Celsius erwärmen werde. Es brauche ­Massnahmen.

Schulkinder gerieten in Panik, gingen demonstrieren, streiken, besetzten Bankfilialen. Angeführt von dieser jungen Schwedin. Immer wenn sie sprach, dann herrschte Weltuntergangs-Ekstase unter ihren Anhängern. «Der Planet brennt», sagten sie uns.

Wir haben die Warnung gehört, wir haben sie geglaubt, wir haben sie weiterverbreitet. Denn sie hatten recht. In Australien brannte 2020 der Busch. Schuld war der Klimawandel. ­In Europa wütete ein Sturm. Schuld war der Klimawandel. Niemand konnte ihn sehen, man konnte ihn weder fühlen noch riechen, doch wir wussten alle, dass er da war. Denn: «Der Planet brennt!»

Unter die Kinder mischen sich die Autoritären, und die Revoluzzer kommen hervor.

Unter die Kinder mischen sich die Autoritären, und die Revoluzzer kommen hervor. Sekundiert werden sie von Presse und Politik. Was kommen werde, war schon lange bekannt. Denn die Menschen wurden immer ungeduldiger: «Falls wir dieses Zeitfenster nicht nutzen, müssen wir unsere Demokratie gegen unser Leben auf dem Planeten abwägen», sagten sie. Dann war es so weit. Der ­Umbruch folgte.

Die Rückblende: Zuerst wird der Notstand ausgerufen. Am Anfang versucht man es noch mit demokratischen Mitteln. Es werden Kommissionen gebildet, die dann den Individualverkehr angreifen und schliesslich die Schlacht gewinnen. Die Mobilität ist eingeschränkt, denn es waren keine Alterna­tiven da. Die Gas- und Kohlekraftwerke werden abgeschaltet. Danach die Kernkraftwerke. Den grossen Konzernen werden Klimasteuern auferlegt, die Produktion von allen Produkten, die CO2-Emissionen verursachen, wird verboten. Die Wirtschaft kollabiert. Der Energiehaushalt auch.

Zwar gab es Politiker, die zu Ruhe und Bedacht aufriefen und den Lauf der Dinge verlangsamten. Aber eben nur dies. «Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind», sagte schon Churchill. Aber es waren die einst weisen Worte eines alten weissen Mannes, die nur noch wenig zählten.

Der Alarmismus hat alles Rationale ersetzt. Der Wohlstand geht dahin.

Die Produktionsmittel werden verstaatlicht, der Bürger entmündigt, alles ist erlaubt, denn: «Der Planet brennt!» Die ­Klimajugend wird zum neuen Proletariat. Die Autokratie ersetzt die Demokratie, und die Menschen machen mit. Der Alarmismus hat alles Rationale ersetzt. Der Wohlstand geht dahin.

Produziert werden darf nur noch CO2-emissionslos. Aber woher die Ressourcen nehmen? Und woher die Kraft, und woher den Strom? Kernkraft oder fossile Energieproduzenten gibt es nimmer. Geschichte wiederholt sich. Der Staat, um von seinen Unzulänglichkeiten und seiner Unfähigkeit abzulenken, beschwört Geschichten von angeblichen Aufwieglern, Demokraten. Die Masse macht mit und die «Verräter» müssen «verschwinden». Traurig, gar brutal, ja, aber notwendig, man hat keine Zeit für Verhinderer einer «klimaneutralen» Gesellschaft. Alles ist erlaubt, denn: «Der Planet brennt!»

Es gibt Krieg. Klimakommissionen werden zu Kriegsräten.

Italien will nicht mehr mitmachen. Zu gross ist die Armut der Bevölkerung. Grossbritannien und Irland folgen kurz darauf. «Nicht tolerierbar!», sagen die anderen Länder. Schliesslich brennt der Planet, und da haben alle am gleichen Strick zu ziehen. Es gibt Krieg. Klimakommissionen werden zu Kriegsräten. Dann brennen Italien, Grossbritannien und Irland. Traurig, gar brutal, ja, aber notwendig, denn: «Der Planet brennt auch!»

Es wird eine staatliche verordnete Sterilisation eingeführt, denn der schlimmste Klimasünder sei der Mensch selbst, sagen sie. Nutztiere und ­Haustiere werden getötet. Man habe keine Zeit mehr für Nachsicht, Befindlichkeiten, die Welt stehe vor dem Abgrund.

In Asien grassieren Epidemien. Es kommt zu riesigen Flüchtlingswellen. In Europa macht man die Grenzen dicht. Die Dezimierung ist erwünscht, weniger Menschen zwar, dafür besseres Klima. So ziehen die Jahrzehnte ins Land. Nationen fallen, neue entstehen. Globalisierte Produktion, internationaler Handel, wissenschaftliche Fortschritte gibt es keine mehr. Die Menschheit hat sich ­halbiert, und dann kommt das Jahr 2050 und die Stunde der Wahrheit: Es wurde nicht ein Grad wärmer.

Ein Sieg für die Menschheit, sagen sie. Man habe den Kampf gegen den Klimawandel gewonnen. Die Menschheit feiert ein Fest auf einem Trümmerhaufen. Aber immerhin: «Der Planet brennt nicht mehr!»

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