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Der Mann, der die Welt retten will, dies aber nicht darf

Ingo Potrykus hat vor zehn Jahren einen Gentech-Reis entwickelt, der tausende Menschen vor Mangelernährung bewahren sollte. Doch die Hoffnung auf schnelle Hilfe hat sich zerschlagen. Heute kämpft der Gentechnologe um sein Lebenswerk.

Matthias Meili

Die einen sehen in ihm den Mann, der die Welt von einem der grössten Ernährungsprobleme befreien kann. Für andere pfuscht Ingo Potrykus dem Herrgott schamlos ins Handwerk. Der Pflanzengentechnologe hat in seinen Labors an der ETH Zürich eine Reispflanze konstruiert, deren Körner im Gegensatz zu natürlichem Reis Provitamin A enthalten, einen Vorläufer des lebenswichtigen Vitamin A. Der «goldene Reis», sogenannt wegen seiner gelblichen Körner, sollte Millionen Menschen in Entwicklungsländern vor dem fatalen Vitaminmangel bewahren. 1999 präsentierte Potrykus sein Werk der Öffentlichkeit. Der Triumph war gross. Heute ist der Gentechreis immer noch das, was er schon damals war: ein grosses Versprechen.

Ingo Potrykus bewohnt ein einfaches Reiheneckhaus in Magden, einem kleinen Ort nicht weit von Basel. Ein stattlicher Mann mit weissem Bart öffnet die Tür. Er scheint alle Zeit der Welt zu haben. Das Wohnzimmer ist voll von Erinnerungsstücken aus 50 Jahren Familienleben. In der Ecke fällt eine fachmännisch ausgestopfte Schleiereule auf. Potrykus erzählt, wie er mit seiner Frau in der Camargue unterwegs war, als der Vogel mitten auf der Strasse lag – ein Verkehrsopfer. «Einen toten Vogel lässt man nicht liegen», sagt der Hobbyornithologe.

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