Das Wohlstandsparadox

Die Schweiz darf sich nicht der Illusion hingeben, dass mit teuren Lösungen, welche nur sie sich leisten können, ein messbares Resultat in der Umweltproblematik erzielt wird. Einen konstruktiven Beitrag leisten wir erst mit Lösungen, die sich auch weniger begünstigte Länder leisten können.

Der Ausstoss von Treibhausgasen ist eines jener Themen, die die Welt am meisten bewegen. Jedoch sind längst nicht alle Lösungen für jedes Land erschwinglich.

Der Ausstoss von Treibhausgasen ist eines jener Themen, die die Welt am meisten bewegen. Jedoch sind längst nicht alle Lösungen für jedes Land erschwinglich.

(Bild: Keystone)

Markus Häring

Wir lieben unsere Berge, unsere Flüsse, Seen und Landschaften. Schöne Landschaften, saubere Flüsse, Seen und saubere Luft sind in einem dicht besiedelten Land alles andere als selbstverständlich. Wir können uns Umweltschutz leisten. Schonende Landwirtschaft, Kläranlagen, Kehrichtverbrennung, Recycling, Luftreinhaltung sind nicht zum Nulltarif zu haben. Die ganze Palette von CO2-Reduktionsmassnahmen, wie Gebäudeisolation, Wärmepumpen und die Bereitstellung CO2-armer Elektrizität hat einen Preis.

Es ist kein Zufall, dass reiche Länder eine intaktere Umwelt haben als ärmere Länder. Luft-, Boden- und Gewässerverschmutzung, Abfallprobleme, ineffizienter Verbrauch von Kohle und Erdölprodukten konzentrieren sich bei den aufstrebenden Ländern. Dort sind nicht nur die grössten Umweltprobleme, sondern auch die grössten Zuwachsraten betreffend Wirtschaft und Bevölkerung. Wohlstand ermöglicht Umweltschutz und senkt den Bevölkerungszuwachs.

Das erscheint paradox

Wohlstand bedingt jedoch Energie. Wollen wir den aufstrebenden Ländern dies ermöglichen, müssen wir ihnen einen höheren Energieverbrauch zugestehen, etwas, das in den Augen vieler Klimaschützer paradox erscheint. Im Sorgenbarometer der Weltbevölkerung figurieren Umweltaspekte wie Klimawandel unter «ferner liefen», wie eine repräsentative Umfrage von Ipsos Public Affairs ergab. Die grössten Sorgen sind Arbeitslosigkeit, Korruption, Armut, Kriminalität, Gesundheit und Bildung, nicht Umweltthemen.

Privilegierte Situation

Das Sorgenbarometer, welches die CS jährlich in der Schweiz erhebt, kommt zwar zu ähnlichen Resultaten, aber Umweltschutz, inklusive Klima, kommt bereits an fünfter Stelle. Es ist gut, dass wir uns über die umweltbelastenden Emissionen unseres Konsums Sorgen machen und nach Lösungen suchen. Der grösste ungelöste Brocken sind heute die Treibhausgasemissionen, vornehmlich aus der Verbrennung fossiler Energie.

Als Forschungs- und Innovationsland ist die Schweiz in der privilegierten Situation, dass wir dazu Lösungen erarbeiten können und auch finden mögen. Nur dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass mit teuren Lösungen, welche nur wir uns leisten können, ein messbares Resultat erzielt wird. Einen konstruktiven Beitrag leisten wir erst mit Lösungen, die sich auch weniger begünstigte Länder leisten können.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...